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Radiologie 9. Jänner 2006

Kosteneinsparung durch nicht-invasive Gefäßdiagnostik

Die nicht-invasive Gefäßdiagnostik hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen.

„Im Prinzip könnten die Mehrschicht-Spiral-CT und die MRT einen Großteil der Angiographien ersetzen“, betont Prof. Dr. Heinrich Czembirek, Leiter des Zentralröntgeninstituts im Krankenhaus­Wien-Lainz im Gespräch mit NETWORK RADIOLOGIE. Dadurch wären auf dem Verbrauchsgut-Sektor gewaltige Einsparungen möglich, so der Experte.

Wie sieht der Kostenvergleich zwischen invasiven und nicht-invasiven Verfahren aus?
Czembirek: Der größte Unterschied ist auf dem Verbrauchsgut-Sektor gegeben. Hier schneiden die invasiven Verfahren sehr schlecht ab, da die Katheter hohe Kosten verursachen. Darüber hinaus sind die Arterienverschlusssysteme, die derzeit routinemäßig weltweit angewendet werden, sehr teuer. Hingegen ergeben sich auf dem Gerätesektor kaum Unterschiede. Die Anschaffungskosten für eine Angiographie-Anlage betragen rund 650.000 bis 700.000 Euro, für ein Multislice-CT- sowie ein MRT-Gerät 700.000 bis 750.000 Euro. Dabei ist aber zu bedenken, dass ich mit CT oder MRT auch diverse zusätzliche Optionen besitze; ich kann ja nicht nur eine Angiographie machen, sondern etwa Wirbelsäule, Gehirn oder Herz betrachten. Bei den Kosten für Per-sonal und Betreuung ergibt sich kein Unterschied.

Spielt die Komplikationsrate eine Rolle bei den Kosten?
Czembirek: Bei 6 bis 8 Prozent unserer Patienten kommt es im Rahmen einer Angiographie zu Komplikationen, vom kleinen Hämatom bis zur Gefäßnaht. Wenn es dadurch zu einer Verlängerung der Liegezeit kommt, kostet dies nicht wenig Geld. Solche Probleme fallen bei nicht-invasiven Verfahren grundsätzlich weg. Zu bedenken ist weiters, dass das Kontrastmittel für die MRT (Gadolineum) den Vorteil besitzt, inert zu sein. Insgesamt betragen die Kosten für eine Katheterangiographie 400 bis 430 Euro (pro Untersuchung). Natürlich kann man argumentieren, dass bei einer Angiographie die Möglichkeit besteht, bei einem pathologischen Befund gleich etwas zu unternehmen. In der Realität erfolgt aber nur in einem geringen Prozentsatz der Fälle im Rahmen der Diagnose auch gleich die Therapie. CT und MRT kosten lediglich 110 bis 130 Euro pro Einzeluntersuchung. Das heißt, man kann pro Untersuchung rund 300 Euro einsparen. Ähnliche Zahlen wurden auch für das Wiener AKH erhoben.

Welche Einsparungen wären demnach an Ihrer Abteilung pro Jahr möglich?
Czembirek: Pro Jahr führen wir in Lainz rund 2.000 Katheterangiographien durch. Man kann davon ausgehen, dass rund die Hälfte davon problemlos durch nichtinvasive Verfahren ersetzt werden könnten. Wenn ich mit einer Einsparung von 300 Euro pro Untersuchung rechne, ergibt das pro Jahr 300.000 Euro. Damit kann man bereits ein CT- oder MRT-Gerät etwa auf Leasingbasis finanzieren, wenn der Kostenträger mitspielt.

Inwieweit finden Ihre Argumente bei den Kostenträgern Widerhall?
Czembirek: Eigentlich ist die Sachlage klar. Wir könnten moderne Diagnostik ohne Kostensteigerung und zum Wohle unserer Patienten betreiben. Das Problem besteht darin, dass unterschiedliche Budgetpositionen betroffen sind: Einsparungen in Geräte zu investieren, erfordert eine unternehmerische Qualität, die ein Krankenanstaltenverbund wohl kaum hat bzw. haben kann. Hinzu kommt, dass der „Instanzenzug“ Jahre dauern kann. Derzeit habe ich jedenfalls den Eindruck, dass die Verantwortlichen des Krankenanstaltenverbundes die Bedeutung der nicht-invasiven Diagnostik noch nicht erkennen. Es werden nur die Gerätekosten gesehen und alternative Verfahren sehr zögerlich in Angriff genommen. Das empfinde ich als frustrierend.

Wie verlässlich sind die nicht-invasiven Verfahren?
Czembirek: Bei entsprechendem Gerätetyp und erfahrenem Personal ist davon auszugehen, dass in rund 10 Prozent die Darstellung des Gefäßbaums suboptimal ist. Aber auch bei der Angiographie gibt es in drei bis fünf Prozent Probleme, etwa wenn man mit dem Katheter eine schwere Stenose nicht überwinden kann oder wenn die Schlängelung des Gefäßes (Kinking) zu stark ist.

Bei welchen Gefäßen stellt die nichtinvasive Diagnostik den Goldstandard dar?
Czembirek: Bei der Carotisdiagnostik sind Ultraschall, MRT und CT der Goldstandard, die invasive Diagnostik ist hier bereits „weg vom Fenster“. Was den Ersatz der Koronarangiographie durch nicht-invasive Techniken betrifft, stehen wir erst am Anfang. Derzeit kann man die ganz feinen Gefäße und die Kollateralisation mit der CT nicht darstellen. Für die nächsten fünf Jahre wird daher die selektive Koronarangiographie der Goldstandard bleiben. Herzmuskel, Ischämien und Shunts können wir bereits heute gut mittels MRT darstellen, wenn das Personal entsprechend ausgebildet ist. Und in der Diagnostik des Aorten-aneurysmas ist die CT die Methode der Wahl.

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Dr. Peter Wallner, Ärzte Woche 1/2002

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