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Radiologie 30. April 2008

Der „Wiener Kongress“ 2008

Wien ist wieder einmal Veranstaltungsort eines führenden Medizinkongresses: Österreichische und deutsche Radioonkologen tagen Anfang Mai im Austria Center.

Unter dem Titel „Wiener Kongress“ werden vom 1. bis 4. Mai rund 2.500 Expertinnen und Experten der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) und der Österreichischen Gesellschaft für Radioonkologie, Radiobiologie und Medizinische Radiophysik (ÖGRO) im Austria Center Wien erwartet. Der drittgrößte Radioonkologen-Kongress weltweit wird von den Kongresspräsidenten Prof. R. Pötter (AKH Wien) und Prof. W. Hinkelbein (Charité Berlin) organisiert. Bei dem Kongress gilt es – neben dem wissenschaftlichen Austausch – auch einen Anlass zu feiern: Die Österreichische Gesellschaft für Radioonkologie, Radiobiologie und Medizinische Strahlenphysik ÖGRO feiert heuer ihr 25-jähriges Bestehen.
Die Radioonkologie zählt neben operativen Eingriffen und der Chemotherapie zu den drei grundlegenden Behandlungsmethoden der modernen Krebstherapie. Und Wien hat in der Strahlentherapie traditionell eine Vorreiterrolle: Erste Versuche waren von dem Wiener Arzt Leopold Freund in der Wiener Medizinischen Wochenschrift im Jahr 1897 beschrieben worden. Er hatte damals ein fünfjähriges Mädchen mit Tierfellnävus erstmals mit Röntgenstrahlen erfolgreich behandelt. Mittlerweile ist die Radioonkologie aus der modernen Krebstherapie nicht mehr wegzudenken und übernimmt zunehmend eine Schlüsselrolle.

Nebenwirkungen werden zunehmend ausgeschaltet

Im Bereich der Radioonkologie wurden in den vergangenen Jahren durch die rasante technische Entwicklung bedeutende Fortschritte errungen. Die Image Guided Radiotherapy (IGRT), die Intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT), die Hochpräzisionstherapie (Stereotaxie) oder die MRT basierte Brachytherapie spiegeln diesen Fortschritt wider. Dank dieser individuell maßgeschneiderten und immer präziseren Bestrahlungsmöglichkeiten ist es mittlerweile bei vielen Tumorerkrankungen möglich, die Lokalrezidivrate auf ein Minimum zu reduzieren. Gleichzeitig können durch eine geringere Dosisbelastung der Risikoorgane die Nebenwirkungen deutlich verkleinert und in der Folge die Lebensqualität der Patienten erhöht werden.
Führende Spezialisten diskutieren im Rahmen dieses Kongresses über die neuesten klinischen Forschungen, unter anderem Prof. Kian Ang aus Houston zur IMRT/IGRT Bestrahlung bei HNO-Tumoren, Prof. John Yarnold aus London zur Verkürzung der Bestrahlungsdauer bei Brustkrebs sowie Prof. Carian Creutzberg aus Leiden zu gynäkologischen Tumoren. Aktuelle Erkenntnisse zur Stammzellentherapie wird Prof. Rob Coppes aus Groningen präsentieren. Im Rahmen von drei Präsidenten-Symposien werden ausgewählte Referenten sich folgenden kritischen Fragen zur Entwicklung in der Strahlentherapie stellen: „Dosis: Je höher, desto besser?“, „Bilder: Je mehr, desto besser?“ und „Präzision: Je genauer, desto besser?“.

Österreich ist mit dabei

Österreich und Wien im Besonderen spielen international eine führende Rolle in vielen Bereichen der Radioonkologie. So kommen zwei der acht Highlight-Vorträge aus Wien („Entwicklung eines speziellen Applikators in der gynäkologischen Brachytherapie – Vienna Ring Applikator“ und „Ergebnisse der multimodalen Therapie bei Glioblastom-Patienten“). Zudem werden erstmalig die Wiener Daten zur alleinigen Strahlenbehandlung des lokalisierten Prostatakarzinoms präsentiert (durch eine Dosissteigerung von 15 Prozent konnte in den letzten Jahren die Tumorkontrollrate beim Prostatakarzinom signifikant auf 78 Prozent gesteigert werden).
Im Rahmen der Organisation der zahlreichen Symposien, Vortragsreihen, Lunch-Symposien und Refresherkurse wurde vor allem auf die Bedeutung der Interdisziplinarität zwischen Klinikern, Physikern und Strahlenbiologen, aber auch Kollegen anderer Fachdisziplinen Rücksicht genommen, sodass dieser „Wiener Kongress“ seinen Besuchern eine wissenschaftlich anspruchvolle Tagung ermöglichen wird.

Nähere Informationen zum
Kongress:
www.degro.org/degro2008
Nähere Informationen zur ÖGRO: http://gin.uibk.ac.at/oegro
Nähere Informationen zur DEGRO: www.degro.org

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