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© DenisNata / shutterstock.com
Gelenke sind bei Kindern besonders verletzungsgefährdet.
 
Sportmedizin 11. Juni 2012

Sport und Verletzung

Die meisten Läsionen können konservativ behandelt werden und bedürfen Schonung, Reiz- und Schmerzreduzierung.

Die Fußball-Europameisterschaft hat begonnen, die Olympischen Sommerspiele in London stehen vor der Tür. Zumeist sind solche Großereignisse nicht nur eine Motivation, vor dem Fernseher zu sitzen, sondern auch, sich selbst wieder aktiver zu betätigen. Gerade in solchen Fällen ist die Verletzungs- und Überlastungsgefahr groß. Grundsätzlich sind eine entsprechende Vorbereitung und angemessene Ausrüstung der beste Verletzungsschutz. Kleinere Läsionen können im allgemeinen mit konservativen Maßnahmen und Ruhigstellung behandelt werden.

 

Die sportliche Betätigung hat im vergangenen Jahrhundert beträchtlich zugenommen. Dementsprechend niedrig war die Unfallrate davor aufgrund von Sportausübung. So zitieren Ueblacker et al. eine Untersuchung von Förster aus dem Jahr 1910, wonach in Wien etwa ein Prozent aller Unfälle sportliche Aktivitäten als Unfallursache hatten, wohingegen heute die Sportunfälle etwa 30 Prozent der Gesamtunfälle ausmachen. Fußball sei für ein Viertel bis die Hälfte aller sportbedingten Verletzungen in Europa verantwortlich.

Zu der häufigeren sportlichen Betätigung kommt der von außen oder sich selbst verordnete Leistungsdruck, der verkürzte Regenerationszeiten, ungenügend auskurierte Verletzungen und Doping für die Sportler im professionellen aber auch im semiprofessionellen Bereich als häufige Folgen hat. Dagegen orten Ueblacker et al. bei Breiten- und Freizeitsportlern unprofessionelles Erlernen neuer Modesportarten wie Kitesurfen, Snowboarden oder Inlineskaten als Grund vieler Verletzungen und Überlastungsschäden.

Verletzungen sind häufig Makrotraumata, wie z. B. Distorsionen, Kontusionen, Muskelläsionen, Rupturen, Frakturen oder Luxationen, allerdings können sich diese auch aus Mikrotraumata entwickeln, die zu nächst weder subjektiv noch objektiv wahrgenommen werden, aber kumuliert eine Beeinträchtigung darstellen.

Typische sportartspezifische Verletzungen und Fehlbelastungsfolgen nehmen zu. Das zeigt sich in der Benennung der jeweiligen Krankheitsbilder, auch wenn laut Ueblacker et al. Einigkeit darüber besteht, dass Verletzungen von Gelenken einschließlich Kapseln und Bän- dern sowie Verletzungen von Muskeln und Sehnen weit im Vorder grundstehen. Und so spricht man heute von „Bodybuilder-Neuropathie“, von „Footballschulter“, „Golferschulter“ oder „Tennis- und Golferellenbogen“ im Bereich der oberen Extremitäten, von „Biker’s Knee“, „Läuferknie“ oder „Fußballerknöchel“ und Ähnlichem im Bereich der unteren Extremitäten.

Konservative Maßnahmen und Schonung

In den meisten Fällen sind Entlastung, Schonung, antiphlogistische Medikamente und Physiotherapie indiziert, eventuell abschwellende Medikamente und lokale Infiltrationen zur akuten Schmerzbekämpfung. Die Primärversorgung erfolgt sowohl bei der Muskelzerrung, wie auch beim Muskelfaserriss entsprechend dem PECH-Schema – Pause, Eis, Compression, Hochlagern. Beim Muskelfaserriss ist besonderes Augenmerk auf die Kompression zu legen, um eine vermehrte intramuskuläre Einblutung zu vermeiden, stellen Köstler et al. fest. Orale nichtsteroidale Antiphlogistika verschaffen Schmerzlinderung und verhindern das Fortschreiten der Entzündungsreaktion. Handelt es sich um eine Überreizung und Entzündung gilt nach der erfolgreichen Behandlung der akuten Reizphase bei Überlastungsfolgen die strikte Beachtung der längeren Regenerationszeiten bei der Steigerung des Trainingsumfanges. In spezifischen Fällen bringt das gezielte Training der Trägermuskulatur Schmerzlinderung und gleichzeitig Vorbeugung vor weiteren Schäden.

Muskelläsionen zählen mit zu den häufigsten Sportverletzungen der unteren Extremität, wobei die die strukturell fassbaren Läsionen, wie Kontusion, Zerrung, Muskelfaserriss und Muskelkater von den nicht strukturell fassbaren, wie Verhärtung und Myogelose unterschieden werden. Für den zeitlichen Verlauf der Heilung ist die Primärversorgung von entscheidender Bedeutung. Kompression mittels Druckverband, Kühlung, Infiltrationstherapie und Entlastungsverbände sind neben weiteren physikalischen Anwendungen und schließlich Heilgymnastik die Behandlung der Wahl.

Auch Sportverletzungen im Kindesalter zeigen, so Ueblacker et al., eine steigende Tendenz. Prinzipiell können alle Verletzungsformen, wie sie nach Abschluss der Skelettreife beobachtet werden, auch bei Kindern auftreten.

 

 

Quelle: P. Ueblacker et al.: Verletzungen und Fehlbelastungsfolgen im Sport, in: Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz 2005. 48: 927–938

W. Köstler et al.: Erstmaßnahmen bei Sportverletzungen, in: Unfallchirurg 2002. 105: 450–465

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