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Abb. 1: Sportverletzung
© Dr. med. K. Zippelius

Qì in der traditionellen chinesischen Medizin
Zentralbegriff der TCM. Ungenügend definiert als Lebensenergie. Das Qì im Körper in einen ausgeglichenen harmonischen Fluss zu bringen, ist das Grundprinzip der TCM Therapie. Ein gleichmässiger kräftiger Fluss des Qi ist Voraussetzung für körperliches und seelisches Wohlbefinden. Qi Mangel hingegen zeigt sich in Müdigkeit („energielos“); bei Blockaden des Qi kommt es zu Schmerzen. Wo das Qi nicht ausreichend fliesst, vermindert sich auch die Blutzirkulation und umgekehrt. Der Qi Fluss kann durch Akupunktur geregelt und verbessert werden.
Abb. 2: Das Schriftzeichen für Qi

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Abb. 3: Akupunkturbehandlung

 
Sportmedizin 24. Juni 2010

Die spontane Achillessehnenruptur – ein vorhersehbares Ereignis?

Erklärungsmodelle, Präventivmaßnahmen und Therapievorschläge

Im Rahmen einer interdisziplinären und intersektoralen Zusammenarbeit kann die Sportmedizin durch die Sichtweise der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) um interessante und bisher ungeahnte Aspekte bereichert werden. In diesem Artikel wird der Brückenschlag anhand eines praxisnahen und viel diskutierten Beispiels veranschaulicht.

Einleitung

Es ist schon erstaunlich, die kräftigste Sehne im menschlichen Körper, die Achillessehne, ist zugleich diejenige Sehne, die am häufigsten von einer spontanen Ruptur betroffen ist. Die Achillessehne garantiert den stabilen Stand und ermöglicht Sprünge und einen kraftvollen Lauf. Ist sie verletzt, verliert der Mensch seinen aufrechten Gang, der ihn über die Tierwelt erhebt. Umso dramatischer ist es, wenn diese Sehne, meist ohne gegnerische Einwirkung und warnende Alarmzeichen aus „heiterem Himmel“ reißt. Der Sportler verliert den sicheren Stand und es beeindruckt zu sehen, wie selbst muskulöse, stolze „Gladiatoren“ schmerzgekrümmt in sich zusammenbrechen können (Abb. 1). Die Therapie ist auf der physischen Ebene langwierig und auf der psychischen Ebene gilt es die Erinnerung an den „Peitschenschlag“ oder „Tritt in die Ferse“ und den Vertrauensverlust im Hinblick auf die Festigkeit und Resistenz der Sehne und der eigenen Standfestigkeit, zu überwinden. So linear die Dynamik der Verletzung auf den ersten Blick erscheinen mag: chronische Überlastung → Tendinopathie → Müdigkeit im Moment des Traumas → Fehlbewegung → Sehnenriss, so kompliziert und vielschichtig ist diese Verletzung beim genaueren Betrachten. Prozesse, nicht nur struktureller und mechanischer Art („Hardware“), sondern auch auf der feinstofflichen, physikalischen Steuerungsebene („Software“) müssen berücksichtigt werden um die Komplexität der Vorgänge zu erfassen. In diesem Punkt liegt die Stärke des traditionellen chinesischen Medizinsystems.

Veranschaulicht am konkreten Fall, soll aufgezeigt werden, welche ergänzenden Möglichkeiten der Betrachtung des Krankheitsbildes, der Prävention und Therapie sich ergeben, wenn Prinzipien der TCM bei der Betreuung von Sportlern beachtet werden.

