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Radiologie 18. Jänner 2007

Dauerschmerz im Rücken bildet sich im Gehirn ab

Die Diffusions-Tensor-Bildgebung, eine Technik der Magnetresonanztomo­graphie, stellt dar, wie stark bestimmte Gehirnzentren von chronischer Lumbalgie in Anspruch genommen werden.

Dauernde Schmerzen, aber keinerlei organischer Befund: Das kommt bei Kreuzweh gar nicht so selten vor. „Beansprucht der Patient Versicherungsleistungen, gibt es dann oft Probleme“, so der Radiologe Dr. Jürgen Lutz von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität auf der Jahrestagung der nord­amerikanischen radiologischen Gesellschaft RSNA Ende November in Chicago.
Lutz und der Schmerzspezialist Prof. Dr. Gustav Schelling von der Anästhesie-Abteilung der Münchner Uniklinik stellten auf dem Ärztemeeting ihre Methode vor, die Schmerzen buchstäblich sichtbar zu macht. Sie verwendeten dazu eine funktionelle Technik der neuroradiologischen Magnetresonanztomographie, die Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI).
Das Verfahren wird derzeit in der Schlaganfall- und der präoperativen Diagnostik von Gehirntumoren mancherorts bereits routinemäßig eingesetzt und zunehmend auch für die Verwendung bei anderen Krankheitsbildern wie Epilepsie, Schizophrenie oder Multipler Sklerose erforscht (die ÄRZTE WOCHE berichtete).
Dargestellt wird dabei die gemessene Diffusionsbewegung von Wassermolekülen, die in den einzelnen Gehirnstrukturen unterschiedlich stark ist, zumal die Moleküle immer wieder aneinanderprallen oder von verschiedenen Faktoren an ihrer Bewegung gehindert werden. So beeinflussen ischämische sowie entzündliche oder demyelisierende Gewebeveränderungen des Gehirns das Diffusionsverhalten der Wassermoleküle. Durch die räumliche Darstellung der Molekularbewegung kann der Verlauf von Nervenfasern nachvollzogen werden. Eine Gabe von Kontrastmitteln ist bei dem nichtinvasiven Verfahren nicht notwendig.

Wechselwirkung von Schmerz und Strukturveränderung

Anhand von 20 Patienten, die seit mehr als einem halben Jahr unter heftigen Schmerzen im unteren Rückenbereich litten, stellten Lutz und Schelling fest, dass die Beschwerden, für die keine organische Ursache dingfest gemacht werden konnte, recht deutliche Spuren im Gehirn hinterlassen. „Die Mikrostruktur jener Bereiche, die für Schmerzverarbeitung und Stressantwort zuständig sind, ist viel komplexer und aktiver als bei den gesunden und schmerzfreien Kontrollpersonen“, so Lutz. Allerdings ist noch unklar, was zuerst kommt: die Veränderungen im Gehirn oder die Schmerzen: „Möglicherweise ist es auch eine Wechselwirkung.“
Die Wissenschaftler hoffen nun, dass sich ihre Erkenntnisse auch zur Erklärung nutzen lassen, warum manche Rückenschmerzpatienten auf keinerlei Therapie ansprechen.

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