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Radiologie 13. Februar 2007

„Schiff ahoi“ – Lockruf der Radiologie

Institute für Röntgendiagnostik und interventionelle Therapie sind an den meisten medizinischen Entscheidungen im Krankenhaus beteiligt. Deshalb setzen die Radiologen mehr denn je auf Zusammenarbeit mit anderen Fächern.

Prof. Dr. Gerhard Mostbeck, Vorstand der Abt. für Radiologie, Otto Wagner-Spital Wien, ist seit Herbst 2006 Präsident der Österreichischen Röntgengesellschaft (ÖRG). Er übernahm von seinem Vorgänger Prof. Dr. Herwig Imhof eine sehr geordnete, aktive und strukturierte Gesellschaft, setzt jedoch auch neue Schwerpunkte und Initiativen. „Ich sehe mich mit den anderen Mitgliedern des Vorstandes, den Leitern der Arbeitsgruppen und Bundesländersektionen als ein Team, welches das ‚Schiff’ Radiologie in den nächsten Jahren weiterführen soll“, postuliert Mostbeck im Gespräch mit FOKUS RADIOLOGIE. Dies soll in enger Kooperation mit der Fachvertretung der Radiologie in der Ärztekammer (BURA) erfolgen.

Wo setzen Sie die Schwerpunkte Ihrer Tätigkeit?
Mostbeck: Entsprechend den Statuten der ÖRG sehe ich Schwerpunkte in der Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Nuklearmedizin zur Schaffung prakti­kabler Durchführungs- und Ausbildungsinhalte im zunehmend wichtigen Bereich der multimodalen Bildgebung, z.B. PET/CT. Ein weiterer Schwerpunkt folgt einem der gesundheitspolitischen Ziele Österreichs, dem mammographischen Brustkrebs-Screening. Durch eine notwendige Neustrukturierung des publizistischen Umfeldes der ÖRG liegt mein dritter Schwerpunkt sicher darin, die Radiologie einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren: Als klinisches Fach, das heute in fast allen Bereichen der Diagnostik, aber auch der interventionellen Therapie nicht mehr wegzudenken ist. Wir dürfen nicht vergessen, dass Instituten für Röntgendiagnostik und interventionelle Therapie im krankenhausinternen Bereich eine zentrale Schlüsselrolle in der Diagnostik zukommt. Durch die Möglichkeiten der Datenübermittlung wird der Schnittstelle intra-/extramural mehr Bedeutung zukommen, auch aus Sicht der Radiologie. Für diese Entwicklung spricht die Tatsache, dass viele radiologische Einrichtungen in den nächsten Jahren filmlos und digital betrieben werden.

Wieso betonen Sie die Rolle der Radiologie als klinisches Fach?
Mostbeck: Sowohl im intra- wie auch im extramuralen Bereich sind bildgebende Einrichtungen nicht nur ein Ort qualitätsorientierter Diagnostik und Therapie, sondern oft auch ein Ort für interdisziplinäre Kommunikation. Beispiele dafür sind klinisch-radiologische Besprechungen oder interdisziplinäre Falldiskussionen im Rahmen onkologischer Konsilien. Diese Tätigkeit ist ohne einen engmaschigen klinischen Kontakt zu Patienten und ohne das Eingehen auf deren spezielle Bedürfnisse undenkbar. Wir sehen uns als gleich verantwortliche ärztliche Ansprechpartner, die in direktem Patientenkontakt stehen. Denken Sie nur an die Aufklärung vor diagnostischen Maßnahmen oder interventionellen Therapien. Radiologen sind wichtige Ansprechpartner in der Entscheidung über ein optimales diagnostisches Vorgehen. Das wollen wir auch der breiten Öffentlichkeit und Entscheidungsträgern im Gesundheitswesen kommunizieren. Wir sehen darin auch die Möglichkeit, Tendenzen entgegenzutreten, radiologische Befunde durch telemedizinische Datenübermittlung aus anderen Ländern oder Kontinenten anzufordern. Zu glauben, dass diese technisch durchaus machbaren Möglichkeiten bei gleich bleibender Qualität den Radiologen im Krankenhaus und am Krankenbett einsparen können, ist sicher ein Irrtum.

Wo sehen Sie weitere Entwicklungen radiologischer Wissenschaftlichkeit?
Mostbeck: Wir RadiologInnen profitieren natürlich von der technischen Weiterentwicklung der uns anvertrauten Untersuchungsmodalitäten. Dies eröffnet neue Einsatzgebiete unserer Expertise, zum Beispiel in der Diagnostik der KHK und Herzfunktion mit Hilfe von Multidetektor-CT und MRT. Tendenziell zeichnet sich auch eine Hinwendung zur Funktionsdiagnostik ab, so dass morphologische und funktionelle Verfahren zunehmend zum Einsatz kommen werden. Wir denken hier an die Funktionsdiagnostik des Herzens, an Hirnfunktion, aber auch an so banale Dinge wie Gelenksfunktion und die funktionelle Beurteilung des Schluckaktes, eine schon seit langem etablierte, sicher viel zu selten angewendete Technik. Daneben wird das Gebiet des „Molecular Imaging“ zur Beurteilung und Quantifizierung von Vorgängen auf Zell- und Molekülebene zunehmend wichtiger werden.

Sie sind auch Leiter der Arbeitsgruppe Radiologie der Österreichischen Gesellschaft für Pneumonologie (ÖGP). Welchen Stellenwert hat diese Arbeitsgruppe in einer radiologiefremden wissenschaftlichen Fachgesellschaft?
Mostbeck: Ich halte diese Arbeitsgruppe für wichtig. Sie unterstreicht die von den österreichischen Lungenfachärzten gesehene Notwendigkeit, sich mit der raschen technischen Weiterentwicklung bildgebender Verfahren von uns Radiologen vertraut machen zu lassen. Hier ist sicher in den letzten Jahren ein Umdenken eingetreten, nämlich vom „Selber machen Wollen“ im Rahmen einer teuren Teilbereichsradiologie hin zum Interesse an einem „Wie weise ich richtig zu und setze die Methoden richtig ein?“. Aufgabe der Radiologie ist es hier, die Mitglieder anderer wissenschaftlicher Fachgesellschaften zu informieren und gemeinsame wissenschaftliche Kooperationen zu suchen. In vielen anderen Bereichen, leider aber nicht in allen wissenschaftlichen Fachgesellschaften mit einem hohen Bedarf an radiologischer Diagnostik und Intervention ist so eine Kooperation gegeben. Ich bin daher der ÖGP sehr dankbar, diese Funktion innehaben zu können.

Dr. Wolfgang Steflitsch, Ärzte Woche 33/2004

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