Merkmale der spontanen Achillessehnenruptur

Unter allen spontanen Sehnenrupturen ist der Riss der Achillessehne am häufigsten anzutreffen [1]. Bei etwa 2,0% aller Sportverletzungen handelt es sich um Achillessehnenrupturen. Männer sind in 86% betroffen. In 96 % handelt es sich um indirekte Verletzungen, insbesondere beim Antritt (33,6 %), Sturz und Verdrehtrauma (24,8 %), Sprint oder Lauf (15,8 %) [2]. Nur die wenigsten Patienten (unter 10%) geben an, bereits vor dem Trauma an Schmerzen der Achillessehne gelitten zu haben [3]. Fast immer hingegen weisen spontan gerissene Achillessehnen histopathologische Veränderung im Sinne einer Tendinopathie auf. Allerdings finden sich vergleichbare Ergebnisse auch bei 34% der Personen einer Kontrollgruppe ohne Sehnenverletzung [1]. Die intrinsischen, pathogenen Faktoren der Tendinopathie sind weitestgehend unbekannt und ob der degenerative oder der entzündliche Prozess im Vordergrund steht ist weiterhin Gegenstand der akademischen Diskussion [4]. In hohem Prozentsatz reißt die Achillessehne in der gering durchbluteten Zone 3-6 cm oberhalb des knöchernen Sehnenansatzes. Vermutet wird als Grund die unterschiedliche Faserstruktur bzw. die besondere Belastung dieses Abschnittes der Sehne. Bemerkenswert und für die Prävention von Bedeutung ist, dass das Risiko für eine kontralaterale Ruptur nach vorausgegangener spontaner Achillessehnenruptur signifikant erhöht zu sein scheint [5].

Informationen zur Verletzung David Beckham´s

Am 14.03.2010 in der 87. Minute der Partie AC Milan gegen Chievo, verletzt sich David Beckham schwer, der Traum an der WM 2010 teilzunehmen zerplatzt. In einem Spiegelartikel vom 15.03.2010 wird die Situation sehr anschaulich beschrieben: „David Beckham ist allein. Er ist der einzige Spieler im Mittelkreis des Giuseppe-Meazza-Stadions, er stoppt den Ball, macht einen Ausfallschritt nach hinten und verharrt für einen Moment. Humpelnd passt er den Ball weiter und fasst sich an die linke Achillessehne.“ Eine vollständige Ruptur der Sehne wird später diagnostiziert und von einer frühesten Rückkehr nach 6 Monaten gesprochen. Filmausschnitte zur Verletzungssituation zeigen, wie ein völlig harmloser, alltäglicher Ausfallschritt derart verheerende und in dieser Schwere letztlich auch medizinisch kaum zu erklärenden Folgen haben kann. In der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“ (15.03.2010) werden jedoch interessante Details bekannt gegeben, die bei einer feinstoffliche Analyse des Falls nach TCM Prinzipien und in Verbindung mit einer ausführlichen Anamnese und der Puls- und Zungendiagnostik Bedeutung erlangen: David Beckham sei darüber beunruhigt gewesen, dass sein Vereinstrainer Leonardo für ihn häufig nur die Reservistenrolle vorgesehen habe und englischen Tageszeitungen habe er gestanden, deshalb Angst davor zu haben es nicht zu schaffen, der erste Engländer in der Geschichte zu sein, der an 4 Fußball-Weltmeisterschaften teilnimmt.

Im Folgenden soll erläutert werden, über welche energetischen Mechanismen selbst scheinbar harmlose emotionale und seelische Zustände zu Kofaktoren der spontanen Achillessehnenruptur werden können. Nicht im Sinne einer psychosomatischen Dynamik nach westlicher Vorstellung, sondern nach den Denkmustern der TCM in Bezug auf die feinstoffliche, physikalische Regulation. Zur Vertiefung dieser Thematik können wissenschaftlich fundierte Hinweise über physikalisch gesteuerte Regulationsprozesse des Bewegungsapparates der Publikation „Physical Regulation of Skeletal Repair“ der American Academy of Orthopaedic Surgeons entnommen werden [6].

Präventivmaßnahmen, die zur Minderung des Verletzungs-risikos beitragen können

Das traditionelle chinesische Medizinsystem hat sich über Jahrtausende hinweg weiterentwickelt, indem Generationen von Ärzten ihre Erfahrungen und Intuitionen entweder schriftlich fixiert oder aber mündlich an die folgenden Generationen weitergegeben haben. Eine wissenschaftlich und statistisch relevante Datenerhebung erfolgte nicht. So liegt es in der Natur der Sache, dass die Schwierigkeit darin besteht, objektiv verifizierbare Aussagen über die Richtigkeit und Wirksamkeit der diagnostischen und therapeutischen Methoden zu machen. Eine Plausibilität des Medizinsystems ergibt sich insofern nicht aufgrund einzelner wissenschaftlich beweisbarer Aspekte, sondern indem man sich beständig und über Jahre hinweg mit den Grundprinzipien und Theorien beschäftigt und diese Erkenntnisse mit den eigenen Erfahrungen am Patienten korreliert.

