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Fast ein Drittel aller Verletzungen beim Fußball sind Muskelverletzungen.

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Schuld an Schädel-Hirn-Traumen ist meist ein gegnerischer Ellbogen.

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Beim Damenfußball sind Verletzungen des Kreuzbandapparats besonders häufig.

 
Sportmedizin 21. Juni 2012

Von Ball zu Fall

Pro Saison hat ein Fußballspieler mit durchschnittlich 0,6 Muskelverletzungen zu rechnen. Dazu kommen Kapselbandrisse, Prellungen und Kopfverletzungen.

Eine der beliebtesten Sportarten in Europa ist zugleich eine der riskantesten, was Verletzungen betrifft. Schon im Trainingsbetrieb kommt es pro Fußballer zu 2,9 Verletzungen in 1.000 Stunden. Die Rate steigert sich im Spielbetrieb auf 35 und 38 Verletzungen pro 1.000 Stunden. Dies gilt für Fußball auf Bundesliga-Ebene. Bei Großereignissen wie der Fußball-EM ist aufgrund der engen zeitlichen Folge der Spiele von einem weitaus höheren Verletzungsrisiko auszugehen.

Bei gefährlichen Sportarten denkt man vielleicht an Fallschirmspringen oder die Formel 1. Dabei ist das Verletzungsrisiko bei Mannschafts- und Kontaktsportarten weitaus höher. Beim Fußball hat man beides, Mannschaft und Kontakt: Die meisten Verletzungen treten beim Versuch, den Gegner vom Ball zu trennen, auf.

Gefährlichste Position: Mittelfeld

Verletzungen beim Fußball betreffen zu 77 Prozent die untere Extremität. Muskel- und Kapselbandverletzungen, Prellungen und Überlastungsschäden führen das Register an. Am gefährlichsten leben Mittelfeldspieler: In einer US-amerikanischen Studie wiesen sie mit einem Anteil von 37,6 Prozent die höchste Verletzungsrate auf, gefolgt von Verteidigern mit 29,6 Prozent und Stürmern mit 20,5 Prozent (Morgan et Oberlander: Am J Sports 2001). Die hauptsächlichen Risikofaktoren sind aber Vorschäden und das Alter des Spielers: Strukturelle Veränderungen in der Wirbelsäule, eingeschränkte Beweglichkeit der Hüfte und Muskelverkürzungen erhöhen das Risiko.

Beim Damenfußball gibt es übrigens doppelt so viele Verletzungen wie bei den Herren, vor allem der Kreuzbandapparat ist bei den fußballspielenden Frauen ein Schwachpunkt.

Schienbeinschoner verwenden und Pausen machen

Die Verletzungsgefahr im Fußball ist auch stark abhängig von der Frequenz der Spiele. Es wurde beobachtet, dass die Verletzungsrate bei Fußballern, die nur einmal pro Woche ein Match spielen, „nur“ 4,1 pro 1.000 Stunden beträgt. Ist die Ruhezeit zwischen den Spielen aber kürzer als vier Tage, schnellt sie auf 25,6 pro 1.000 Stunden hinauf (Ispiridis et al.: Clin J Sport Med 2008).

Ruhepausen sind also ein wirksames präventives Mittel. Auch die Einführung der Schienbeinschoner hat sich über die letzten Jahrzehnte als effektive Vorbeugungsmaßnahme erwiesen.

Typische Verletzungen

Fast ein Drittel aller Verletzungen im Fußball betrifft einen oder mehrere Muskeln, am häufigsten die Ischiocruralen (37%), die Adduktoren (23%) und die Wade (13%). Durchschnittlich hat ein Spieler mit 0,6 Muskelverletzungen pro Saison zu rechnen. Besonders gefährdet sind die Muskeln mit zweigelenkigem Verlauf mit hohem Typ-II-Faseranteil. Die Verletzungshöhe ist meist am muskulotendinösen Übergang.

 

Augenhöhlenbruch nach Ellbogencheck

Die Köpfe der Spieler bekommen rund sechs Prozent der Verletzungen im Fußball ab. Pro 1.000 Spielstunden kommt man auf 1,7 Schädel-HirnTraumata. Verursacher ist meist ein gegnerischer Ellbogen oder Kopf. So erlitt Per Mertesacker im Qualifikationsspiel gegen Aserbeidschan 2010 einen Augenhöhlenbruch. Interessanterweise wird in solchen Fällen meist kein Foul gepfiffen. Sportmediziner fordern hier schon seit Längerem eine konsequentere Umsetzung des Regelwerks.

 

 

Quelle: Christian Siebert: „Notbremse und Blutgrätsche“; springermedizin.de, Sonderausgabe zur UEFA Fußball Europameisterschaft 2012

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