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Radiologie 18. Jänner 2006

Evaluation des ZNS mit fetaler MRT

Die Magnetresonanztomographie (MRT) wird seit den 80er Jahren zur Abklärung von im Ultraschall unklaren fetalen Pathologien verwendet. Da die Bildentstehung dabei auf Magnetfeldern beruht, erfolgt sie ohne den Einsatz von für den Feten eventuell gefährlichen Röntgenstahlen. Magnetfeldbedingte fetale Schäden konnten bisher nicht nachgewiesen werden. Im Rahmen der Pränataldiagnostik hat die MRT in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen.

Ursprünglich wurde die fetale Magnetresonanztomographie (MRT) angewandt, wenn mittels Ultraschall (US) auf Grund von Problemen wie Oligohydramnion, mütterlicher Fettleibigkeit bzw. ungünstiger Position des Feten keine ausreichende Information gewonnen werden konnte. Inzwischen hat die MRT, bedingt durch ihre hohe Weichteilauflösung, die besonders bei der Beurteilung normaler und pathologischer Reifung des zentralen Nervensystems wesentlich ist, als eigene Untersuchungsmethode im Rahmen der Pränataldiagnostik an Bedeutung gewonnen. Neurologische Indikationen setzen sich aus vermuteten Fehlbildungen, aber auch Verdacht auf erworbenen Störungen des fetalen zentralen Nervensystems (ZNS) zusammen. Als häufige Fragestellung zur Durchführung einer fetalen MRT ergibt sich eine im US diagnostizierte Ventrikelerweiterung. Ursachen für erweiterte Ventrikel umfassen sowohl malformative als auch erworbene Pathologien (Abb 1a). Diese Ätiologien unterscheiden sich natürlich sowohl in Hinblick auf Prognose für den betroffenen Feten als auch in Bezug auf das Wiederholungsrisiko. Eine Differenzierung ist daher sinnvoll. Im Fall ihres isolierten Vorkommens und einer milden Ausprägung (weniger als 15mm Trigonalweite) ist die Prognose als günstig einzuschätzen.

Prognostische Hinweise

Die Prognose von ZNS-Fehlbildungen hängt meist vom Vorliegen oder Fehlen assoziierter morphologischer Veränderungen ab (Abb 2). Im Fall des Balkenmangels kann etwa das zusätzliche Vorhandensein einer Störung der kortikalen Faltung die Prognose insofern verschlechtern, als diese Fehlbildung zu Anfällen führen kann. Die Darstellung solcher Fehlbildungen ist vielfach mittels US nicht möglich. Weiters kann die Hirnreifung, sowohl was die kortikale Faltung betrifft als auch die Entwicklung des Hirnparenchyms, dargestellt werden. Bei spinalen Fehlbildungen kann die MRT intraspinale Details, wie die Konfiguration der Neuralplakode erfassen. Da im Gegensatz zu einer postnatalen MR-Untersuchung nicht nur ein Organ, sondern der ganze Fetus abgebildet wird, ist die Zuordnung zu einem mehrere Organsysteme betreffenden Syndrom rasch möglich. Unter gewissen Umständen kann das fetale Hirn in utero geschädigt werden. Dazu zählen Situationen wie intrauterine Entzündungen, Plazenta- oder chronische mütterliche Erkrankungen, die zu einer herabgesetzten Sauerstoffversorgung führen. Die dabei entstehenden Veränderungen – ischämische Infarkte und Blutungen – können MR-tomographisch sensitiv erfasst werden (Abb 1b). An Hand dieser Informationen können Maßnahmen getroffen werden, die eine weitere Schädigung des fetalen Hirnes verhindern: dazu gehört in erster Linie, unter Berücksichtigung der Lungenreifesituation, eine Vorverlegung des Geburtszeitpunktes, da vaskuläre Läsionen besser extrauterin als intrauterin zu behandeln sind. Außerdem ist eine Prognose zu erwartender neurologischer Symptome möglich. Die Reversibilität druckbedingter Veränderungen des Hirnparenchyms kann mittels so genannter diffusionsgewichteter Sequenzen eingeschätzt werden. Diese Information erlaubt die Einschätzung der Dringlichkeit eines neurochirurgischen Eingriffs zur Druckentlastung. Insgesamt hat der Einsatz der fetalen MRT bei neurologischen Indikationen nicht nur zu einer genaueren pränatalen Diagnostik von Störungen des ZNS geführt, sie nimmt auch vielfach Einfluss auf das weitere prä- und perinatale Management.

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