Die Erklärungen, die im Folgenden, auch zum Fall der Verletzung des Spielers Beckham gemacht werden, sind als Prämisse zu verstehen. Ziel der Ausführungen ist es Neugierde und Interesse für eine andere Medizinkultur zu wecken, deren Methoden sich auch im Bereich der Sportmedizin und der Traumatologie problemlos integrieren lassen und die das Behandlungsspektrum deutlich erweitern können.

Folgende Konstellation kann aus Sicht der TCM, aufgrund der oben genannten Literaturdaten und der vorliegenden Information zum Verletzungshergang im Fall der Verletzung des Spielers Beckham postuliert werden:

 

  1. der 34-jährige Fußballer hatte vor Spielbeginn nur geringe oder keine Beschwerden im Bereich der Achillessehne, die Vorhersage des Traumas war dadurch erschwert.
  2. es ist anzunehmen, dass die linke Achillessehne des Patienten degenerative Veränderungen aufwies.
  3. ein ehrgeiziges hoch gestecktes Ziel, nämlich als erster englischer Spieler zum 4. Mal an einer WM teilzunehmen, erzeugte eine überdurchschnittliche Belastung
  4. es bestand die Angst, den hohen Anforderungen nicht gerecht zu werden
  5. der Spieler war zum Zeitpunkt der Verletzung und nach 87 Spielminuten ermüdet

 

Wie ist diese Konstellation zu bewerten und inwiefern beeinflussen sie die Wahl der Präventivmaßnahmen?

Asymptomatische Tendinopathie (Punkt 1 und 2) – ein Kofaktor der spontanen Achillessehnenruptur

Trotz Abwesenheit von Schmerzen als Alarmzeichen für pathologische Prozesse im Sinne einer Tendinopathie müssen Verhärtungen und Verdickungen der Sehne und Kontrakturen des M. triceps surae regelmäßig behandelt werden. Dies geschieht indem 2–3 Mal die Woche Tui Na Massagen und spezifische Kräuteranwendungen durchgeführt werden. Zur Anwendung kommen Mobilisation- und Dehntechniken, wie „Bo – die „Lautenspieltechnik“ und Kräuterrezepturen, wie z.B. „Xiazhi Sunshang Xifang“ (Tab. 1), die die lokale Qi - (Abb. 2) und Blutstase auflösen und das Gewebe vitalisieren. Beachtenswert sind zwei Studien über die Veränderung der Sehnenbeschaffenheit nach manueller Therapie [7,8]. Anhaltspunkte für eine Tendinopathie ergeben sich über die ausführliche manuelle Untersuchung, über die Sonographie und die MRT. Unterstützt werden kann die Regeneration der Sehne dann über die Tonisierung von Nieren- und Leberenergie durch die innerliche Gabe von Rezepturen wie „Duhuo Jisheng Tang (schmerzhafte Sehnenveränderung und Nierenschwäche) (Tab. 1) und bei Leere der Nieren, von „Zhuangyao Jianshen Tang (Tab. 1). Gleichzeitig sollte eine Analyse und Korrektur von Fehlhaltungen und ungünstigen Bewegungsmustern erfolgen, die zu Fehlbelastungen der Sehne führen. Für weitere Hinweise zur Therapie der Tendinopathie wird auf den Artikel “Das ewige Problem Achillessehne“ von Univ. Prof. Dr. Ch. Gäbler (sport- und präventivmedizin/ 39. Jahrgang/ Heft 4 / 2009, Seite 21 ff.) verwiesen. Die Diskussion zu Nutzen und Schaden von exzentrischen Übungen und „Dehnen“ nach dem Sport und zur Besserung von chronischen Achillessehnenbeschwerden, den der vorgenannte Artikel ausgelöst hat (siehe im Abschnitt „Panorama“ unter „Leserbriefe“ der Zeitschrift: sport- und präventivmedizin/ 40. Jahrgang/ Heft 1/ 2010, Seite 40), kann durch Sichtweisen der TCM bereichert werden: die mechanische und anatomisch/strukturelle Vorstellung von „verlängern“ und „verkürzen“ bzw. (exzentrischem) „Dehnen“ von Muskeln und Sehnen, sollte erweitert werden durch eine energetische Sichtweise. Nach dieser geht es bei körperlichen Bewegungen zur Vorbereitung oder Nachbereitung des Sportes in erster Linie darum, die Energie in den Meridianen und Muskelleitbahnen und als Folge davon, die Blutzirkulation zu beleben. Durch die Anwendung von bestimmten Atemtechniken und der Visualisierung leitbahnspezifischer (räumlicher) Bilder während der Dehnübungen und der Gymnastik, öffnen sich die Meridiane und die Energie kommt ins Fließen (Grundzüge des Qi Gong und Tai Qi) [9]. Bei intensivem Blut und Energiefluss werden die Weichteile während der Dehnübungen und bei Ausübung des Sportes besser vor (Mikro-) Traumatisierung geschützt.

