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Radiologie 13. Februar 2007

Im Bann von Strahlenschutz und e-Card

Obwohl mit EDV und Datenverarbeitung bestens versiert, haben auch niedergelassene Radiologen mit dem Neuland e-Health mitunter ihre liebe Not. Dazu kommen neue EU-Vorschriften und der politische Unwille, das Mammographie-Screening endlich auf solide Beine zu stellen.

„Die e-Card hat auch bei den Ra-diologen mehr Administration und mitunter sogar Personal erforderlich gemacht“, resümiert Doz. Dr. Franz Frühwald, Obmann der BURA, gut ein Jahr nach Implementierung des elektronischen Krankenscheins. „Die gleiche Anzahl von Patienten an einem Schalter vom System zu übernehmen, dauert jetzt länger statt kürzer. Was sich zahlreiche Büros in den Wirtschaftsunternehmen ersparen, machen seither die Mitarbeiter in den Instituten und Ordinationen.“ Honoriert wird diese Mehrleistung, wie auch bei den anderen Fachgruppen, mit keinem Cent mehr.

Wären froh über eine Pause

Was in den letzten Monaten ebenfalls viel zusätzlichen Aufwand erfordert hat, ist die Umsetzung der neuen EU-Vorgaben zum Strahlenschutz. „Im Sinne der Qualitätssicherung haben die Radiologen viel Zeit dafür investiert. Mittlerweile sind wir auf einem außerordentlich hohen Niveau angelegt und wären froh über eine Pause“, betont Frühwald. „All diesen Erfordernissen ist inhärent, dass sie eine intensive administrative Belastung bewirken, die in keiner Weise ab-gegolten wird. Vielmehr wird von uns Ärzten erwartet, dass man es zusätzlich macht.“ Natürlich interessiert die Burnout-Gefahr der Ärzte niemand in den hohen Gefilden von Politik und Institutionen. Doch „die aufgebürdeten Arbeiten, oft außerhalb der Ordinationszeiten, schlagen sich zunehmend auf die Lebensqualität der Ärzte nieder“, macht Frühwald aufmerksam. Radiologen hätten ohnehin sehr ausgedehnte Öffnungszeiten.

Digitalisierung schreitet voran

Erfreut ist der BURA-Obmann über die Fortschritte bei der Digitalisierung in der Radiologie: „Die Vorteile liegen auf der Hand: weniger Strahlenbelastung und kommunizierbare Daten.“ Insofern sei der in manchen Bundesländern praktizierte Honorarabschlag bei Verbleib in der Analogtechnik eine verständliche Maßnahme. Dass Niederösterreich bei der Digitalisierung Europaspitze ist, freut den in St. Pölten tätigen Radiologen ganz besonders. Nicht ganz so zuversichtlich sieht Frühwald das Thema Gruppenpraxen, die für Radiologen strukturell ganz wichtig sind“: „Dort, wo es vernünftige Verträge gibt, wird es auch gelebt. Wo sinnlose, restriktive Verträge gelten, ist das nicht der Fall.“ Dies gelte beispielsweise für Oberösterreich, das Burgenland will den oberösterreichischen Weg imitieren, „daher gibt es dort auch keine Gruppenpraxen“, präzisiert der BURA-Obmann. Wie bei der Digitalisierung, ist Niederösterreich in punkto Gruppenpraxen gut aufgestellt. In Kärnten und in der Steiermark geht die Entwicklung in diese Richtung, auch in Wien ist die Situation zufrieden stellend.

Neue Betriebsformen erhofft

Als Wermutstropfen in Sachen Gruppenpraxen verursacht die nach wie vor ausschließlich mögliche Betriebsform OEG (Offene Erwerbs-Gesellschaft) einen bitteren Beigeschmack. „Bei einer OEG sind wir gezwungen, privat extreme Haftungen zu übernehmen“, so Frühwald. „Wir brauchen also dringend die Zulässigkeit anderer Betriebsformen mit eingeschränkter Haftung wie die GmbH.“ Für spezielle Kooperationsmodelle, wie die eines Instituts mit einem nahe gelegenen Spital, ist die BURA durchaus aufgeschlossen. „Das wäre bei uns zum Beispiel für Krankenhäuser sinnvoll, die keinen besonderen Ausbildungsschwerpunkt haben.“ Strukturell ergeben sich daraus jedenfalls Vorteile. Von politischer Seite blase der extra-muralen radiologischen Versorgung allerdings nach wie vor ein rauer Wind ins Gesicht. Das gilt auch für die Bemühungen der Fachvertreter um ein flächendeckendes Mamma-Screening. „Leider wird das in Österreich in völliger Verkennung der Situation und von Leuten, die davon nicht viel verstehen, in eine völlig falsche Richtung vorangetrieben“, bedauert Frühwald, „obwohl die Fakten dagegen sprechen.“ Österreich weist die gleiche Brustkrebssterblichkeit auf wie Holland, das in der EU als Vorbildland gilt. Sehr gut ist auch die Teilnahmequote von 50 Prozent bei Frauen zwischen 50 und 70 Jahren ohne Einladungssystem. „Mit einem solchen System wären auch in Österreich 70 bis 80 Prozent Beteiligung wie in skandinavischen Ländern erzielbar“, meint Frühwald dazu.

Flächendeckendes Screening

Mit den in Österreich veranlassten punktuellen Pilotprojekten für Mammographie-Screening gibt sich die BURA nicht zufrieden. „Wir arbeiten daran, ein flächendeckendes Screening-Programm in Kooperation mit der Österreichischen Ärztekammer auf die Beine zu stellen“, berichtet Frühwald. „Die vereinzelten Pilotprojekte sind ‚too little, too late’, jedenfalls völlig ungenügend.“ Das BURA-Projekt soll binnen eines Jahres stehen. „Dann wird es möglich sein, alle von der EU geforderten Kennzahlen zu erbringen“, betont Frühwald, der „keine Bedenken hat, dass wir hervorragend abschneiden werden.“ Dass Österreich die bisherigen Erfolge nicht leichtfertig verspielen sollte, macht ein Blick ins benachbarte Deutschland klar. Dort sind mit Riesenaufwand betriebene Programme gescheitert, da die erforderliche Teilnahmequote von 70 Prozent nicht erreicht wurde. Von der neuen Gesundheitsministerin Dr. Andrea Kdolsky erwartet Frühwald, „dass man mit ihr über dieses Thema vernünftig und pragmatisch sprechen kann, was mit der Vorgängerin nicht möglich war“. Maria Rauch-Kallat wäre eher desinteressiert und wohl auch schlecht beraten gewesen. Der BURA-Obmann geht davon aus, dass Kollegin Kdolsky das notwendige Hintergrundwissen zur Bedeutung des Mammographie-Screenings habe und sich eine eigene Meinung zur sinnvollsten Vorgehensweise in Österreich rasch bilden werde.

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