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Radiologie 18. Jänner 2006

Sorgen um Zukunft der Institute

Das Schreckgespenst einer stärkeren Verlagerung der bildgebenden Diagnostik in den Spitalsbereich geistert noch immer durch die Radiologenwelt. Unter den Institutsbetreibern herrscht deshalb große Unruhe.

Ab Jänner 2006 soll der Österreichische Strukturplan Gesundheit (ÖSG 2006) das heimische Gesundheitssystem neu ordnen. Für die Planung und Koordination aller Gesundheitsleistungen gelten dann ganz andere Regeln als bisher, auch für die Versorgung mit Einrichtungen für bildgebende Diagnostik. Für diesen Bereich wurde vergangenes Jahr eine stärkere Nutzung der Infrastruktur stationärer Einrichtungen nicht nur laut angedacht, sondern auch in Pilotprojekten, z.B. in Amstetten, ausprobiert. Ergebnisse dazu liegen noch nicht am Tisch; eines steht aber fest: Krankenanstalten- und Großgeräteplan haben ein Ablaufdatum. Der ÖSG 2006 wurde im Auftrag des Gesundheitsministeriums vom Österreichischen Institut für Gesundheitswesen (ÖBIG) erstellt (siehe Kasten). Noch laufen Verhandlungen mit den Ländern als maßgebliche Entscheider im neuen System, bis Jahresende sollte aber alles klar sein und die erste Etappe der Runderneuerung des Gesundheitssystems starten. Um die Verunsicherung unter Radiologen zu diskutieren, hatte der Verband für bildgebende Diagnostik Österreich (VBDO) zur Jahrestagung 2005 Anfang Juli in Pörtschach einen Gast eingeladen, der Informationen aus erster Hand bieten konnte: Sektionschef DI Harald Gaugg vom Gesundheitsministerium erläuterte den Teilnehmern die Eckpunkte des ÖSG 2006 und dessen erwünschte Auswirkungen: „Wenn nichts getan wird, haben wir laut Prognosen im Jahr 2010 ein Finanzloch von 1,4 Milliarden Euro. Erst dann kommt das Problem der Alterspyramide zum Tragen. Deshalb muss den Problemen unseres Gesundheitswesens jetzt gegengesteuert werden.“ Eine der wesentlichen erstrebenswerten Änderungen ist für Gaugg, „dasselbe Geld für dieselbe Leistung unabhängig vom Ort der Erbringung auszugeben“. Beim Nahtstellen-Management zwischen den Sektoren soll der Behandlungsverlauf des Patienten im Mittelpunkt stehen. Generell habe der ÖSG aber die Entwicklung und Umsetzung konkreter strukturverändernder Maßnahmen zum Ziel, und zwar in allen Bereichen der Versorgung inklusive Pflege. Gaugg plädierte dafür, künftig­ den ambulanter Sektor vom stationären abzukoppeln: „Ambulanzen sind Bettenfüller.“ Im niedergelassenen Bereich würden Ärztezen­tren oder andere Kooperationsformen zunehmend die einzelne Facharztpraxis ablösen. „Der ÖSG ist grundsätzlich ein vernünftiger Weg“, so Gaugg. Ob die zuständigen Einrichtungen flexibel genug sein werden für die geplante Reform, ist auch für ihn fraglich.

