zur Navigation zum Inhalt
Abb. 1: Sojakeimlinge „erobern“ zunehmend die heimischen Salatteller
soja 1 credit www.flickr.com-skudex
© www.flickr.com-skudex
Abb. 2:
Die Sojabohne (Glycine max)
 
Sportmedizin 5. Jänner 2012

Ernährungsmärchen Teil 9: Soja-Isoflavone gegen Wechseljahresbeschwerden?

Soja- und Sojaprodukte erfreuen sich immer größerer Beliebtheit; nicht nur in der vegetarischen Küche. Die Aufnahme ist in europäischen im Vergleich zu asiatischen Ländern aber dennoch eher gering. Den Inhaltsstoffen der Sojabohne – speziell den Phytoöstrogenen – werden häufig gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben.

Wissenschaftlich werden diese jedoch zum Teil kontrovers diskutiert. Sojabohnen und daraus hergestellte Produkte, wie beispielsweise Tofu, stellen nicht nur eine gute Proteinquelle dar, sondern sind im Vergleich zu tierischen Produkten arm an gesättigten und reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Soja und Sojaprodukte sind außerdem cholesterinfrei und enthalten eine Reihe sekundärer Pflanzenstoffe wie beispielsweise das Phytoöstrogen Isoflavon. Die in der Sojabohne enthaltenen Isoflavone sind vorwiegend aus Genistein, Daidzein und Glycitein bzw. deren Glykosiden zusammengesetzt. Je nach Sorte und Anbaubedingungen liegt der Gehalt an Isoflavonen bei Sojabohnen zwischen 0,1 und 0,3 % bzw. 100 und 300 mg pro 100 g [1].

Unbenannt-1
Während in Japan täglich zwischen 10 und 100 mg Isoflavone aufgenommen werden [2], liegt die durchschnittliche Isoflavonaufnahme in den westlichen Industrieländern bei traditioneller Ernährung unter 2 mg pro Tag [1]. Phytoöstrogene haben eine strukturelle Ähnlichkeit mit dem Hormon 17β-Östradiol und können mit Östrogenrezeptoren interagieren. Ihre östrogene Wirkung ist jedoch um mindestens den Faktor 100 (bis 10.000) geringer. Im Vergleich zu den endogenen Östrogenen können Phytoöstrogene jedoch in einer vielfach höheren Konzentration im Körper vorliegen. Abhängig von der endogenen Östrogenkonzentration und der Anzahl bzw. dem Typ der Östrogenrezeptoren können Phytoöstrogene sowohl östrogene als auch antiöstrogene Wirkungen besitzen [3, 2].

Soja-Isoflavone werden aufgrund ihrer östrogenen Aktivität zunehmend als Alternative zur Linderung von klimakterischen Beschwerden diskutiert [3]. Zahlreiche Studien untersuchten, ob durch den Konsum von Sojaprodukten bzw. der Einnahme isolierter oder hochdosierter Isoflavone das Auftreten von vasomotorischen Symptomen („hot flashes“) wie Hitzewallungen oder Schweißausbrüche vermindert werden kann [2]. Systematische Reviews aus randomisiert kontrollierten Studien, durchgeführt an perimenopausalen bzw. menopausalen Frauen, zeigten diesbezüglich inkonsistente Ergebnisse.

Bei einem Großteil der Studien waren keine bzw. keine signifikanten Verbesserungen der klimakterischen Symptome zwischen Verum- und Placebogruppe beobachtbar [4, 5, 6]. In vielen Studien konnten allerdings auch in der Placebogruppe Verbesserungen der Symptome festgestellt werden [7, 8, 2].

Aufgrund der Heterogenität der Studien und der oft sehr unterschiedlichen Studiendesigns gelten die bisher positiv angenommen Wirkungen der Soja-Isoflavone in isolierter oder hochdosierter Form auf klimakterische Beschwerden wissenschaftlich als nicht ausreichend gesichert [1, 2].

