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Lercher

Dr. med. Piero Lercher

Editor in Chief der Zeitschrift Sport- und Präventivmedizin
Sportarzt im Präventions- und Gesundheitszentrum
„Gesund in Schönbrunn“
Lehrbeauftragter an der Medizinischen Universität Wien

 
Sportmedizin 23. November 2009

Doping: Zwischen Wirtschaftsfaktor und Betrug

Ein sportärztlicher Kommentar zur aktuellen Verschärfung des Anti-Doping-Gesetzes von Dr. Piero Lercher

Doping von Sportlern wird zukünftig unter gewissen Voraussetzungen als schwerer Betrug nach dem Strafgesetz geahndet und kann mit bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe sanktioniert werden. Sportminister Norbert Darabos und Justizministerin Claudia Bandion-Ortner präsentierten kürzlich eine dementsprechende Gesetzesnovelle, die bereits per 1. Jänner 2010 in Kraft treten soll. Wenn man sich bewusst macht, was für ein bedeutender Wirtschaftsfaktor Sport ist und welche enormen Geldflüsse bewegt werden, wird es umso verständlicher, dass die Miteinbeziehung des Dopings ins Strafrecht erfolgt ist.

Werteverarmte Gesellschaft

Es waren also letztendlich nicht die gesundheitlichen Argumente, die die „Anti-Doping-Task-Force“ zum Handeln bewogen haben, sondern die Tatsache, dass dopende Sportler sich einen unrechtmäßigen Vorteil im sportlichen Wettkampf verschaffen, ungerechtfertigter Weise Prämien kassieren und Sponsoren und Öffentlichkeit brüskieren. – Wichtig ist, dass endlich agiert wurde. Es darf in der Diskussion aber keineswegs vergessen werden, dass auch die Themen Ehrlichkeit und Fairness gerade in unserer werteverarmten Gesellschaft bedeutende Argumente gegen das Doping darstellen sollten.

Legalisierung und Freigabe

Selbst in Medizinerkreisen hört man Stimmen, die eine Legalisierung oder Freigabe von Dopingmaßnahmen befürworten. Da wir heutzutage nicht erahnen können, welche perfiden Maßnahmen zukünftig zur Leistungssteigerung in Erwägung gezogen werden, können insbesondere die gesundheitlichen Langzeitfolgen nicht abgeschätzt werden.

Nicht zu vergessen, dass viele Menschen schon in jungen Jahren mit einer professionellen Sportausübung beginnen, so dass diese noch gar nicht imstande sind die diesbezüglichen Folgen und Nebenwirkungen einzuschätzen.

Wirtschaftsfaktor

Doping ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, weshalb eine Freigabe von Dopingmethoden auch nur finanziell besser gestellten Sportlern und Verbänden zugute kommen würde. Es wäre auch nicht mehr gewährleistet, dass alle Sportler dieselben Möglichkeiten zur Erbringung einer Leistung hätten. Finanziell schlechter gestellte Sportler/innen könnten bestenfalls als „Versuchskaninchen“ für die Neuentwicklung und Anwendung von Dopingmaßnahmen- und methoden herhalten.

Durch Doping zur Chancengleichheit ?

Alternative Auffassungen betrachten Doping als Maßnahme zur Forcierung der Chancengleichheit unter Sportlern oder sehen im gedopten Sportler sogar das Urbild eines sich seiner selbst bewusst seienden und frei entscheidenden Individuums, das sich seinen eigenen Vorstellungen entsprechend verbessert. Dopingfans und Freaks können sich ja gerne Sportarten wie Bodybuilding oder Freefight zuwenden, wo derzeit noch alles erlaubt ist. 

Fazit

Fairness und sportliche Erfolge durch eine gesunde und risikolose Adaptation des Körpers auf ein adäquat durchgeführtes und strukturiertes Trainingsregime sollen weiterhin die obersten Maxime bleiben. Wir Menschen müssen akzeptieren beziehungsweise endlich auch akzeptieren lernen, dass es biologische Leistungsgrenzen gibt.

Piero Lercher

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