Ehrgeiz und (nervliche )Anspannung (Punkt 3) – höheres Risiko für Sehnen- und Muskelverletzungen

Das erhöhte Risiko für Sehnen- und Muskelverletzungen leitet sich aus dem Konzept der 5 Elemente in der TCM ab: Der Funktionskreis Leber/ Gallenblase ist betroffen (Tab. 2). Nach diesem Konzept führt die Verärgerung, z.B. darüber zu oft auf die Reservebank verbannt zu sein, und ein übermäßiger Ehrgeiz bzw. die nervliche Anspannung, die eine Folge davon ist, zur Verlangsamung oder gar zu Blockierung der Energie der Leber und der Gallenblase. Wenn das Leber- und Gallenblasen Qi nicht gleichmäßig in den Meridianen und Muskelleitbahnen fließt, verkürzen sich die Muskeln (Kontraktur) und der Sehnentonus erhöht sich. Zugleich verlieren die Bewegungen ihre Geschmeidigkeit und Koordination. Frustration und Ärger entladen sich in (auto-) aggressiven Bewegungsmustern. Dadurch steigt das Verletzungsrisiko vor allem im Bereich von Sehen und Muskeln. Ein Zusammenhang zwischen der Persönlichkeitsstruktur des Sportlers und seinem Verletzungsrisiko wurde von Ekenman et al in einer kleinen Studie auf interessante Weise hergestellt [10]. Bei der Beobachtung der Verletzungssituation des Spielers Beckham fiel tatsächlich ein schlecht koordinierter Bewegungsablauf auf. Es kann nur vermutet werden, dass die beteiligten Muskelgruppen beim Stoppen des Balles nicht gut koordiniert und die Leber-, Nieren- und Blasenmeridiane nicht offen und durchgängig waren. Die physiologische Absorption und Verteilung der einwirkenden Kräfte entlang der Meridiane („Muskelketten“), während des Ausfallschrittes nach hinten, wurde so verzögert und behindert. Eine nicht physiologische Kräftekonzentration im Bereich der Achillessehne und die Verletzung waren die Folge. Ein wesentliches Ziel der Prävention muss also sein, für einen harmonischen und gleichmäßigen Fluss des Leber Qi und für offene, leitfähige Meridiane zu sorgen. So werden eine physiologische Elastizität und Spannung von Muskeln und Sehen und koordinierte, gleichmäßige Bewegungsabläufe begünstigt. Geeignete Mittel zur Erreichung dieses Zieles sind Akupunkturbehandlungen (Abb.3), die 1 bis 2 Mal wöchentlich durchgeführt werden. Durch die Vermittlung von Atemtechniken, Entspannungsübungen und diejenigen Übungen des Qi Gong/ Tai Qi, die die Meridiane von Leber und Gallenblase öffnen, wird die Autonomie des Sportlers in der Prävention gestärkt. Die Kapazität des Körpers wird verbessert, plötzlich auftretende Belastungskräfte im Bereich der Sehne und Muskeln gleichmäßig abfließen zu lassen. Man halte sich die erstaunliche Fähigkeit von asiatischen Kampfkünstlern („Shaolin-Mönche“) vor Augen, die traumatisierende Energie, z.B. bei kräftigen Schlägen mit Holzlatten auf den Unterarm, schadlos zu absorbieren.

Angst und Verunsicherung (Punkt 4) – geschwächte Sehne

Das erhöhte Risiko für eine spontane Ruptur bei geschwächter Achillessehne leitet sich aus dem Konzept der 5 Elemente in der TCM ab: Der Funktionskreis Niere/Blase ist betroffen (Tab. 2).