Isoflavone aus Soja werden nicht nur im Zusammenhang mit Wechseljahresbeschwerden, sondern auch im Zusammenhang mit Krebserkrankungen kontrovers diskutiert. Internationale Krebsstatistiken zeigten beispielsweise, dass asiatische Länder im Vergleich zu westlichen Industrieländern eine geringere Brustkrebsinzidenz aufweisen. Als Ursache dafür wird häufig der höhere Sojakonsum genannt [1, 3]. In tierexperimentellen und In-vitro-Untersuchungen konnte hingegen kein eindeutiges Ergebnis hinsichtlich der chemopräventiven Wirkung von Soja-Isoflavonen auf Brustdrüsenkrebs beobachtet werden [1, 9].

Aufgrund toxikologischer Untersuchungen kann nicht ausgeschlossen werden, dass isolierte Isoflavone in hoher Dosierung bzw. bei längerfristiger Einnahme (beispielsweise als Nahrungsergänzungsmittel) zu Änderungen des Brustdrüsengewebes, Beeinträchtigungen des Schilddrüsengewebes oder zur Entwicklung von Brustdrüsenkrebs führen können. Zu beachten ist auch, dass Frauen in und nach der Menopause ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben [1, 10].

Weitere Untersuchungen, vor allem Langzeitstudien, sind erforderlich um das Brustkrebsrisiko zu beurteilen und eine sichere Dosis für die Zufuhr von Isoflavonen festzulegen. Die Aufnahme von Isoflavonen über eine sojahältige Mischkost kann bei üblichen Verzehrsmengen nach den derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen als unbedenklich angesehen werden [10].

1 AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH), Zentrum Ernährung & Prävention, Spargelfeldstraße 191, 1220 Wien

Literatur

[1] BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung). Isolierte Isoflavone sind nicht ohne Risiko Stellungnahme Nr. 039/2007 des BfR vom 3. April 2007 (aktualisiert am 29. Oktober 2007).

[2] Wolters M, Hahn A. Sojaisoflavone in der Therapie menopausaler Beschwerden, Ernährungs- Umschau, 51 (11): 440-446, 2004.

[3] Kulling S, Watzl B. Phytoöstrogene, Ernährungs- Umschau, 50 (6): 234-239, 2003.

[4] Nelson HD, Vesco KK, Haney E, Fu R, Nedrow A, Miller J, Nicolaidis C, Walker M, Humphrey L. Nonhormonal therapies for menopausal hot flashes: systematic review and meta-analysis, JAMA, 295(17): 2057-2071, 2006.

[5] Huntley AL, Ernst E. Soy for the treatment of perimenopausal symptoms--a systematic review, Maturitas, 47 (1): 1-9, 2004.

[6] Krebs EE, Ensrud KE, MacDonald R, Wilt TJ. Phytoestrogens for treatment of menopausal symptoms: a systematic review, Obstet Gynecol, 104 (4): 824-836, 2004.

[7] Lethaby AE, Brown J, Marjoribanks J, Kronenberg F, Roberts H, Eden J. Phytoestrogens for vasomotor menopausal symptoms. Cochrane Database Syst Rev. 2007 Oct 17; (4):CD001395.

[8] Burke GL, Legault C, Anthony M, Bland DR, Morgan TM, Naughton MJ, Leggett K, Washburn SA, Vitolins MZ. Soy protein and isoflavone effects on vasomotor symptoms in peri- and postmenopausal women: the Soy Estrogen Alternative Study, Menopause, 10 (2): 147-153, 2003.

[9] Committee on Toxicity of Chemicals in Food, Consumer Products and the Environment. COT Report - Phytoestrogens and Health, published by the Food Standards Agency May 2003 (FSA/0826/0503).

[10] BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung). Fragen und Antworten zur Sicherheit von isoflavonhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln und ergänzenden bilanzierten Diäten. Ergebnisprotokoll eines Expertengesprächs im BfR am 5. Juni 2008.

[11] Kulling S. Isoflavone: Pflanzliche Hormone ohne Nebenwirkungen? (Präsentation vom 5. Juli 2007) http://www.bfr.bund.de/cm/232/isoflavone_pflanzliche_hormone_ohne_nebenwirkungen.pdf

Ingrid Kiefer, Bettina Meidlinger1, springermedizin.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben