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Vor allem beim Fußball und Eishockey kommt es häufig zu Gehirnerschütterungen.
 
Sportmedizin 17. April 2013

Bei Gehirnerschütterung sofort runter vom Feld

Neue Leitlinie der American Academy of Neurology (AAN).

Gehirnerschütterungen sind im Sport weitverbreitet, besonders beim Fußball, American Football, Rugby und Eishockey.

„Zu den wichtigsten Empfehlungen der Akademie gehört, jeden Sportler sofort aus dem Spiel zu nehmen, bei dem eine Gehirnerschütterung vermutet wird“, sagte Prof. Dr. Christopher C. Giza, einer der Erstautoren der Leitlinie, bei der Vorstellung im Rahmen der 65. AAN-Jahrestagung.

Die Sportler sollten demnach erst wieder spielen, wenn die akute Symptomatik vollständig abgeklungen ist. Ein allgemeingültiger Zeitraum hierfür könne aus der publizierten Literatur heraus jedoch nicht empfohlen werden. Diese individuelle Herangehensweise ersetzt die erstmals in einer Leitlinie von 1997 eingeführte, zeitlich gestaffelte Rückkehr zum Sport je nach der Schwere der Gehirnerschütterung.

Die Leitlinie hebt hervor, dass die Diagnose Gehirnerschütterung klinisch gestellt wird. Bei der Diagnostik können Symptom-Checklisten, die standardisierte Beurteilung (Standardized Assessment of Concussion, SAC), neuropsychologische Testungen sowie Gleichgewichtsprüfungen hilfreich sein.

Chronische neuro-kognitive Einschränkungen drohen

Ärzte sollten beim Management weiterhin bestehende Symptome (insbesondere Kopfschmerzen und Schwindel), die Vorgeschichte von Gehirnerschütterungen und das Alter der Sportler im Auge haben, da jeder dieser Faktoren mit einer längeren Erholungszeit in Verbindung steht. Hat ein Sportler bereits eine oder mehrere Gehirnerschütterungen durchgemacht, steigt das Risiko für eine weitere Gehirnerschütterung. Innerhalb der ersten zehn Tage scheint die größte Gefahr für eine weitere Gehirnerschütterung zu bestehen. Bei professionellen Sportlern waren frühere Gehirnerschütterungen, die Dauer der Karriere und das ApoE4-Gen mit einer chronischen neuro-kognitiven Einschränkung korreliert.

Laut Leitlinie gibt es derzeit keine ausreichende Evidenz für absolute Ruhe nach einer Gehirnerschütterung. Insofern können Aktivitäten, die die Symptome nicht verschlechtern und kein Risiko für weitere Gehirnerschütterungen darstellen, Teil des Managements sein. Auch gibt es keine ausreichenden Daten, die belegen würden, dass irgendeine Intervention die Erholung verbessern oder die Langzeitfolgen einer Gehirnerschütterung verringern könnte.

Quelle: Pressekonferenz „Evidence-based Guideline Update: Evaluation and Management of Concussion in Sports“, 65. AAN-Jahrestagung, San Diego, 18.3.2013

springermedizin.de, Ärzte Woche 16/2013

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