Die Stabilität des Skelettes und die Festigkeit von Sehnen und Bänder ist vom Zustand der Nierenenergie abhängig. Umgekehrt schwächen Angst und körperliche Verausgabung die Nierenenergie und damit die Festigkeit von Sehnen, Bändern und Knochen. Ermüdungs- und spontane Verletzungen von Knochen, Bändern und Sehnen haben meist mit einer beeinträchtigten Nierenenergie zu tun. Nach Erfahrung des Autors können Frakturen und Verletzungen von Bändern und Sehnen bei geringstem auslösendem Moment und völlig gesunden Strukturen, dann gehäuft auftreten, wenn zeitgleich Schockerlebnisse, tiefe Existenzängste oder lebensbedrohliche Situationen vorliegen, die aus Sicht der TCM den Funktionskreis der Niere schwächen. Innerhalb kürzester Zeit und ohne weitere erkennbare Gründe scheinen die vorgenannten Gewebe ihre Festigkeit und Widerstandskraft entscheidend zu verlieren. Interessant ist, dass Spontanrupturen von Sehnen vermehrt auch bei Niereninsuffizienz und Dialyse Patienten beobachtet werden. Der genaue Pathomechanismus ist jedoch noch nicht geklärt [11,12]. Der Spieler Beckham hatte englischen Tageszeitungen gestanden, Angst davor zu haben „es nicht zu schaffen“. Im konkreten Fall könnte also eine Versagensangst die Nierenenergie und damit die Achillessehne zusätzlich geschwächt haben. Die Nieren- und die Blasenleitbahn nähern sich in ihrem Verlauf (Innen- und Außenknöchel) der Achillessehne und versorgen diese direkt mit Energie und Blut. Auch deshalb ist die Festigkeit der Achillessehne am unmittelbarsten von einer Schwäche der Nierenenergie betroffen. Die geeignetsten pflanzlichen Mittel der chinesischen Materia Medica zur Stärkung der Nierenenergie und von Sehnen, Bändern und Knochen sind: Rhizoma Drynaria, Radix Morinda, Radix Dipsacus, Loranthus parasiticus, Radix Achyranthes u.a.

Meditation und Qi Gong Übungen, die die Energie im Unterbauch (im Dāntián oder „Zinnoberfeld“, einem bedeutenden Energiezentrum unterhalb des Nabels) sammeln lassen, stärken das Nieren Qi und die Standfestigkeit ebenfalls und zwar sowohl in körperlicher als auch geistiger Hinsicht.

Erschöpfung, Qi – Schwäche und Konzentrationsverlust (Punkt 5)

Die Verletzungssituation entstand in der 87. Minute unmittelbar vor dem Ende der Spielzeit. Wird die verbreitete Auffassung, dass „die letzte Skiabfahrt die gefährlichste ist“ und die meisten Verletzungen „kurz vor dem Ziel“ passieren, bestätigt? Während die Kraft kontinuierlich nachlässt ist der plötzliche Konzentrationsverlust „der letzten Abfahrt“ oder „kurz vor dem Ziel“ von der mentalen Einstellung abhängig. Ob dies im konkreten Fall ebenfalls eine Rolle gespielt hat bleibt spekulativ. Wahrscheinlich ist hingegen, dass der Kraftverlust in der Beinmuskulatur nach 87 Spielminuten, die Reaktivität der Muskulatur vermindert und zugleich die Muskelspannung erhöht hat. Die Fähigkeit der elastischen „Absorption“ (Energieweiterleitung über die Meridiane) der auf die Achillessehne wirkenden Kräfte war reduziert, so dass der Organismus nicht in der Lage war, die beim Ausfallschritt entstandenen Kräfte, von der geschwächten Achillessehne fern zu halten. So entstand ein weiterer Kofaktor in einer komplexen Kausalitätskette. Ziel der Prävention in diesem Kontext ist es, die Ausdauer und körperliche Anpassungsfähigkeit an eine erhöhte Leistungsanforderung zu verbessern. Nach Auffassung der TCM können hier einige weitere Substanzen der Materia Medica von Interesse sein: Panax Quinquefolium, Fructus Schizandra, Radix Astragalus, Cordyceps, Radix Eleutherococcus. In einem Artikel der Sportzeitung „La Gazetta dello Sport“ vom 25.06.2002, wenige Tage nach dem Ausscheiden der italienischen Fußball-Nationalmannschaft gegen die Mannschaft aus Südkorea, erklärte der koreanische Mannschaftsarzt Kim Hyon Chui die auffällige, läuferische Überlegenheit der koreanischen Spieler, vor allem in der Verlängerung des Achtelfinales, damit, dass er den Spielern seit Monaten 3 mal täglich Pillen verabreicht hätte, die Fischextrakte, Heilkräuter und Ginseng enthielten.