Ärzte in Entscheidungsgremien nicht maßgeblich vertreten

„Der Ansatz, Nahtstellen- statt Schnittstellen zu definieren, ist begrüßenswert“, stimmte der Präsident des VBDO, Doz. Dr. Michael Stiskal, den Plänen zu. Für den VBDO stehe das Qualitätsmanagement bei der radiologischen Versorgung im Vordergrund. „In diversen Verhandlungen habe ich bisher eher die Tendenz zu einer Reduktion des extramuralen Bereiches wahrgenommen“, so Stiskal. Ärzte seien in keinen Entscheidungsgremien maßgeblich vertreten. Dennoch sei der VBDO für eine sinnvolle Kooperation offen. Das gilt auch für die Bundesfachgruppe Radiologie, deren Obmann Doz. Dr. Franz Frühwald in Pörtschach unmissverständlich feststellte: „Die freiberufliche Perspektive muss für uns Radiologen erhalten bleiben.“ Er beurteilt die Finanzierungsansätze als besorgniserregend. Die Debatte darüber werde einseitig geführt. Im Spitalsbereich seien Querfinanzierungen gang und gäbe, bei der Beurteilung von Kosten für erbrachte Leistungen sollte aber das gesamt aufgewendete Budget berücksichtigt werden. Aus Sicht des Hauptverbandes sei eine maximale Auslastung der bildgebenden Ressourcen von Spitälern sinnvoll, erklärte Mag. Alexander Maksimovic vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Österreich weise außerdem im internationalen Vergleich eine der höchsten Gerätedichten auf. „Im Gesundheitssystem sollte das Geld der Dienstleistung folgen, was bisher nicht möglich war“, wünscht sich Maksimovic von Reformen. Gegenüber dem ÖSG 2006 sei man im Hauptverband noch zurückhaltend: „Die Verländerung ist kontraproduktiv, mehr Bundeskompetenz wäre besser.“ „Die Ziele des ÖSG 2006 sind uneingeschränkt zu begrüßen“, brachte Mag. David Pötz, Wirtschaftskammer Österreich (WKO), Fachverband für Gesundheitsbetriebe, in die Diskussion ein. „Fraglich ist, ob sich die Finanzströme ändern lassen.“ Die WKO befürwortet eine Aufwertung der Institute im Zuge der Reform, weil bei diesen – im Gegensatz zu Spitälern – die Kosten transparent seien. Die Kräfteverteilung zu Ungunsten der Institute in den geplanten Entscheidungsgremien kritisierte auch Pötz. In Summe konnte die Diskussion bei der Jahrestagung die Bedenken der Betreiber von bildgebenden Instituten nicht zerstreuen. Einzelne Wortmeldungen von Teilnehmern machten deutlich, dass ein gewisser „Wildwuchs von Großgeräten“ zunimmt. Auf einen großen Einfluss der Standesvertretung auf die zukünftigen Entwicklungen wagt niemand zu hoffen. Am ÖSG 2006 findet aber auch die Österreichische Ärztekammer wenig Gefallen. Sie liest daraus, dass Abteilungen in Peripheriespitälern geschlossen werden sollen und warnt vor Versorgungsengpässen im ländlichen Bereich. „Die Österreichische Bevölkerung hat ein Recht, flächendeckend medizinisch versorgt zu werden. Das ist mit dem neuen Strukturplan pro futuro nicht möglich“, sagte Dr. Harald Mayer, Bundesobmann der Kurie Angestellte Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer.

Kritik zum ÖSG auch aus der Ärztekammer

Die Ärztekammer stört besonders, dass im ÖSG auch Strukturstandards und Mindestfrequenzen für die Spitalsabteilungen vorgegeben werden. Das ärgert Mayer: „Die Grundversorgung kann nicht an Zahlen gebunden werden. Sie hat flächendeckend erbracht zu werden.“ Bei den meisten Leistungen würden Mindestfrequenzen ohnedies keine Rolle spielen, entgegnete die Geschäftsführerin des ÖBIG, Dr. Michaela Moritz. Nur für bestimmte, vor allem spezialisierte Bereiche würden solche erstellt.

Zentralisierung der Medizin

Doch nicht nur die Spitalsärzte fürchten sich vor dem ÖSG. „Er wird auch massive Auswirkungen auf die niedergelassenen Ärzte haben“, warnte Dr. Artur Wechselberger, Präsident der Tiroler Ärztekammer. „Ziel ist die Zentralisierung der Medizin“. Der ÖSG wolle zwar eine integrierte Betrachtungsweise des stationären und niedergelassenen Gesundheitswesens, als Kristallisationspunkt seien aber eindeutig die Spitäler vorgesehen, meinte Wechselberger.

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Herbert Hauser, Ärzte Woche 4/2002

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