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Radiologie 18. Jänner 2006

Schmerzloses Mamma-Screening unter 40?

Die Elektrische Impedanzmessung (EIS) und die CT-Laser-Mammografie (CTLM) erweitern das Spektrum der radiologischen Diagnostik der weiblichen Brust. Noch sind die beiden Methoden allerdings in der klinischen Erprobungsphase.

Eine bestimmte physikalische Eigenschaft des Brustgewebes, die elektrische Leitfähigkeit (Konduktivität), ermöglicht einer jungen Methode die Diagnose maligner Prozesse: rasch, schmerzfrei und ohne Strahlenexposition. Die elektrische Impedanzmessung (EIS) ermittelt den Reziprokwert der elektrischen Impedanz des Brustdrüsengewebes. Für diesen Zweck wird ein schwacher Wechselstrom, der für die Patientinnen nicht spürbar ist, zwischen einer Quellenelektrode in der Hand und einer Zielelektrode, vergleichbar mit einem Ultraschall-Transducer, auf der Brust der Frau angelegt. Bei gesundem Gewebe kommt es zu einer homogenen Verteilung des Stromflusses. Inhomogenitäten lassen auf eine maligne Veränderung des Brustdrüsengewebes schließen. Durch einen pathologischen intra- und extrazellulären Flüssigkeitsgehalt sowie veränderte Zellmembranen im Tumorbereich ist die elektrische Leitfähigkeit erhöht, der Strom kann vermehrt durch das betroffene Gewebe fließen. „Es handelt sich um eine neue Methode, die als Zusatzverfahren in der Mammadiagnostik angewandt werden kann“, erklärt Dr. Michael Fuchsjäger, Univ.-Klinik für Radiodiagnostik, AKH Wien, der sich seit 2001 mit dieser Technik eingehend beschäftigt, im Gespräch mit NETWORK RADIOLOGIE. Die EIS wurde 1999 von der US-amerikanischen FDA anerkannt. Hierzulande wird das Verfahren hauptsächlich wissenschaftlich betrieben. Bislang wurden 600 Patienten am Wiener AKH mit der Methode untersucht. Doch die EIS sollte bald den Sprung in die klinische Routine schaffen und eine weitere diagnostische Methode in der Hand des Radiologen darstellen.

Die EIS zeigt hohe Sensitivität

Die Eckdaten stimmen zuversichtlich: So liegt die Sensitivität zwischen 85 und 90 Prozent, die Angaben über die Spezifität schwanken zwischen 60 und 65 Prozent. Fuchsjäger: „Bei diesem Verfahren ist hinsichtlich des Outcome sicher eine gewisse Untersucherabhängigkeit zu beobachten. Obwohl die Handhabung einfach ist, gehört doch einige Erfahrung mit der Methode dazu.“ Haupttargets sind kleinere Tumore mit einem Durchmesser von weniger als einem Zentimeter sowie BIRADS-4-Läsionen. „Diese müssen lege artis biopsiert werden. Allerdings ist das histologische Ergebnis bei BIRADS-4-Läsionen letztlich in 50 bis 70 Prozent gutartig“, so Fuchsjäger. Mit der EIS könnte Patientinnen mit BIRADS-4-Läsionen eine invasive bioptische Abklärung erspart bleiben. Schließlich liegt bei dieser Fragestellung der negative Vorhersagewert bei über 95 Prozent. (Fuchsjäger MH, Invest Radiol. 2005 Jul;40(7):478-485). Dennoch stellt die Methode, wie der Radiologe betont, keine Alternative zur Mammografie oder Sonografie dar, es handelt sich rein um eine Zusatzmethode. Fuchsjäger. „Es geht ausschließlich um eine Differenzierung zwischen benignen und malignen Läsionen und nicht um die primäre Detektion, zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt.“ Der Vorteil für die Patientinnen: Die Anwendung der EIS erfolgt ohne ionisierende Strahlung, der Stromfluss ist nicht spürbar und eine Kompression der Brust ist nicht erforderlich. Aufgrund des günstigen Anwendungsprofils wird bereits angedacht, die Impedanzmessung im Rahmen eines Screenings als First-line-Methode in größerem Rahmen anzuwenden. So soll die EIS für Frauen vor dem 40. Lebensjahr mit Hilfe eines für diese Altersgruppe speziellen Algorithmus und eines modifizierten Geräts zum Einsatz kommen. Im kommenden Herbst startet eine Studie an 300 Frauen unter 40 Jahren zur Früherkennung eines möglichen okkulten malignen Geschehens in der Brust. Die am AKH stattfindende Evaluierung wird aus dem Bürgermeisterfonds der Stadt Wien unterstützt. Ein zweites Verfahren, das das Spektrum der Mammadiagnostik erweitern soll, ist die CT-Laser-Mammografie (CTLM). Auch sie befindet sich noch im Forschungsstadium. „Bei der CTML umkreist ein Indium-Gallium-Laser (808 nm) die durch eine Öffnung im Untersuchungstisch hängende Brust der auf dem Bauch liegenden Patientin“, erklärt Fuchsjäger das Procedere. Mittels Detektoren wird die Absorption des Lichts im Gewebe gemessen. Durch Hämoglobin, das vermehrt in den stark durchbluteten Arealen eines Malignoms der Brust vorhanden ist, wird Licht dieser Wellenlänge absorbiert.

Dreidimensionale Rekonstruktionen mit CTLM

So werden mittels CTLM, die ebenfalls ohne Strahlenexposition auskommt, Schnittbilder der Brust angefertigt und anschließend dreidimensionale Rekonstruktionen errechnet. Aufgrund des größeren technischen Aufwandes ist die Methode naturgemäß zeitaufwändiger als die EIS. Eine weitere Verfeinerung der CTLM soll nun unter Hinzufügung eines flureszierenden Kontrastmittels erfolgen. „Auch dieses Verfahren ist als Zusatzmethode bei suspekten Läsionen der Brust denkbar. Der Schritt in die Praxis wird hier aber“, so Fuchsjäger, „noch einige Zeit dauern.“

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