Integrative Traumatherapie

Das Potential zur Verkürzung von Heilungs- und Rehabilitationszeiten nach Verletzungen durch Integration von Behandlungsmethoden der TCM ist enorm und die Bereitschaft sich mit diesen Methoden näher auseinanderzusetzen wächst. In einer veröffentlichten Literaturauswertung berichtet Wang Heming vom Fu Jian College of TCM davon, dass sich durch die Integration von Tui Na (manuelle Therapie einschließlich Massagetechniken) und die externe/interne Applikation von Kräutermischungen der chinesischen Materia Medica in gängige Behandlungsschemen (chirurgischer Eingriff und Ruhigstellung oder alleinige Ruhigstellung), die Heilungszeit von Frakturen bis zu etwa 1/3 verkürzen lässt [13].

Wie könnte sich die Integration von Tui Na Handtechniken und chinesischer „Pharmakologie“ im konkreten Fall vollziehen? Die Wahl der therapeutischen Mittel richtet sich nach den 3 Heilungsphasen:

Absorbtionsphase

TCM-Therapieprinzipien perioperativ: Blut bewegen, Blutstase (Hämatom) auflösen, Schwellung beseitigen.

Therapeutische Mittel der Wahl: lokale Kräuterauflagen und Einreibung mit Tinkturen wie z.B. Zi Jin Jiu - “Precious purple medicated wine“ (Tab. 1), die Blut und Qi bewegen, Blutstasen auflösen und abschwellen.

Begleitend: Akupunktur zur Beseitigung der Energieblockaden (Schmerztherapie) und Anregung des Qi Flusses in der Nieren- und Blasenleitbahn, sowie zur Regulierung des Leber Qi Flusses.

Hinweis: Nach Auffassung der chinesischen Medizin ist in dieser Phase sowohl die Kältetherapie (Eis) als auch die Einnahme von nicht-steroidalen Entzündungshemmern zur Schmerztherapie kontraproduktiv und die Heilungsprozesse verzögernd. Beide Maßnahmen sind bei konsequenter TCM Behandlung in der Regel nicht erforderlich, da sich Gewebeeinblutung/Hämatombildung, Schmerzen und Schwellung auch ohne Eistherapie und FANS gut kontrollieren lassen.

Bemerkung: eine optimierte Behandlung in dieser frühen Phase des Traumas ist Grundvoraussetzung für eine signifikante Verkürzung der Heilungszeiten. Auf Interesse könnte, trotz der großen Mängel im Aufbau, eine klinische Studie des J. Ning Hospital for Traumatology and Orthopedics in Shandong/P.R. China stoßen. Sehr positive Ergebnisse werden publiziert: 12562 Fälle mit akuten Weichteilverletzungen verschiedener Schweregrade wurden mit Kräuterauflagen behandelt. Von den 3203 Patienten, die der Gruppe mit schwerem Kontusionstrauma zugeordnet worden waren (Ausschlusskriterien: offene Verletzung, Frakturen, Luxationen, Sehen- und Bänderrisse) waren 929 Patienten (29%) bereits nach 3 Tagen und einer einzigen Kräuterauflage und weitere 1345 Patienten (42%) nach 2 Kräuterauflagen nach insgesamt 6 Tagen völlig beschwerdefrei und voll belastbar [14]. Die Anwendung von Kräuterauflagen und -tinkturen zur Behandlung der akuten Phase des Traumas hat sich auch nach Erfahrung des Autors über Jahre hinweg ausgesprochen bewährt und wird als Alternative zur Eistherapie sehr empfohlen. Im vorliegenden Fall, der rekonstruierten Achillessehne, wäre sanftes Einreiben der intakten Hautzonen, im sicheren Abstand zur Operationswunde, mit Kräutertinkturen bereits unmittelbar postoperativ sinnvoll. Bei normaler Wundheilung könnte dann spätestens ab dem 10. postoperativen Tag die Rekonstruktion der Sehne durch direkte Kräuterauflagen gefördert werden:

Rekonstruktionsphase

TCM-Therapieprinzipien zur Festigung der verletzten Strukturen: Nieren- und Leberenergie tonisieren, Sehnenheilung stimulieren, Qi und Blut bewegen, Leitbahnen und Gewebe durchgängig machen.

