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Foto: photos.com
Dehnen oder faulenzen: der Fitnessstuhl wird zukünftig alle Bewegungen registrieren.
 
Sportmedizin 2. Februar 2011

Fitnesstraining für Couch-Potatoes

Wenn der Sessel zum Sportgerät wird.

Sport machen, ohne den Wohnzimmerstuhl zu verlassen – dieser Wunschtraum könnte bald in Erfüllung gehen. Forscher der Technischen Universität München (TUM) wollen einen Sessel entwickeln, der über Sensoren Bewegung und Vitalfunktionen misst und diese an eine Informationsplattform weiterschickt. Die Plattform soll dann Ernährungstipps geben, Ärzte informieren und zum Training motivieren.

 

Wer kennt das nicht: Sitzt man erst einmal gemütlich auf dem Sofa, kann man das abendliche Sportprogramm abschreiben, obwohl man doch unbedingt aktiver werden sollte. Um diesen Teufelskreis von Trägheit und schwindender Beweglichkeit zu umgehen, will eine Forschergruppe einen ungewöhnlichen Fitnesstrainer schaffen: den Sessel selbst.

Das Prinzip ähnelt den moderner Videospiel-Konsolen: Über den Fernseher wählen die Nutzer Sport- und Spielprogramme aus. Mikrosensoren in Sitz- und Lehnfläche des Sessels sowie in einem Gürtel als Zusatzgerät registrieren Bewegungen und Kraftaufwand und setzen sie in die Programme um. Der Nutzer steuert so mit seinem Körper ein Spiel am Bildschirm oder bekommt dort Rückmeldungen, etwa über falsche Belastungen bei einer Trainingseinheit.

Muskelarbeit im Sitzen möglich

„Auch im Sitzen können jede Menge Muskeln und die Beweglichkeit trainiert werden“, sagt Thorsten Schulz vom Lehrstuhl für Sport und Gesundheitsförderung. Ein Beispiel: Der Nutzer bewegt seine Beine gegen einen Widerstand am unteren Sesselrand. Klingt einfach – und entspricht dem Ziel der Wissenschaftler. „Es geht darum, die Schwelle für inaktive Menschen so niedrig wie möglich zu halten“, sagt Schulz. „Wenn sie ihre Übungen beherrschen, können sie sogar gleichzeitig ihre Lieblingssendung im Fernsehen schauen.“ Als Zielgruppe sehen die Forscher nicht nur diejenigen, „die das Gefühl haben, mehr tun zu müssen, aber sich nur schwer motivieren können“, sondern auch gehbehinderte Senioren.

Aber nicht nur als Sportgerät, sondern auch zur Gesundheitsüberwachung soll der Bewegungssessel eingesetzt werden. Ebenfalls über Sensoren soll er Blutdruck, Puls, Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung messen sowie als EKG-Gerät einsetzbar sein. Eine Informationsplattform soll die übermittelten Daten auswerten und, in einfache Worte formuliert, auf Fernseher, Handy oder PC anzeigen. Servicedienste oder Ärzte könnten Applikationen anbieten, die über diese Plattform arbeiten: Ernährungs- und Sportprogramme leiten aus den Gesundheitsdaten Empfehlungen und Trainingspläne ab. Mediziner und Pfleger nutzen die Daten für ihre Behandlung. Notfalldienste werden bei einem kritischen Zustand informiert.

Das oberste Ziel der Wissenschaftler bleibt aber, die Vitalität der Menschen zu fördern. Daher können sie sich vorstellen, nach dem Prototypen für Zuhause auch Bewegungsstühle für Büro, Bahn und Flugzeug zu entwickeln.

 

Quelle: Technische Universität München

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