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Sportmedizin 3. September 2008

Dabei sein ist alles!

Zwar existieren eine Reihe sportlicher Bewerbe, in denen Mediziner auch abseits der Operationssäle ihre Kräfte messen, der Bekanntheitsgrad der echten olympischen Ärztespiele (EOÄ) lässt jedoch noch zu wünschen übrig.

Im Schatten vieler großer sportlicher Leistungen stehen Kollegen, die heuer international bei den EOÄ, den echten olympischen Ärztespielen, eine Reihe von Medaillen heimholen konnten. Nun ist es an der Zeit, dieses sportliche Ereignis in das Licht der Öffentlichkeit zu zerren, um die Verdienste der heimischen medizinischen Athleten zu würdigen. Dabei stand die Veranstaltung heuer politisch unter keinem guten Stern. Weltweit versuchten Komplementärmediziner den Lauf mit der Infusionsflasche, die im antiken Olympia befüllt wurde, zu verhindern, um auf ihre mangelhafte Anerkennung hinzuweisen.
Sportlich hat sich unser kleines Land wacker geschlagen: So konnten wir in der Disziplin „Weitspucken auf den Kollegen“ Silber, in der Königskategorie „Weitspucken auf den Kollegen und Vernadern auf 100 Meter“ sogar Gold erzielen. Auch bei den „Null-Bock-Sprüngen“ fanden sich unsere Landsleute auf den vorderen Rängen. Ein Wiener Kollege konnte heuer mit 9,69 Sekunden im Bewerb „Verlassen des Krankenhauses nach Dienstschluss“ sogar den bisherigen Weltrekord brechen.
In der Para-Kategorie „niedergelassener Bereich“ erzielten wir beim „Handstand am Schwebeposten“ beachtliche Erfolge. Beim „Diabetiker-Dressurreiten“ kam es zwar zu mehreren Abwürfen, dies konnten die jungen Kollegen aber beim „Synchron-Stechen“ und „Akten-Gewichtheben“ wettmachen. Traditionelle medizinische Wettbewerbe gingen an China, die Cholesterin-Höchstlatte wurde erneut von den USA übersprungen. Bei den ministerialen Kampfsportarten erreichten wir immerhin einmal Bronze (Katze im Sack-Hüpfen) und zweimal Blech (Freistilringen und Seilziehen).
Nicht ganz so gut konnten wir uns in der Disziplin „1000 Meter Schwimmen gegen den Strom“ (ging dieses Jahr an die Iren) behaupten. Auch beim Segeln war wieder kein vorderer Platz zu erlangen, da sich die in Österreich konstruierten Segel nach wie vor mit dem Wind mitdrehen.
Erneut scheiterten sämtliche Teilnehmer am Hürdenlauf, aufgrund der knielangen weißen Mäntel und der Krankenhausschlapfen. Die heuer erstmals beschlossene Regel, den Medaillenspiegel auf ml/dl zu bestimmen, sorgte noch für etwas Verwirrung; unerfreulich waren wieder eine Reihe von Dopingfällen: Als gedopt gelten bei der EOÄ Athleten, die vor dem Wettbewerb weniger als 32 Stunden durchgehenden Dienst versehen. Bereits jetzt trainieren die Österreicher auf die kommenden Spiele in vier Jahren und erhoffen sich Stockerlplätze in den Bewerben „42 Kilometer Dauerraunzen“ und „Burn-out-Triathlon“. Denn wie bei der Chefvisite gilt: Dabei sein ist alles.

Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 35/2008

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