Therapeutische Mittel der Wahl: Einnahme von Rezepturen, die die Nieren- und Leberenergie tonisieren wie Die Da Yang Ying Tang, „Nutrition increasing Decoction for traumatic injuries“ (Tab. 1).

Begleitend: Vorsichtige Weichteilbehandlung im Bereich des Unterschenkels und der verletzten Sehne mittels Tui Na Handtechniken (ärztliche Handlung!) und unter Verwendung von Kräutertinkturen. Phasenspezifische Kräuterauflagen jeden 3. Tag. Akupunktur zur Beseitigung der Energieblockaden (Schmerztherapie) und Anregung des Qi Flusses in der Nieren- und Blasenleitbahn.

Bemerkung: Die Rekonstruktion von Knochen, Sehen und Bändern wird durch die Behandlung der umliegenden Weichteile und der betroffenen Meridiane u.a. deshalb gefördert, weil der Qi und Blutfluss und damit die Versorgung der verletzten Gewebe verbessert wird.

Rehabilitationsphase

TCM-Therapieprinzipien begleitend zu Physiotherapie und Aufbautraining: Verhärtungen erweichen, Gewebe durchgängig machen, Öffnen der Leitbahnen, pathogene Faktoren wie Wind, Kälte und Feuchtigkeit ausleiten, Nieren- und Leberenergie tonisieren.

Therapeutische Mittel der Wahl: Kräftige Weichteilbehandlung im Bereich des Unterschenkels und der verletzten Sehne mittels Tui Na Handtechniken und unter Verwendung von öffnenden, das Gewebe vitalisierenden Kräutertinkturen wie z.B. Gu Shang Wai Xi Yi Fang, “No. 1 tincture for bone injury” (Tab. 1). Akupunktur zur Reduzierung von Belastungsschmerzen.

Begleitend und optional: Innerliche Verordnung von Rezepturen, die die Nieren- und Leberenergie tonisieren und damit den Muskel- und Kraftaufbau unterstützen.

Bemerkung: Eine konsequente TCM Behandlung dieser Phase trägt dazu bei, das Risiko von posttraumatisch persistierenden Schmerzsyndromen und Spätarthrosen zu mindern und die volle Beweglichkeit rasch wieder zu erlangen.

Allgemeine Tipps für Sportler zur Verminderung des Verletzungsrisikos

  • „Aufwärmen“ durch Erhöhung des Qi- und Blutflusses. Es wird empfohlen vor Beginn der sportlichen Aktivität Einreibungen und Massagen mit solchen Ölen und Tinkturen vorzunehmen, die wärmende, Qi und Blut bewegende Kräuter, wie Artemisia, Carthamus, Zimt, Sichuan Pfeffer, Capsicum, Saposhnikovia etc. enthalten (erhältlich in spezialisierten TCM Apotheken).
  • Verbesserung der Elastizität von Muskeln, Sehnen und Bandstrukturen durch Tui Na Massagetechniken unter Verwendung von Salben, die Substanzen wie Borneol, Uncariae Ramulus cum Uncis, Clematidis Radix, Cissi caulis, Rehmanniae Radix etc. enthalten (erhältlich in spezialisierten TCM Apotheken). Diese machen das Gewebe durchgängig und verbessern die Blutversorgung. Kräftige tiefe Massagen durch kreisende und schnippende Bewegungen im Bereich von spürbaren Verhärtungen und Kontrakturen sowie von Triggerpunkten.
  • (energetisches) Stretching: die Absicht einer mechanische Dehnung der Strukturen sollte um eine energetische Vorstellung erweitert werden: Durch die Anwendung von bestimmten Atemtechniken und der Visualisierung meridianspezifischer (räumlicher) Bilder während der Dehnübungen und der Gymnastik, öffnen sich die Meridiane und die Energie kommt ins Fließen (Grundzüge des Qi Gong und Tai Qi) [9]. So werden die Weichteile während der Dehnübungen und bei Ausübung des Sportes besser vor (Mikro-)Traumatisierung geschützt.
  • auf emotionales und mentales Gleichgewicht achten. Durch mentales Coaching, Atem- und Entspannungsübungen, Meditation und energetische Gymnastik (Lenkung der eigenen Energien) wie Qi Gong, Tai Qi und Yoga können innerer Anspannung (Leber Qi Stagnation) und Ängste (geschwächte Nierenenergie) beherrscht oder aufgelöst werden.

