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Radiologie 18. Jänner 2006

Fetale MRT bei nicht neurologischen Erkrankungen

Die Fortschritte in der MR-Technologie manifestieren sich auch in der fetalen Bildgebung. Untersuchungen sind nicht nur schneller als je zuvor, auch der gesamte Fetus wird abgebildet. Nahezu alle Organsysteme sind somit während der Schwangerschaft beurteilbar.

Die Evaluation des ZNS mittels fetaler Magnetresonanztomografie (MRT) gilt als etablierte Methode, der Einsatz zur Lungenbeurteilung erreicht mittlerweile ebenso große Bedeutung. Hingegen stecken die Beurteilungen des harnableitenden Systems und des Gastrointestinaltraktes mit der fetalen MRT noch in den Kinderschuhen. Eine MRT bei nicht neurologischen Erkrankungen ist generell dann indiziert, wenn mit dem Ultraschall keine ausreichende Diagnose und damit keine Therapieentscheidung getroffen werden kann. Im Bereich des Thorax richtet sich das Augenmerk auf Erkrankungen der Lunge, vor allem die Bestimmung der Lungenreifung und des Lungenvolumens haben Bedeutung. Mit dem Wissen um Reife und Volumen lässt sich rascher und früher (präpartal) entscheiden, ob intubiert werden muss, ob die Lungenreifung medikamentös ausreichend sein wird und ob im Falle einer raschen Operation das Kind an die Herzlungenmaschine muss. Weitere Indikationen sind angeborene Fehlbildungen wie Lungensequester, congenital cystische Malformationen, bronchogene Zysten, Trachealatresie und andere unklare Ultraschallbefunde. Herzuntersuchungen sind im Augenblick noch eine Domäne des Ultraschalls (US).

Fehlbildungen der Niere

Im Bereich des Abdomens können zwei große Organsysteme mit der fetalen MRT untersucht werden: das harnableitende System und der Gastrointestinaltrakt. Fehlbildungen der Nieren, die mit einer Nierenfunktionsstörung einhergehen, sind oft mit einem Oligo- oder Anhydramnion vergesellschaftet und daher mit dem Ultraschall nicht suffizient zu beurteilen. Hier hat die fetale MRT wesentlichen Stellenwert, vor allem zum Ausschluss oder Nachweis einer Potterfehlbildung (Nierenagenesie). Sie ist damit zur Prognosebestimmung nahezu unumgänglich. Auch Erweiterungen des Nierenhohlraumsystems sind eine wichtige Indikation zur MRT, weil einerseits die Diagnose gesichert werden kann und andererseits assoziierte Erkrankungen nachgewiesen werden können. Bei Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes ist der Ultraschall unspezifisch. Bei Kindern mit Ösophagusatresie gelingt es mit dem Schall selten, den Magen zu finden, was im Rahmen einer MRT nahezu immer möglich ist. Mit funktionellen Sequenzen kann der frustrane Schluckversuch der Feten dokumentiert werden. Der distale Ösophagus ist mit beiden Methoden kaum nachweisbar. Bei Feten, bei denen im Ultraschall eine „double bubble“ nachgewiesen wurde, eine nähere Höhenbestimmung der Obstruktion bzw. eine Differenzierung Stenose/Atresie nicht möglich war, konnte in der MRT sowohl die Differenzierung zwischen Atresie und Stenose als auch eine nähere Höhenbestimmung der Obstruktion erfolgen. Interessanterweise sind nach unserer Erfahrung die Obstruktionen tiefer als im Ultraschall angenommen. Hilfreich waren in diesem Zusammenhang die funktionellen Sequenzen, mit denen die Peristaltik beurteilt werden kann.

Angeborene Tumore

Eine wichtige Rolle hat die MRT bei angeborenen Tumoren, wo dem Chirurgen bereits intrauterin die Morphologie des Tumors und die anatomische Situation dargelegt werden kann und eine OP-Planung früher und genauer möglich wird. Bei Nierenerkrankungen und Anomalien des Gastrointestinaltraktes, aber auch bei Erkrankungen des ZNS sollte eine MRT durchgeführt werden, um eine assoziierte Anomalie oder einen Syndromkomplex nachzuweisen, z.B. Vater-Assoziation bei Ösophagusatresie und dergleichen. In solchen Verdachtsfällen sind die Extremitäten ebenso eingehend zu untersuchen, um Fehlbildungen auszuschließen.

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