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Sportmedizin 5. November 2012

Ultraschall erkennt drohende Frakturen

Eine einfache Untersuchung kann Stressfrakturen bei Sportlern verhindern.

Hartes Training kann bei Laufsportlern, aber auch bei Tänzern, Fußballern oder Radsportlern zu einer schmerzhaften Überbelastung an Bein- und Fußknochen führen. Wie eine aktuelle Studie zeigt, ist es mit einer einfachen Ultraschalluntersuchung möglich, drohende Knochenbrüche zu erkennen.

Die kostengünstige Untersuchung könne Sportlern dabei helfen, Trainingspausen frühzeitig einzuleiten und so Stressfrakturen zu vermeiden. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) hin.

Ermüdungsfrakturen kommen überraschend

Eine Überbelastung durch Training und Wettkämpfe leitet im Knochen Umbauvorgänge ein: Knochengewebe wird verstärkt auf- und abgebaut. Sportler bemerken dies durch Schmerzen, die typischerweise bei Belastung des betroffenen Beines auftreten. Setzen sie das Training trotzdem fort, können die natürlichen Reparaturmechanismen die Entstehung einer Ermüdungs- oder Stressfraktur nicht mehr verhindern. Der Knochen bricht dann mitunter völlig überraschend – wie etwa bei US-Sprinter Manteo Mitchell bei den Olympischen Spielen im August dieses Jahres. In etwa der Hälfte der Fälle ist das Schienbein betroffen.

„Überlastungsschmerzen sind vor allem bei professionellen Langstreckenläufern und ambitionierten Amateuren keine Seltenheit“, berichtet Dr. Rainer Berthold, Leiter des Arbeitskreises Bewegungsorgane der DEGUM. Eine exakte Diagnose sei jedoch nur mittels Kernspintomografie möglich. „Sie macht die Stressreaktion des Knochens und eventuelle Mikrofrakturen sichtbar.“ Die Kernspintomografie sei allerdings kostspielig und stehe nur begrenzt zur Verfügung. Eine Röntgenuntersuchung in Verbindung mit einer üblichen hochfrequenten Ultraschalluntersuchung zeige erst die späteren Stadien des Ermüdungsbruches.

Eine kostengünstige Alternative ist die Untersuchung mit einem Gerät zur therapeutischen Ultraschallanwendung. Das Gerät, das in vielen Sportarztpraxen zur Behandlung von Gelenkschmerzen eingesetzt wird, gibt hochfrequente Schallwellen ab. „Die dadurch ausgelösten Mikrovibrationen provozieren bei Sportlern mit Stressfrakturen leichte Knochenschmerzen, ähnlich denen, die auch bei der Überlastung im Training auftreten“, erklärt Berthold.

Hohe Trefferquote

Sportmediziner aus Griechenland haben die Ultraschalluntersuchung jetzt an Hochleistungssportlern mit vermuteter Stressfraktur erprobt (Papalada et al.: Am J Sports Med 2012). Von den 110 Sportlern mit einer Stressverletzung zeigten 90 auch mit der Ultraschallanwendung eine Schmerzreaktion. Nur in einem Fall wurde ein Verdacht in der Ultraschallanwendung durch die Kernspintomografie nicht bestätigt.

Berthold sieht in der Untersuchung auch einen „pädagogischen“ Wert. Viele Leistungssportler sähen nicht ein, dass ihre Schmerzen eine drohende Stressfraktur anzeigen, solange auf normalen Röntgenbildern kein Bruchspalt zu sehen ist – was erst der Fall ist, wenn es zu spät ist. Die Ergebnisse der Ultraschalluntersuchung könnten die Sportler davon überzeugen, dass eine Anpassung des Trainings oder eine Trainingspause nötig sind, um einen drohenden Bruch zu vermeiden.

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