 

Mit dem „ewigen Problem Achillessehne“ (= der schöne Titel des oben zitierten Artikels von Univ. Prof. Dr. Ch. Gäbler) sind wir Ärzte mindestens seit den mythologischen Zeiten um Achilles beschäftigt. Daran wird sich auch in Zukunft nicht viel ändern. Dennoch besteht die kleine Hoffnung, dass dieser Beitrag den einen oder anderen hilfreichen Anstoß geben möge, die Achillessehne einmal unter anderem Blickwinkel zu betrachten.

1 Dr. med. Karl. Zippelius, Firenze, Italia

Kontakt: Dr. med. Karl. Zippelius Costa San Giorgio 12 50125 Firenze, Italia e-mail: Internet: www.drzippelius.com

[1] Kannus P and Jozsa L. Histopathological changes preceding spontaneous rupture of a tendon. A controlled study of 891 patients, J Bone Joint Surg Am., 73(10): 1507-25, 1991.

[2] Steinbrück K. Achillessehnenrupturen im Sport – Epidemiologie, aktuelle Diagnostik, Therapie und Rehabilitation Analyse von 791 Fällen, Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 51, Nr. 5 , 154-160, 2000.

[3] Dr. med. Martin Majewski, Aspekte zur Sportverletzung Achillessehnenruptur Ätiologie, Diagnose, Therapie und Rehabilitation, Dissertationsabstract Prof. Dr. med. habil. K. Steinbrück, Medizinische Fakultät Heidelberg, 1999.

[4] Abate M, Gravare Silbernagel K, Siljeholm C, et al. Pathogenesis of tendinopathies: inflammation or degeneration? Arthritis Res Ther., 11(3): 235, 2009.

[5] Aroen A, Helgo D, Granlund O, et al. Contralateral tendon rupture risk is increased in individuals with a previous Achilles tendon rupture, Scand J Med Sci Sports, 14: 30-33, 2004.

[6] Aaron R. K, Bolander M. E. Physical Regulation of Skeletal Repair, American Academy of Orthopaedic Surgeons, Rosemont/ Illinois, 2005.

[7] Davidson CJ, Ganion LR, Gehlsen GM, et al. Rat tendon morphologic and functional changes resulting from soft tissue mobilization, Med Sci Sports Exerc., 29(3): 313-9, 1997.

[8] Gehlsen GM, Ganion LR, Helfst R. Fibroblast responses to variation in soft tissue mobilization pressure, Med Sci Sports Exerc, 31(4): 531-5, 1999.

[9] Tianjun Liu, Kevin W. Chen. Chinese Medical Qigong (Liu), Singing Dragon, London 2010.

[10] Ekenman I, Hassmén P, Koivula N, et al. Stress fractures of the tibia: can personality traits help us detect the injury-prone athlete? Scand J Med Sci Sports, 11(2): 87-95, 2001.

[11] Bašic-Jukic N, Juric I, Racki S, et al. Spontaneous tendon ruptures in patients with end-stage renal disease. Kidney & blood pressure research, 32 (1). pp. 32-36, 2009.

[12] Hofmann GO, Weber T, Lob G. Tendon rupture in chronic kidney insufficiency-“uremic tendonopathy“? A literature-supported documentation of 3 cases, Chirurg, 61(6): 434-7,1990.

[13] Wang Heming. Experimental study on fracture union course influenced by chinese materia medica, TCM Magazine of orthopedics & traumatology, 2 (4): 44-48, 1986.

[14] Wu Xinwu et al, 12562 cases of acute soft tissue injury treated by external application of huo xue gao, Shandong TCM Magazine 11 (5): 18, 1992.

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