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Radiologie 18. Jänner 2006

Der sanftere Weg der Radiologen

Die Ultraschall- und stereotaktischgezielte Nadelbiopsie hat sich als effiziente und kostengünstige Methode in der Diagnostik von Brustveränderungen etabliert.

„In der Mammographie wird eine steigende Zahl von nicht tastbaren Brustveränderungen diagnostiziert, die einer weiteren pathohistologischen Abklärung bedürfen“, erklärte Prof. Dr. Thomas Helbich, Klinik für Radiodiagnostik, Medizinische Universität Wien, im Gespräch mit NETWORK RADIOLOGIE. Hierbei hat sich die Ultraschall- und stereotaktisch-gezielte Nadelbiopsie als verlässliche, effiziente und kostengünstige Methode in der Diagnostik von tastbaren und nicht tastbaren Brustveränderungen erwiesen. Sie stellt eine Alternative zur offenen chirurgischen Probeexzision dar. Helbich: „Die daraus resultierenden Kosteneinsparungen leisten einen wesentlichen Betrag im ohnehin defizitären Gesundheitssystem.“ Die sonografisch- bzw. stereotaktisch-gezielte automatisierende Stanzbiopsie und die Vakuumassistierte Biopsie (VAB) haben sich als die praktikabelsten Verfahren durchgesetzt. So werden im Radiologischen Mammazentrum des AKH Wien jährlich rund 1.700 interventionelle Eingriffe an der Brust durchgeführt. Davon sind 700 stereotaktisch- bzw. Ultraschall-gezielte Nadelbiopsien, etwa 1.000 Eingriffe entfallen auf präoperative Markierungen. Die Ultraschall-gezielte 14-Gauge-Stanzbiopsie bzw. die 11-Gauge-Vakuumbiopsie haben sich laut Helbich vor allem in der Abklärung von Herdläsionen als verlässliche Methode erwiesen. „Unter Ultraschallsicht wird unter sterilen Bedingungen und nach Lokalanästhesie die Nadel in die Läsion eingebracht“, erklärt der Radiologe das Procedere. Bei diesem Verfahren werden durchschnittlich fünf Biop­­sate aus den verschiedensten Regionen einer Läsion entnommen und anschließend einer histologischen Beurteilung zugeführt.

Falsch-negative Rate unter einem Prozent

Als Vorteile der Ultraschall-gezielten Biopsie gelten die niedrigen Kosten, die fehlende Strahlenbelastung, ein ungehinderter Zugang zu allen Arealen der Brust und der Axilla sowie die „Echtzeit“-Beurteilung der Nadel bzw. die daraus resultierende multidirektionale Entnahme von Biopsaten. Ein großer Nachteil dieser Methode liegt allerdings darin, dass nur ein-deutig sonographisch darstellbare Läsionen biopsiert werden können. Somit stellen kleine Läsionen bis 5 mm bzw. Mikrokalkareale keine Indikation für die Ultraschall-gezielte Biopsie dar. „Dennoch beziehungsweise gerade deswegen liegt die falsch-negative Rate der Ultraschall-gezielten Biopsie bei adäquater Anwendung unter einem Prozent“, so Helbich. Bei der stereotaktischen Biopsie kann eine Läsion im dreidimensionalen Raum der Brustdrüse mit Hilfe von zwei 15-Grad-Aufnahmen (Stereotaxie) lokalisiert werden. Diese Untersuchung kann sowohl in sitzender als auch liegender Patientenposition durchgeführt werden. Nach erfolgreicher Lokalisation der Läsion wird unter sterilen Bedingungen eine Lokalanästhesie durchgeführt. Danach wird das jeweilige Nadelsystem bis zur Läsion vorgeschoben. Entsprechend den verschiedenen Techniken werden bis zu 15 Biopsate gewonnen. Die gewonnenen Gewebestücke erlauben eine histologische Beurteilung. Helbich: „Die stereotaktische Biopsie kann bei allen mammografisch nachweisbaren Läsionen, bei Herdbefunden und Mikrokalk eingesetzt werden.“ Die primäre Indikation stellt der Mikrokalk dar. Durch eine adäquate Anwendung und die Einhaltung verschiedenster Qualitätsmaßnahmen könne, wie Helbich berichtet, weltweit eine hohe Treffsicherheit mit einer falsch-negativen Rate von unter zwei Prozent erreicht werden.

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