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Foto: flickr / Nina Matthews Photography
Mit passenden Schuhen und einem adäquaten Trainingsplan bleibt die Freude am Laufen erhalten.
 
Sportmedizin 6. April 2011

Der Fuß des Läufers

Ob Hobby-Jogger oder Marathonläufer – das Laufen boomt. Umso mehr sollte den Füßen Aufmerksamkeit geschenkt werden, damit unangenehme Langzeitfolgen verhindert werden.

Die Füße werden von den Menschen meist wenig beachtet, sind sie doch in Strümpfen und Schuhwerk verborgen oder stehen mit dem Schmutz der Erde in Berührung. Dabei sind sie das zentrale Element unseres Selbstverständnisses als aufrecht gehende Wesen. Sie tragen unser Gewicht im Schnitt mit etwa zwei Millionen Schritten im Jahr und durchschnittlich 120.000 km im Leben.

 

Überlastungssyndrome der unteren Extremität sind beim Läufer die häufigste Ursache von Verletzungen. Bei bis zu 20 Prozent aller Patienten, die eine sportmedizinische/orthopädische Praxis aufsuchen, wird sogar eine Stressfraktur diagnostiziert.1

Die Gründe dafür sind multifaktoriell, wobei ein Hauptfaktor in wiederholten körperlichen Belastungen ohne ausreichende Ruhezeiten zu sehen ist – nach dem Motto: too far, too fast, too soon. Beim Lauftraining sollte die Kilometerleistung nicht um mehr als zehn Prozent pro Woche gesteigert werden und es sollte auf keinen Fall „durch den Schmerz hindurch gelaufen werden“. Adäquates Aufwärmen, vor allem Dehnen vor und etwa eine Stunde nach dem Laufen sind wichtig. Auch auf die Auswahl passender Laufschuhe muss geachtet werden.

Ermüdungsfraktur oder Insuffizienzfraktur

Stressfrakturen können sowohl im gesunden als auch im vorgeschädigten Knochen auftreten, wenn dieser wiederholten Belastungen ausgesetzt wird. Man unterscheidet dabei die Ermüdungsfraktur („fatigue fracture“) als Ergebnis einer abnormalen Belastung auf gesunde Knochen mit normaler elastischer Widerstandsfähigkeit sowie die Insuffizienzfraktur („insufficiency fracture“), die auftritt, wenn ein Knochen mit unzulänglicher Widerstandsfähigkeit einer normalen Belastung ausgesetzt ist.

Bei Läufern kommt es gehäuft zu Ermüdungsbrüchen im Bereich des Fußes und des Unterschenkels. Vor allem Stressfrakturen der Mittelfußknochen und des Os naviculare sind sehr häufig. In diesen Fällen bieten Knochenszintigramme eine hohe diagnostische Sensitivität, MRT-Bilder eine höhere Spezifität. Bevor allerdings eine Stressfraktur auftritt, kommt es gewöhnlich zu einer „Stressreaktion“, die sich in der belasteten Knochenregion durch ein Ödem mit Hyperämie und einer gesteigerten Osteoklastenaktivität zeigt.

Die überwiegende Mehrheit der Stressfrakturen kann konservativ mit einer Ruhigstellung für sechs bis acht Wochen behandelt werden. Die Rückkehr zum Sport hängt von der bestehenden Symptomatik ab. Ist der Athlet schmerzfrei, kann er mit sportspezifischen Aktivitäten beginnen. Während der Immobilisationsphase sollte die körperliche Fitness durch nicht die Extremitäten belastende Aktivitäten wie Radfahren, Schwimmen, Aqua-Jogging mit Schwimmweste und Muskelaufbau der oberen Extremität erhalten werden.

Weiters sehr häufig bei Läufern beobachtet wird die Plantarfaszitis – eine Entzündung der Plantarfaszie am Calcaneus-Ansatz. Diese stellt eine der häufigsten Ursachen für chronischen Fersenschmerz dar und ist wahrscheinlich auf mechanischen Stress mit wiederholten Traumata zurückzuführen.

Plantarfaszitis – bei Läufern häufig zu beobachten

Seitliche Röntgenaufnahmen zeigen bei etwa 50 Prozent der Patienten mit Plantarfaszitis einen Fersensporn, der mit dieser assoziiert ist, nicht aber deren Ursache darstellt.

