zur Navigation zum Inhalt
 
Radiologie 13. Februar 2007

Viel Aufwand für sinnvolle Diagnostik

Das Bronchuskarzinom (BK) ist unverändert die häufigste malignomassoziierte Todesursache in Europa. Therapie und Prognose hängen vor allem von der Histologie des Tumors (kleinzellig oder nicht-kleinzellig) und dem Stadium zum Zeitpunkt der Diagnose ab. Eine exakte Erfassung der Ausdehnung des Primärtumors sowie der Nachweis oder Ausschluss von Fernmetastasen sind daher für die optimale Therapie unabdingbar.

Die F18-Fluordeoxyglukose-Posi­tronen-Emissions-Tomographie (FDG-PET) hat sich in den letzten Jahren im Staging von Bronchuskarzinomen etabliert. Mit Hilfe der FDG-PET können durch den Nachweis einer Mehranreicherung von Glukose Metastasen mit einer sehr hohen Sensitivität nachgewiesen werden. Da sich die Glukoseaufnahme jedoch nicht auf maligne Gewebe beschränkt, müssen bei der Befundung von FDG-PET-Untersuchungen FDG-Mehranreicherungen benigner Ursache von FDG-Mehranreicherungen in neoplastischem Gewebe unterschieden werden. Für die quantitative Messung der Aktivitätsverteilung ist es erforderlich, dass eine Korrektur der im Körper absorbierten Strahlung vorgenommen wird (Schwächungskorrektur). Dazu wird der Patient mit einer 511 KeV Photonenstrahlung (oder bei dedizierten PET-CT-Geräten mittels Röntgenstrahlen der CT) durchstrahlt und daraus die Schwächungskoeffizienten im Gewebe abgeleitet.

Vorteile der Fusion von PET- und CT-Bildern

Aufgrund der geringen räumlichen Auflösung der PET-Bilder ist eine Zuordnung von FDG-Anreicherungen zu anatomischen Strukturen oft nicht mit ausreichender Sicherheit möglich. Die Überlagerung der PET-Informationen über die metabolische Aktivität eines Gewebes mit den anatomischen Informationen einer CT-Untersuchung führt zu einer signifikanten Reduzierung der falsch positiven PET-Befunde. Daher verbessern dedizierte PET-CT-Geräte die diagnostische Sicherheit der PET-Untersuchung. Stehen solche kombinierten Geräte nicht zur Verfügung, dann kann durch Fusion von PET- mit CT-Bilddaten räumlich und zeitlich voneinander getrennter Untersuchungen die diagnostische Sicherheit beider Untersuchungen deutlich erhöht werden. Eine unspezifische physiologische FDG-Aufnahme findet sich beispielsweise in braunem Fettgewebe, dem Gastrointestinaltrakt, den Nieren und der Muskulatur. Auch entzündliche Prozesse können vermehrt FDG aufnehmen und so eine Metastasierung vortäuschen. Beim Staging des Bronchuskarzinoms können vor allem granulomatöse Entzündungen, wie die Tuberkulose, oder unspezifische entzündliche Infiltrate differenzialdiagnostische Schwierigkeiten bereiten.

Technische Voraussetzungen

Die derzeit optimalste Methode zur Fusion von Bilddaten einer PET mit CT-Bildern lässt sich durch Geräte erreichen, bei denen ein PET und ein CT zu einer Geräteeinheit zusammengeschlossen sind und die Untersuchungen in identer Patientenlagerung unmittelbar hintereinander stattfinden (PET-CT). Bei PET-Einzelgeräten („stand alone PET“) können die Bilddaten des PET über eine spezielle Fusionssoftware auch nachträglich mit CT-Bilddaten fusioniert werden. Dabei können die PET- und CT-Untersuchungen auch an unterschiedlichen Instituten oder sogar unterschiedlichen Krankenhäusern durchgeführt und die Bilddaten über bidirektionale Datenleitungen ausgetauscht werden.

Voraussetzungen für die Befundung

Um falsch positive (physiologische) FDG-Mehraktivität zu identifizieren und richtig positive FDG-Mehraktivität anatomisch exakt zuzuordnen, ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Nuklearmedizin und Radiologie unabdingbar. Die Interpretation der Fusionsbilder erfordert sowohl von den Nuklearmedizinern als auch von den Radiologen ein tiefreichendes Verständnis beider Methoden, um die Bilder korrekt befunden zu können. Es sollte daher der gemeinsame PET-CT-Befund durch einen Nuklearmediziner und einen Radiologen im Konsens erstellt werden.

Gute Erfahrungen mit der Zusammenarbeit in Wien

Das Otto-Wagner-Spital (OWS) in Wien ist mit seinen zwei Internen Lungenabteilungen und der Thoraxchirurgie ein Zentrum für die Diagnose und Behandlung des BK in Ostösterreich. Patienten, bei denen ein potenziell operables BK diagnostiziert wird, werden zur Komplettierung des Staging zu einer FDG-PET dem nahe gelegenen Institut für Nuklearmedizin des Wilhelminenspitals (WISPI) zugewiesen. Dort ist ein Vollring-PET-Scanner (sog. stand alone PET-Gerät) vorhanden. Um die diagnostische Sicherheit im Staging dieser Patienten zu steigern, haben wir in einem spitalsübergreifenden Konzept seit über einem Jahr einen bidirektionalen Datenaustausch etabliert. Dieser erfolgt über die Auswerterechner im Röntgeninstitut des OWS und im Institut für Nuklearmedizin im WISPI.

Diskussion der Ergebnisse

Bei allen Patienten mit unklaren oder diskrepanten Ergebnissen bezüglich des Stagings eines BK in einer der beiden Modalitäten werden die Daten gegenseitig ausgetauscht und mit der sowohl in der Radiologie als auch in der Nuklearmedizin zur Verfügung stehenden Software fusioniert. Dann erfolgt eine telefonische Diskussion der Ergebnisse. Dieses Vorgehen ist mit hohem Zeitaufwand für Nuklearmediziner, Radiologen und Mitarbeiter des medizinisch-technischen Dienstes verbunden, der in konventionellen Leistungserfassungen kaum abgebildet werden kann. Die Ergebnisse dieser gemeinsamen Befundung und Besprechung werden dann in die interdisziplinären onkologischen Besprechungen eingebracht. Durch dieses Vorgehen sehen wir eine wichtige Verbesserung im Staging des BK. Auf Seiten der Ergebnisqualität steht aus unserer Sicht vor allem die möglichst beste Therapieentscheidung für den Patienten und womögliche Vermeidung unnötiger Operationen im Vordergrund. Dies kann nach Staging mittels PET- und CT-Fusionierung mit höherer Sicherheit erreicht werden.

Autoren: Doz. Dr. Siroos Mirzaei, Institut für Nuklearmedizin mit PET-Zentrum, Wilhelminenspital Wien;
Dr. Helmut Prosch und Prof. Dr. Gerhard Mostbeck,
Zentralröntgeninstitut Otto Wagner-Spital Wien

Literatur bei den Verfassern

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben