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Foto: photos.com
 
Sportmedizin 14. Dezember 2011

Sportschuh wie aus der Steinzeit

Dämpfen, stützen, führen: Das war gestern. Moderne Sportschuhe sollen natürliche Bewegungen erlauben.

Seit zehn Jahren ist in Studien belegt, dass die Dämpfung in Sportschuhen rein gar nichts mit der Verletzungsinzidenz zu tun hat. Sohlen der neuen Generation von Sportschuhen sind inzwischen flexibler als früher, sei es durch Hohlräume in der Sohle oder durch mobile Lagerung des Fersenteils. Im Extremfall imitiert das Schuhwerk mit sehr dünnen oder durchbrochenen Sohlen das Barfußlaufen. Läuferinnen und Läufer müssen die Umstellung allerdings langsam vornehmen.

 

„Man hat sich von der Vorstellung verabschiedet, dass Laufen durch den Fersenaufprall krank macht“, hat Prof. Dr. Markus Walther aus München beim Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) betont.

Verstärkte Drehmomente sorgen für Beschwerden

Die Dämpfung eines Sportschuhs sollte lediglich die Differenz zwischen dem heutigen Kunstboden und dem Naturboden, auf dem der Mensch tausende Jahre oft bis zu 40 Kilometer täglich unterwegs war, ausgleichen.

Auch die Annahme, die übermäßige Pronation (Einwärtsdrehung) sei schuld an Verletzungen, konnte so nicht bestätigt werden. Verstärkte Drehmomente sowie Ab- und Adduktionsmomente im Kniegelenk beim Laufen gehen vielmehr mit Beschwerden und vermehrter Pronation einher.

Passform an Vor- und Rückfuß entscheidend

Dicke Sohlen und ausgeprägte Fersenaufbauten zwingen den Fuß geradezu in die Pronation. Walther: „Der Hebelarm des Sportschuhs ist der Feind der natürlichen Fußbewegung!“ Lieblingsschuhe von Athleten seien daher oft nicht Hightech-Produkte, sondern simple Fußbekleidung ohne Schnickschnack.

Das Entscheidende, so Walther, sei eine gute Passform an Vor- und Rückfuß. Dies korreliere mit der subjektiv empfundenen guten Dämpfung – im Gegensatz zu physikalischen Dämpfungsparametern von Schuhen.

Sohlen werden flexibler

Moderne Sportschuhe sollen daher die Hebelarme und damit auch die Rotationsmomente im Kniegelenk reduzieren. Zunehmend orientieren sich Hersteller an Belastungsmustern beim Barfußlaufen. So werden die Sohlen flexibler als früher, sei es durch Hohlräume in der Sohle oder durch mobile Lagerung des Fersenteils. Dies reduziert die Hebelkräfte um 30 Prozent. Zudem werden ethnische und geschlechtsspezifische Unterschiede einbezogen. Entsprechende Angebote für Männer und Frauen berücksichtigen die unterschiedlichen Bodenreaktionskräfte, Fersenaufsetzwinkel, Achsverhältnisse und Vorfußbreiten. Auch ältere Läufer, etwa mit beginnendem Hallux valgus, finden Schuhe mit weich gestalteten Schuh-Problemzonen.

Nicht zu viel „Barfuß“-Training

Walther warnte jedoch vor übermäßigem Training mit „Barfuß“-Schuhen, also mit durchbrochener oder sehr dünner Sohle. „Sie benutzen plötzlich Muskeln, die sie die letzten 20 Jahre nicht verwendet haben!“ Folge kann heftiger Muskelkater in der Fußsohle sein. Wird das Training nicht langsam über Monate gesteigert, drohten zudem Überlastungsverletzungen oder chronische Kompartment-Syndrome. Diese Schuhe, so Walther, seien dort empfehlenswert, wo der Steinzeit-Mensch barfuß gelaufen wäre: auf Rasen oder Waldboden.

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