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Radiologie 13. Februar 2007

„Heiße“ Therapieoption Radiofrequenzablation

Die Radiofrequenzablation (RFA) intrapulmonaler Rundherde ist eine minimal invasive, bei Beachtung der Selektionskriterien schonende und effektive Therapiemodalität. Sie stellt aber nur eine ergänzende Therapie bei sehr selektionierten Patienten dar und steht nicht in Konkurrenz zu den breit etablierten Therapiemodalitäten maligner Rundherde.

„Lobektomie, minimal invasive videoassistierte thorakoskopische Lungenresektion oder perkutane Strahlentherapie gelten als etablierte Interventionsmöglichkeiten bei intrapulmonalen Rundherden“, erklärt OA Dr. Martin C. Freund, Universitätsklinik für Radiodiagnostik, Medizinische Universität Innsbruck, im Gespräch mit FOKUS RADIOLOGIE. Für die RFA kommen jene Patienten in Frage, für welche die angeführten Therapiemöglichkeiten vor allem aufgrund der schlechten Lungenfunktion nicht möglich sind, bei denen es aber trotzdem biologisch und medizinisch sinnvoll ist, einen pulmonalen Rundherd zu ablatieren. Die Zuweisung zur RFA erfolgt in einer interdisziplinären Besprechung (Radiologen, Onkologen, Chirurgen, Strahlentherapeuten) in Abhängigkeit vom Allgemeinzustand des Patienten und unter Berücksichtigung der Tumorbiologie. Freund: „Die RFA ist eine lokale Tumortherapie, mit der wir maligne intrapulmonale Rundherde behandeln können, aber nicht das Lymphabflussgebiet und nicht eine hiläre oder mediastinale Lymphadenopathie. Darin liegt auch der Grund, warum unserer Erfahrung nach häufiger Lungenmetastasen therapiert werden und seltener primäre Bronchialkarzinome, da diese relativ früh lymphogen metastasieren.“ Die RFA muss daher wohlüberlegt in einen gesamten Therapie-Algorithmus eingebaut werden, um den Tumor lokal und gegebenenfalls regional zu therapieren. Bei nachgewiesenen Lymphknotenmetastasen wird eine systemische Chemotherapie oder kombinierte Radio-Chemotherapie vorzuziehen sein.

RFA bei solitären Rundherden

In der Regel wird die RF-Therapie bei solitären Rundherden eingesetzt. Im Falle von Metastasen handelt es sich beim Primärtumor meist um ein kolorektales Karzinom. „Denn“, so Freund weiter, „bei diesem Malignom wissen wir aufgrund der Erfahrungen mit der chirurgischen Therapie bei Lebermetastasen, dass auch die Behandlung der Lungenmetastasen zu einer Lebensverlängerung führt.“ Bei der RFA handelt es sich um ein hyperthermes Ablationsverfahren. Der Tumor oder die Metastase wird durch Wärme zerstört. Dazu wird meist eine monopolare Radiofrequenzelektrode verwendet, die perkutan unter CT-Kontrolle in den Tumor eingebracht wird. Der für die RFA optimale Rundherd ist kleiner als 3 Zentimeter, von gut lufthältigem Parenchym umgeben, liegt peripher und hat keinen Kontakt zu einem Gefäß oder zur Pleura. Durch den so genannten „Ofen-Effekt“ wird eine zuverlässige und vollständige Ablation erreicht. Das bedeutet, dass die Wärme nicht abgeleitet, sondern auf den Herd begrenzt wird. Freund: „Bei Beachtung dieser Selektionskriterien ist die RFA eine sehr schonende und wenig invasive Therapiemodalität, mit der eine sehr zuverlässige Ablation der Tumorzellen erreicht werden kann. Aufgrund des minimal invasiven Vorgehens stellt die RF-Therapie einen kleinen Eingriff dar, der mit einer sehr geringen Morbidität verbunden ist.“ Die Ablationszeit beträgt bei einem 3 cm großen Herd 10 bis 15 Minuten. Der Patient kann das Spital meist schon am nächsten Tag verlassen.

Mögliche Komplikationen

Als wesentliche Komplikationen sind Pneumothorax, Pleuritis (evtl. auch Pleuraempyem) oder Blutungen zu nennen. Das Blutungsrisiko durch die Hitzekoagulation ist allerdings deutlich geringer als etwa bei gewöhnlicher perkutaner Biopsie von intrapulmonalen Rundherden. „Wichtig ist die Dokumentation des Therapieerfolges“, unterstreicht der Innsbrucker Radiologe. „Dabei ist zu beachten, dass der periphere intrapulmonale Rundherd während, besonders aber nach der RF-Therapie an Größe zunimmt.“ Ursache dafür ist ein zonales Therapiephänomen mit angrenzender hämorrhagischer Zone. Deshalb ist der Rundherd bei der Frühkontrolle sechs Wochen nach RF-Therapie auch bei erfolgreichem Verlauf größer als vor der Ablation und wird erst im Laufe der folgenden 12 bis 18 Monate langsam kleiner. Auch zentrale Lufteinschlüsse können infolge des Anschlusses an das Bronchialsystem auftreten, sind aber in der Regel harmlos.

Goldstandard ist die vollständige Entfernung

„Goldstandard beim kleinen intrapulmonalen Rundherd ist dennoch nach wie vor die vollständige Entfernung“, betont Freund. „Und daran muss sich die RF-Therapie messen.“ Die Innsbrucker Universitätsklinik für Radiodiagnostik kann auf eigene Erfahrungen mit 25 Patienten innerhalb von zweieinhalb Jahren zurückblicken. Allerdings wird die RF-Therapie maligner Rundherde in der Leber in Innsbruck etwa 10- bis 20-mal häufiger angewendet als in der Lunge. „Drei- bis viermal pro Jahr veranstaltet die Klinik Workshops, die interessierten auswärtigen KollegInnen die Möglichkeit bietet, Theorie und Praxis der RFA zu erlernen“, bemerkt Freund abschließend.

Dr. Klaus Huber, Ärzte Woche 33/2004

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