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Radiologie 29. Jänner 2008

Gestochen scharfe Bilder – starke Strahlung

Aktuelle amerikanische Daten zur durchschnittlichen Strahlenexposition der Bevölkerung sind besorgniserregend. Experten befürchten, dass es durch die steigende Belastung zu einer Erhöhung der Krebsinzidenz kommen könnte. In Österreich sind die Werte lange nicht so hoch wie in den USA.

Die vermehrte Anwendung röntgendiagnostischer und nuklearmedizinischer Bildgebung führte zu einem drastischen Anstieg der Belastung der Bevölkerung mit ionischer Strahlung in den Vereinigten Staaten. Im White Paper des American College of Radiology (J Am Coll Radiol 2007; 4:272-284) äußern Experten die Befürchtung, dass die „gegenwärtige kollektive Dosis zu einer Erhöhung der Inzidenz von Krebserkrankungen im Zusammenhang mit der bildgebenden Diagnostik in der nicht zu fernen Zukunft kommen könnte“. Eine Studie geht davon aus, das die medizinische Strahlenbelastung für etwa ein Prozent der Krebserkrankungen in den USA verantwortlich ist. Die mittlere effektive Dosis pro Einwohner und Jahr liegt dort zurzeit über 3mSv. Tendenz stark steigend: Noch im Jahr 2000 war die mittlere effektive Dosis für die gesamte Radiodiagnostik bei einem Wert von 1,9 mSv gelegen.

Natürliche Strahlung

Zum Vergleich: Die Belastung aufgrund der natürlichen Strahlung beträgt in Österreich im Mittel etwa 2,9 mSv pro Jahr. Sie ist damit mehr als doppelt so hoch wie die Belastung aufgrund der Röntgendiagnostik. Und die Strahlenbelastung aufgrund des Reaktorunfalls von Tschernobyl hat in Österreich eine durchschnittliche Dosis von 0,5 mSv pro Einwohner bewirkt (insgesamt, nicht jährlich). Dies entspricht ungefähr einem konventionellen Abdomen- oder Beckenröntgen bzw. einem Sechstel der jährlichen natürlichen Strahlung.

Strahlenintensive CT

Mit ein Grund für die besorgniserregende Entwicklung ist neben den nuklearmedizinischen Untersuchungen der häufige Einsatz der Computertomografie (CT). Prof. Gerhard Mostbeck, Präsident der Österreichischen Röntgengesellschaft, stellt klar: „Die Strahlenbelastung bei einem CT des Thorax liegt etwa beim 100-Fachen eines herkömmlichen Thoraxröntgens.“
Zudem könne eine Reihe neuer Indikationen für das CT „bei unkritischer Anwendung zu einer durchschnittlichen Erhöhung der Strahlenbelastung der Bevölkerung führen“, so Mostbeck. Auch die steigende Lebenserwartung macht es wahrscheinlicher, im Lauf des Lebens eine höhere Strahlenbelastung zu bekommen. Und nicht zuletzt ortet Mostbeck noch einen weiteren Grund für die ungünstige Entwicklung: Klagsdrohungen führten zu einer „passiv absichernden Medizin und zum unkritischen Einsatz strahlenmedizinischer Maßnahmen“.
Die Zahlen sprechen für sich: Waren in den USA 1980 gerade einmal 3.000 CT-Untersuchungen durchgeführt worden, waren es 2005 bereits über 60.000. Ein Trend, der naturgemäß auch in unseren Breiten festzustellen ist.

Niedrigere heimische Werte

„Die Dosiswerte für Österreich liegen im Vergleich zu Amerika und Deutschland deutlich niedriger“, erklärt auf Anfrage der Ärzte Woche Manfred Ditto vom Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend, Abteilung Strahlenschutz. Gemäß einer Studie des Gesundheitsressorts betragen die Dosiswerte für die gesamte Röntgendiagnostik bei etwa 1,21 mSv pro Jahr und Einwohner. In Deutschland gibt das Bundesamt für Strahlenschutz für das Jahr 2004 eine mittlere effektive Dosis von 1,9 mSv pro Bundesbürger durch diagnostische und interventionelle Anwendungen an. Der höhere Wert für Deutschland ergibt sich aus der um den Faktor 1,4 höheren Untersuchungshäufigkeit im Nachbarland.
Neue Anwendungen für die Früherkennung könnten das Problem der steigenden Strahlenbelastung verschärfen: Das CT zum Auffinden des Bronchuskarzinoms (Ergebnisse aus Multicenterstudien sind 2009 zu erwarten), die „virtuelle Kolonoskopie und die Herz-CT für der Beurteilung der Herzkranzgefäße. „Der Wert des Koronarkalkscreenings ist von der richtigen Indikation abhängig“, betont Mostbeck, „ein klinischer Leitfaden wurde 2007 von der Österreichischen Gesellschaft für Kardiologie und Radiologie veröffentlicht“.
Die Multidetektor-CT (MD-CT) erlaubt die Untersuchung des ganzen Körpers in einem einzigen Atemanhalten. Sie wird als schneller „Manager-Check“ beworben. Aber, warnt Mostbeck, „es gibt keine evidenzbasierten Daten, das Ganzkörperscreening zu empfehlen.“

 Strahlendosis in Österreich

Orientierungshilfe Radiologie:
http://orientierungshilfe.vbdo.at

Inge Smolek, Ärzte Woche 5/2008

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