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Radiologie 2. Mai 2007

Basiswissen Radiologie? Fehlanzeige!

Deutsche Ärzte wissen laut einer neuen Studie über die Strahlenbelastung durch CT kaum Bescheid. Die Lage in Österreich scheint etwas besser. Die interdisziplinäre radiologische Besprechung hilft, unnötige Strahlenbelastungen zu vermeiden.

Eine Studie der Ruhr-Universität in der Fachzeitschrift RöFo ergab, dass 72 Prozent der Nicht-Radiologen der Klinik Bergmannsheil die Strahlenbelastung durch CT im Vergleich zum normalen Röntgen zu niedrig einschätzen. Das scheint eine der Ursachen für die stetig zunehmende Anwendung des Verfahrens zu sein. 12.000 pro Jahr, Tendenz steigend. Dazu Prof. Dr. Walter Hruby im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE: „Bei uns in Österreich gibt es keine Selbstzuweisung. CT-Untersuchungen benötigen eine gerechtfertigte Indikation. Jeden Tag gibt es eine interdisziplinäre klinische Besprechung, bei der die Indikation für die Untersuchung noch einmal hinterfragt wird.“ Obige Studie erfasste 119 Ärzte aus Innerer Medizin, Chirurgie, Anästhesie und Neurologie. Fast 40 Prozent gaben die Strahlenbelastung einer konventionellen Röntgenuntersuchung mit 0,01 bis 0,1 Milli-Sievert (mSv) richtig an.

Strahlende Bildungslücken

Schwerer taten sich die Kollegen dabei, die Strahlendosis einer Thorax-CT zu nennen: Nur 33 Prozent kannten den richtigen Wert von ein bis zehn mSv. (Die natürliche Strahlenbelastung eines Menschen beträgt 2,1 mSv pro Jahr.) Noch schlechter waren die Kenntnisse Herz- und Säuglings-CT betreffend: Hier beträgt die Belastung zehn bis 100 mSv – nur ein Viertel der Befragten antwortete richtig. Manche der Ärzte zogen voreilig Schlüsse aus den Namen der jeweiligen Verfahren: Ein Drittel der Befragten nahm an, dass eine „Low-Dose-CT“ ebensoviel oder weniger Strahlenbelastung verursacht wie ein konventionelles Röntgen. Die Strahlendosis dieser CT ist aber höher – der Name ist irreführend. „High-Resolution-CT“ wurde von 90 Prozent der Befragten richtig eingeschätzt: Dieses Verfahren ist strahlenintensiver als eine normale Röntgenaufnahme. Allerdings könnte auch hier der Name zur Einschätzung beigetragen haben. Für Hruby ist die gemeinsame Befundbesprechung ein Ort des Lehrens und Lernens: „Da findet ein ständiges Feedback zwischen Radiologen und Nicht-Radiologen statt.“ Die überwiegende Mehrzahl aller CT-Untersuchungen wird von Nicht-Radiologen angefordert. Manchmal aus Unsicherheit, manchmal leichtfertig. Gezielte Embolie-CT bei Verdacht auf Lungenembolie ist laut genannter Studie nur bei zehn bis 30 Prozent der untersuchten Patienten positiv. 70 Prozent der Patienten werden umsonst bestrahlt. Wie CT-Anforderungen in Österreich gehandhabt werden, erläutert Hruby: „Die Gesamtindikation wird von uns restriktiv gehalten. In der Pädiatrie führen wir immer die Untersuchung mit der geringsten Belastung durch, zum Beispiel eine Oberbauchsonographie statt einer CT.“

Fortschritt der Technik

Laut Hruby sind die vermehrten CT-Zuweisungen auch durch die technische Weiterentwicklung bedingt: Es gibt heute mehr Indikationen als noch vor zehn Jahren. Zum Beispiel könnten nunmehr Gefäße nichtinvasiv dargestellt werden, das erspare eine diagnostische Angiographie. Um die Zusammenarbeit zu erleichtern, haben die Österreichische Röntgengesellschaft und der Verband für bildgebende Diagnostik zusammen mit der Österreichischen Ärztekammer die „Orientierungshilfe Radiologie“ herausgegeben. Hruby: „Das Büchlein wurde zusammen mit den anderen klinischen Fächern erarbeitet. Darin finden sich für die jeweilige Indikation Vorschläge zu Primäruntersuchungen und weiterführenden Verfahren. Unter www.oerg.at von jedem Arzt bestellbar.“

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