Die Plantarfaszitis hat eine charakteristische Anamnese, wodurch sich sehr schnell die Diagnose ergibt. Typisch ist der schleichende Beginn – die Symptome verschlechtern sich graduell, oftmals über Wochen oder Monate, bis der Patient den Arzt aufsucht. Ein weiterer Hinweis ist ein Fersenschmerz unmittelbar nach dem Aufstehen, der aber nach einer kurzen Gehdistanz wieder verschwindet. Beim Sport werden schmerzhafte Episoden am Anfang des Trainings verspürt, die sich mit zunehmendem Aufwärmen verringern. Nach dem Ende des Trainings kehren die Symptome allerdings verstärkt zurück. Die Plantarfaszitis ist normalerweise eine sehr lokalisierte Erkrankung, deshalb zeigt sich ein lokaler Druckschmerz über dem medialen Band am Ansatz der Faszie.

Die Erstbehandlung besteht wie bei allen Überlastungssyndromen in Ruhe oder Modifikation der Aktivitäten, Eis- oder Kältetherapie, Kompressionsverbänden, Dehnungsübungen und Antiphlogistika, um die akut aufgetretene Entzündung und Schmerzen zu verringern. Leider ist die Plantarfaszitis eine der am meisten frustrierenden Sportverletzungen. Trotz der Vielzahl an konservativen und operativen Behandlungsmöglichkeiten gibt es eine klare Tendenz zur Chronizität.

Inspektion der Laufschuhe

Kommt ein Läufer in die Ordination, sollte die klinische Untersuchung mit einer Inspektion der mitgebrachten Laufschuhe auf asymmetrische Abnutzung beginnen. Hierdurch können bereits Rückschlüsse auf den Laufstil und eventuell vorhandene Fußfehlstellungen und Fehlformen gezogen werden. Bei einem supinierten Laufstil oder einem Vorfußläufer werden die Laufschuhe besonders am Schuhaußenrand abgelaufen. Im Gegensatz dazu weist die Abnutzung des Schuhinnenrandes eher auf eine Pronierer hin. Dies lässt sich klinisch ebenso leicht feststellen, indem man den Patienten mit hüftbreiten Beinen stehen und ihn dann ganz leicht in die Hocke gehen lässt. Dabei blickt man von hinten auf die Bewegung der Füße (in Pro- oder Supinationsrichtung). Man sollte den Patienten auch ein paar Schritte gehen bzw. joggen lassen, wobei das Augenmerk auf Auffälligkeiten in Gangbild, Schrittablauf oder Anatomie (Platt-, Senk-, Spreiz- oder Knickfuß; Varus-/Valgusfehlstellungen, Muskeldysbalancen), aber auch auf Pathologien wie ein Hallux valgus, Exostosen oder Hühneraugen gerichtet werden sollte. Wichtig ist, dass bei all diesen Untersuchungen der Patient die gesamte untere Extremität entkleidet. Neben der Inspektion sollte natürlich auch die Palpation und Bewegung des Fußes durchgeführt werden (Stabilität der Bänder, schmerzhafte Regionen, Pro- und Supination des Sprunggelenkes und des Vorfußes sowie Muskeltests).

Die Auswahl an speziellen qualitativ hochwertigen Laufschuhen hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Man muss kein Spitzenmodell erwerben, es lohnt sich aber, die Eigenschaften des Laufschuhs zu kennen und das Modell nach dem eigenen Fußtyp auszusuchen. Laufschuhe sollten immer nachmittags anprobiert und gekauft werden, da der Fuß beim Laufen anschwillt und ein Schuh, der morgens perfekt passt, beim abendlichen Laufen oder nach einer gewissen Laufdistanz bereits drücken kann. Der Schuh sollte sich beim ersten Probieren bequem und angenehm anfühlen und mindestens ein bis zwei Nummern größer als der Straßenschuh sein. Ist der Schuh auch nur eine Spur unkomfortabel, wird sich dies beim ersten Training verschlimmern. Die Ferse sollte am Ende der Standphase nicht wegrutschen und stabil in der Fersenkappe sitzen.

 

1 Hohmann, E.; Imhoff, A. B.: Der Fuß des Läufers. (http://www.springer.com/medicine/orthopedics/book/978-3-7985-1649-6 )

Von Dr. Christiane Loinig, Ärzte Woche 14 /2011

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