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Sportmedizin 1. Dezember 2010

Schläge auf den Kopf

Beim Boxsport sind Hirnschäden inklusive, warnen Mediziner.

Boxer kämpfen mit kurz- und langfristigen gesundheitlichen Folgen ihres Sports, die vom KO bis zur Boxerdemdenz reichen. Ein interdisziplinäres Team am Klinikum rechts der Isar, München, hat die Gesundheitsprobleme untersucht und fordert vor allem für den Profisport mehr Schutzmaßnahmen.

Es gehört zu den Binsenweisheiten, dass Boxen kein Sport für Zartbesaitete ist. Das regelkonforme Ziel des Boxkampfs ist der „Knock out“ (KO), ein akutes stumpfes Schädel-Hirn-Trauma, das zu einer vorübergehenden Bewusstlosigkeit führt. Die hohe Aufprallgeschwindigkeit der Faust von 10 m/s und mehr führt zu Stauchungen, Zerrungen und funktionellen Hirnverletzungen. Zusätzlich erleiden Boxer zahlreiche nicht-regelkonforme Verletzungen im Gesicht und an den Händen. Pro Jahr kommt es im Schnitt zu zehn Todesfällen.

Nach dem Knock out

Am Tag nach einem KO klagen Boxer über Kopfschmerzen, Tinnitus, Vergesslichkeit, Schwindel sowie Hör- und Gangstörungen. Häufig leiden sie auch unter kognitiven Defiziten. Erklärbar sind diese durch die erhöhte Bildung von beta-Amyloid, dem Grundbaustein der Alzheimer-Plaque. Prof. Dr. Hans Förstl, Direktor der Klinik für Psychiatrie, sieht einen Zusammenhang zwischen KO und Demenz, weil die gleichen molekularen Mechanismen wie bei der Alzheimer-Neurodegeneration wirkten.

Langzeitfolgen

Zehn bis 20 Prozent der Profiboxer haben anhaltende Folgeerkrankungen, beispielsweise schwerwiegende motorische und kognitive Defizite wie Zittern, Lähmungen und Demenz sowie Depressionen und verstärkte Aggression. Besonders Boxer mit „Stehvermögen“ haben durch die wiederholten Traumata ein Risiko für neuropsychiatrische Schädigungen.

Die Risiken für Amateurboxer sind deutlich geringer. Für sie gelten Schutzmaßnahmen, wie das Tragen eines Kopfschutzes und stärker gepolsterter Handschuhe. Förstl und Kollegen fordern auch für Amateure einen besseren Schutz.

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