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Sportmedizin 9. April 2008

Wie gefährlich ist Boxen?

Boxen ist möglicherweise weniger gefährlich für das Gehirn als bislang befürchtet – zumindest für Amateure. Abschließende Aussagen zur Gefährdung sind derzeit jedoch noch nicht möglich. Ob Profi-Boxer wie Muhammad Ali sich ihre spätere Gehirnerkrankung – in diesem Fall die Parkinson-Krankheit im Alter von 40 Jahren – beim Sport zugezogen haben, bleibt offen. Eine Entwarnung kann aber erst gegeben werden, wenn umfangreichere Studien mit Amateur- und Profiboxern die Risiken des Boxsports für das Gehirn geklärt haben. Zu diesem Schluss kommt die „Heidelberger Boxerstudie“, die mit Hilfe hochauflösender Kernspintomographie (MRT) nach winzigen Hirnveränderungen im Gehirn von Amateurboxern und einer nicht boxenden Vergleichsgruppe gefahndet hat. Diese sind vermutlich Vorläufer späterer schwerer Hirnschäden wie Morbus Parkinson oder Demenz.
Die Studie der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg wurde im American Journal of Neuroradiology veröffentlicht (29 (2): 388-391 (2008)). Bei drei der 42 Boxer waren Punktblutungen gefunden worden, während in der Vergleichgruppe von 37 Nicht-Boxern keine derartigen Veränderungen vorlagen; der Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant.
Beim Boxen wird der Kopf mit hoher Geschwindigkeit und großer Wucht getroffen. Dabei können Scherbewegungen zwischen den Hirngeweben auftreten, welche in winzigen Blutungen resultieren. „Verletzungen dieser Art können mit dem hochmodernen MRT mit einer Feldstärke von 3 Tesla, das in Heidelberg zur Verfügung steht, hervorragend nachgewiesen werden“, erklärt Professor Dr. Stefan Hähnel, Leitender Oberarzt an der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg, der die Studie mit Prof. Dr. Uta-Meyding-Lamadé, vormals Oberärztin der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg, jetzt Chefärztin am Nord-West-Krankenhaus Frankfurt, durchgeführt hat.
Wie häufig die Mikro-Blutungen bei Boxern auftreten, ist nicht bekannt. Letztlich könnten sie zum Untergang von Gehirnzellen und Funktionsausfällen wie Demenz oder Morbus Parkinson führen. Diese Hypothese wird von einigen Arbeitsgruppen vertreten. Die drei Boxer, die Veränderungen aufwiesen, zeigten diese typischerweise im vorderen Großhirn, wo die Scherkräfte durch Boxschläge ihre Hauptwirkung haben.
Ein Nachteil der „Heidelberger Boxerstudie“ war die große Spannbreite der Boxdauer und -intensität bei der Ausübung des Amateursports: Die Dauer variierte von einem bis 25 Jahren und die Intensität von einem bis zu 375 Kämpfen mit 0 bis 12 Knockouts. Eine Folgestudie sollte Boxer einschließen, die den Sport professionell betreiben, um auch eine intensive Belastung des Gehirns beurteilen zu können.

Univ. Heidelberg/idw

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