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Radiologie 7. Dezember 2006

Vollständige Vernetzung ante portas

Als erste Region im europäischen Verbund hat es das Bundesland rund um Wien geschafft, im niedergelassenen Bereich sowie in den Spitälern durchgehend voll digitalisierte Datenverarbeitung umzusetzen.

„Dieses Projekt zeigt ganz deutlich, dass selbst so umfangreiche Vorhaben dann umgesetzt werden können, wenn alle an einem Strang ziehen“, eröffnete NÖGUS-Vorsitzender und Finanzlandesrat Mag. Wolfgang Sobotka den Reigen der Redner zu dieser Errungenschaft bei einer Veranstaltung in St. Pölten im November. Er wertet die Einigung als wichtiges Signal für den Patienten in Zeiten wie diesen, wo viele Ängste kursieren: „Medizin muss zukünftig immer dort erfolgen, wo sie für die Patienten am angenehmsten, medizinisch am besten und für das Gesamtsystem am günstigsten ist.“

Erfolgreiche Verhandlungen

Im nächsten Schritt erfolgt mit Beginn kommenden Jahres die Vernetzung zwischen dem niedergelassenen Bereich und den Spitälern, um damit Effizienz und Qualität weiter zu verbessern. „Dies erforderte sehr viel Verhandlungsgeschick, vor allem seitens der Ärztekammer“, lobte Sobotka. Seit Juli 2006 gibt es diesen Vertrag zwischen den niederösterreichischen Radiologen und der Gebietskrankenkasse, der die Flächendeckung mit voll digitalisiertem Röntgen im Bundesland ermöglicht.
„Niederösterreichs niedergelassene Radiologen haben umgehend reagiert und alle Geräte auf digital umgestellt“, berichtete Ärztekammerpräsident Dr. Lothar Fiedler. Es stellt dies nicht nur den derzeit modernsten medizinischen Standard dar, der damit in allen niederösterreichischen radiologischen Instituten und Praxen Einzug hält, sondern auch eine enorme Verbesserung für die Patienten. „Diese Innovation wurde vor allem auch durch den Weitblick der Gebietskrankenkasse möglich“, sprach Fiedler ein Lob aus.

Zusage für Gruppenpraxen

So kam es im Zuge der Verhandlungen mit den Ärzten zur Zusage über die Möglichkeit der Bildung von Gruppenpraxen und im Gegenzug zur Zusage der niederösterreichischen Ärzteschaft, auf volle Digitalisierung umzustellen. Die GKK hat damit nach Fiedlers auch einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der medizinischen Qualität durch Gruppenpraxen geleistet.
Fiedler sieht in der Volldigitalisierung des Bundeslandes im Röntgenbereich auch einen richtigen Schritt für die rasche Verfügbarkeit von wichtigen Untersuchungsbefunden: „Zweifelsohne ist es von großem Vorteil, wenn alle Daten eines Patienten an einer zentralen Stelle abrufbar sind, vor allem auch vom jeweiligen Hausarzt.“
Er verwies auf derzeit 33 radiologische Einrichtungen im niedergelassenen Bereich, in denen etwa 100 Ärzte arbeiten: „Diese haben im Zuge der Umstellung auf Gruppenpraxen bereits begonnen, ihre Öffnungszeiten entschieden auszuweiten.“ Derzeit arbeiten Gebietskrankenkasse, Land und Ärzte auch an Pilotprojekten, die eine weitere Vernetzung und Zusammenführung von niedergelassenen Ärzten und Spitälern ermöglichen sollen. In der radiologischen Initiative sieht der Ärztekammerpräsident jedenfalls „ein Projekt mit Beispielfunktion für andere Fächer“.
Durch die vollständige Vernetzung besteht auch für alle Spitäler die Möglichkeit, Aufnahmen der bildgebenden Verfahren ohne großen Aufwand in kürzester Zeit auszutauschen. Mittelfristiges Ziel ist die vollständige Vernetzung zwischen niedergelassenen Ärzten und allen Krankenhäusern, was unzweifelhaft zu einer deutlichen Verbesserung der derzeit immer wieder angesprochenen Schnittstellenproblematik führen wird.

 Dr. Lothar Fielder, Mag. Wolfgang Sobotka, Doz. Dr. Franz Frühwald
Dr. Lothar Fielder, Mag. Wolfgang Sobotka und Doz. Dr. Franz Frühwald freuen sich über die gelungene Umssetzung des flächendeckenden voll digitalisierten Röntgens in NÖ.

Radiologie als Vorreiter

Dies bestätigt auch Doz. Dr. Franz Frühwald, Obmann der Bundesfachgruppe Radiologie der Österreichischen Ärztekammer: „Wenn wir ein System haben, mit dem wir Bilder weiterleiten können, dann ist es ein Kinderspiel, in Folge auch Blutbefunde, Arztbriefe, Diagnosen oder sonstiges einzubauen.“ Frühwald erkennt aber auch, dass es fast nicht mehr möglich ist, solche Betriebe als Einzelperson zu führen: „Arztpraxen sind Wirtschaftsbetriebe und werden zukünftig von allen Beteiligten auch als solche akzeptiert werden müssen.“ Immerhin beträgt die Investition in ein digitales Röntgen zwischen 250.000 und 750.000 Euro pro Ordination. Wünschenswert wäre aus seiner Sicht auch ein Bildarchiv der öffentlichen Hand, um allen Betreuern Zugriff auf bereits vorhandenes Bildmaterial zu ermöglichen.
Besonderen Wert legen alle Partner auch auf eine dezentrale, wohnortnahe Versorgung. So sind die 33 radiologischen Einrichtungen optimal über das gesamte Bundesland verteilt und nicht, wie beispielsweise in Oberösterreich, in fünf oder sechs großen Zentralröntgen vorwiegend in Linz gebündelt.
Ohne bildgebende Diagnostik wäre eine rasche Diagnose heutzutage oft praktisch nicht mehr möglich. In keiner anderen Region in Europa gibt es derzeit eine wirklich flächendeckende digitale Radiologie. Die Fachleute sind sich einig: „Es ist als besonders innovativer Schritt anzusehen, dass alle Radiologen bereit sind, derartige Investitionen im Sinne der medizinischen Qualitätsverbesserung und des Strahlenschutzes für die Patienten vorzunehmen.“

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