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Radiologie 28. März 2007

Innerhalb von 40 Sekunden ist der Mensch durchschaut

Das Anwendungsgebiet von „Total Body Scans“, die nicht einmal eine Minute brauchen, um einen menschlichen Körper vollständig abzutasten, reicht von der raschen Komplettuntersuchung von Unfallopfern über das Aufspüren von Krebsmetastasen bis hin zur virtuellen Autopsie. Das bedeutet neue Diagnose-Möglichkeiten – doch Experten warnen auch vor Missbrauch.

Weniger als zehn Jahre ist es her, da hätte es mehrere Stunden gebraucht, um einen Patienten mittels Computer- oder Magnetresonanztomographie komplett durchzuscannen – unzumutbar lange, und im Falle des CT auch mit einer extrem hohen Strahlenbelastung verbunden. Heute dauert es nur noch 40 Sekunden, um das Innenleben eines ganzen menschlichen Körpers per Total Body Scan (TBS) sichtbar zu machen. TBS war eines der zentralen Themen auf dem European Congress of Radiology (ECR 2007), bei dem von 9. bis 13. März 2007 in Wien rund 16.000 Teilnehmer aus 92 Ländern zusammentrafen (die ÄRZTE WOCHE berichtete).
„Das hat zu einem Paradigmenwechsel in der Diagnostik geführt“, erläuterte Prof. Dr. Maximilian Reiser, Direktor des Instituts für Klinische Radiologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Bisher mussten wir Ärzte unsere Fragestellung vorab genau umschreiben, zum Beispiel ‚Schmerzen im Bereich des Oberbauchs‘. Heute können wir gleichsam auf Verdacht in kürzester Zeit den ganzen Körper durchchecken. Das ist vor allem für systemische Erkrankungen, die ihre Auswirkungen überall im Körper zeigen können, ein Quantensprung.“
Die Anwendungsbereiche sind vielfältig. So zeigt nach schweren Unfällen ein einziger Untersuchungsdurchgang etwa Knochenbrüche, Wirbelsäulenverletzungen, Gehirnblutungen, Lungeneinrisse, einen Pneumothorax, Einblutungen in den Herzbeutel oder Zerreißungen und Blutungen innerer Organe. Bei Krebserkrankungen macht TBS es möglich, allfällige Metastasenbildungen überall dort zu erkennen, wo sie auftreten. Die MRA ermöglicht die Beurteilung des gesamten Gefäßsystems.
Dennoch ist nicht alles, was möglich ist, auch sinnvoll. „In den USA herrscht das Prinzip, dass zum Beispiel eine Ganzkörper-MRA für jeden indiziert ist, der es sich leisten kann, was hohe Kosten impliziert und zum Geschäftemachen mit der Angst einlädt“, so Reiser. „Ich halte von flächendeckenden Screenings nichts, wohl aber von der Untersuchung von Menschen mit bestimmten Risikoprofilen.“

Quelle: Pressebüro des European Congress of Radiology, B&K

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