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Foto: Mag. DDr. Harald Regensburger
 
Sportmedizin 4. Dezember 2008

Sport statt Pillen

Beispiele für effiziente Krankheitsprävention durch Ausdauer- und Krafttraining.

Viele chronische Erkrankungen lassen sich durch Bewegung positiv beeinflussen, darunter Diabetes Typ II, Bluthochdruck, Herz- und Lungenerkrankungen sowie Osteoporose. „Durch eine sportlich orientierte Lebenswei-se kann der Bedarf an Medikamenten enorm reduziert werden“, betont Mag. DDr. Harald Regensburger, Allgemeinmediziner, Sportarzt, Sportpädagoge und diplomierter Arbeits- und Umweltmediziner.

 

Regensburger bedauert, dass für die Etablierung von Trainingsprogrammen bundesweit kaum Geld zur Verfügung gestellt wird, obwohl damit langfristig enorme Gesundheitskosten eingespart werden könnten. Auf dem 39. Kongress für Allgemeinmedizin Ende November in Graz präsentierte er Beispiele für einen sinnvollen Einsatz von Bewegung zur Gesundheitsprävention.

Marathonlauf nach Herzinfarkt möglich

Seit geraumer Zeit wird erfolgreich versucht, nach Herzinfarkt das gesunde Restgewebe zu trainieren. Damit erreichen viele Menschen eine bessere körperliche Leistungsfähigkeit als vor dem Ereignis. Manche Herzinfarkt-Patienten waren sogar in der Lage, Marathonläufe zu absolvieren.

Diese positiven Erkenntnisse waren die ersten großen Meriten der Sportmedizin. Mittlerweile sind wir bereits einige Schritte weiter.

Zucker im Muskel „verheizen“

Bei Altersdiabetes besitzt kombiniertes Kraft- und Ausdauertraining eine hervorragende Wirkung, weil der Muskel neben der Leber das einzige Organ ist, das Zucker verbrennen kann. Zunächst muss im Krafttraining Muskel aufgebaut und dessen Altersverfettung reduziert werden. Danach wird der soeben gebildete Muskel im Ausdauerbereich trainiert und damit die im Blut kreisende Glukose direkt „verheizt“. Dadurch kann sich weniger Speicherfett und weniger Depot-Glykogen bilden, der Zuckerspiegel sinkt.

Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD lassen sich verbessern, indem die Elastizität der Lunge durch regelmäßiges Ausdauer-, aber auch Intervalltraining gefördert wird.

Trainingsprogramm gegen Osteoporose

Bei Osteoporose bewirkt dosiertes Schnellkraft- und Koordinationstraining, dass die Querbalken der Knochentrabekel gefestigt bzw. ihr Abbau gehemmt wird. Im Gesamtkonzept der Prävention und Therapie dieser weltweiten Epidemie könnten bei 80 Prozent nichtmedikamentöse Maßnahmen – wie unter anderem spezielle Sport- und Bewegungsprogramme – eine erfolgreiche Rolle spielen, während die restlichen 20 Prozent auf medikamentöse Unterstützung angewiesen wären.

Bei Osteoporose braucht es kurze, schnelle Bewegungsspitzen, damit der Knochen kurze Verbiegungsimpulse erfährt und damit ein Signal bekommt, wo Spongiosa fehlt. Eine ganz einfache, aber hocheffektive Übung, die in jeder Wohnung durchführbar ist: Versuchen, drei Luftballons mit den Händen in der Luft zu halten, immer wieder hochstoßen und verhindern, dass sie auf den Boden fallen. Ein weiteres Beispiel ist Schnurspringen in einfachster Form.

Das mit Osteoporose und zunehmendem Alter erhöhte Sturz- und Knochenfrakturrisiko lässt sich durch Koordinations- und Gleichgewichtstraining verhindern.

„Laufrausch“ gegen Depression

Der so genannte Laufrausch, eine Endorphinausschüttung ab zirka 30-40 Minuten Dauerlauf, lässt sich ausnützen, um Depressionen zu lindern. Auch das Hinarbeiten auf ein sportliches Ziel kann eine Methode sein, um aus einer depressiven Phase herauszukommen.

Training plus Sauna gegen Bluthochdruck

Bluthochdruck lässt sich im Frühstadium I, in dem gewöhnlich ein einziges Antihypertensivum verordnet wird, relativ gut mit einem mil-den täglichen 30- bis 45-minütigem Ausdauertraining binnen sechs bis neun Monaten wegbekommen. In Ergänzung dazu ist einmal pro Woche ein Saunabesuch ohne Aufguss sowie salzarme Ernährung empfehlenswert. „Damit wird häufig sogar ein Absetzen der Dauermedikation möglich“, betont Regensburger.

Intervalltraining/Sportspiele gegen niedrigen Blutdruck

Auch Hypotoniker und Menschen, die zu orthostatischen Kollapsen neigen, können von einem geeigneten sportlichen Training profitieren, indem sie über kurz aufeinanderfolgende Belastungs-/Erholungsphasen (Intervalltraining) das sympathische Nervengeflecht aktivieren. Diese Trainingsform gelangt in fast allen Ballsportarten sowie den Rückschlagspielen (Tennis, Tischtennis, Badminton etc.) zur Anwendung.

Training hat eine geringe therapeutische Breite

Aus diesem Grund sind wissenschaftlich fundierte Trainingspläne insbesondere im Gesundheitssport eine unabdingbare Notwendigkeit. Eine weitere conditio sine qua non sind regelmäßige Überprüfungen des Trainingseffektes in Form von Tests und Untersuchungen. In diesen beiden Trainingsgrundprinzipien finden sich Hochleistungs-Olypiaathleten und Rehab-Sportler auf einer Ebene wieder.

Foto: Mag. DDr. Harald Regensburger Foto: Privat

Mag. DDr. Harald Regensburger ist selbst leidenschaftlicher Sportler. Er ist ehemaliger Zehnkämpfer (3x Österreichischer Meister), begeisterter Allroundsportler, in über 40 Sportarten aktiv (Schwerpunkte derzeit Golf, Segelflug, Tennis), Notarzttätigkeit im Olympischen Dorf Athen 2004, Obmann eines Kinderleichtathletikklubs sowie Stützpunkttrainer.

Von Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer, Ärzte Woche

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