zur Navigation zum Inhalt
 
Radiologie 9. Jänner 2006

Stent bei infrarenalem Aortenaneurysma

Wie sieht der aktuelle Wissensstand zum Thema „Endoluminale Behandlung des infrarenalen Aortenaneurysmas“ aus? Diese Frage beantwortete Dr. Helmuth Mendel, Röntgenordination Dock-Mendel-Lechner an der Wiener Privatklinik Confraternität Josefstadt, im Gespräch mit NETWORK RADIOLOGIE.

Aortenaneursymen sind therapiebedürftig, wenn ihr Durchmesser über fünf Zentimeter beträgt. „Man kann und soll das endoluminale Verfahren PatientInnen über 70 Jahren anbieten, da es im Vergleich zur offenen Operation die schonendere Methode ist und eine deutlich geringere perioperative Mortalität aufweist“, empfiehlt Mendel. Bei jüngeren Patienten ohne relevante Komorbidität sei die offene Operation die Methode der Wahl.

Wie erfolgt die Abklärung der Voraussetzungen?
Mendel: Zur Klärung der Frage, ob beim (Bauch-)Aortenaneurysma eine endoluminale Prothesenbehandlung möglich ist, wird die CT eingesetzt. Mit ihrer Hilfe kann eine Aussage darüber getroffen werden, wie groß der Durchmesser der normalen Aorta ist, ob der Stent problemlos verankert werden kann, keine Thromben und kein Kalk vorhanden sind, wie lang der infrarenale Aneurysmenhals ist (er muss länger als 15 mm sein), wie stark die Angulation ausgeprägt ist und ob die distale Landungszone in der Arteria iliaca communis liegt. Ist dies (auf beiden Seiten) nicht der Fall, drohen Nekrosen im Bereich des Rectums und des M. glutaeus. Weiters wird überprüft, ob auch im Bereich der Beckengefäße Aneurysmen vorhanden sind. Zum Teil wird die Länge der Bauchaorta noch angiographisch mit Hilfe eines graduierten Katheters bestimmt, der im Abstand von jeweils einem Zentimeter Striche aufweist. In unserer Ordination setzen wir dazu aber nur mehr die 64-Zeilen-Multislice-Spiral-CT ein.

Wie wird der Eingriff genau durchgeführt?
Mendel: Der Eingriff wird bei uns praktisch immer unter Spinalan-ästhesie durchgeführt. Vom Chirurgen werden beide Leistenarterien freigelegt, dann erfolgt über ein freigelegtes Gefäß angiographisch die Lokalisation der Nierenarterien. Danach wird ein Katheter eingelegt (24 French), der einen ummantelten Stent enthält. Zur Anwendung kommt ein bimodulares Sytem, die zwei Teile werden endoluminal „zusammengesetzt“. Monomodulare Systeme gibt es auf dem Markt nicht mehr. Nach dem Zurückziehen der Schutzhülle kann sich der erste Stentteil (Aortenteil mit iliakalem Schenkel) entfalten. Er wird suprarenal fixiert. Danach wird die andere Leiste anpunktiert und der zweite Schenkel des Stents anmodelliert. Mittels Kontroll-Angiographie wird überprüft, ob eine Nachdehnung bzw. der Einsatz eines nicht-gecoverten Stents nötig ist. Die Patienten können in der Regel innerhalb von fünf Tagen das Krankenhaus verlassen. Mit der CT wird der Sitz des Stents, Dichtheit und die Perfusion der Nierenarterien überprüft. Weitere Kontrollen wurden früher nach drei, 6 und 12 Monaten durchgeführt, heute wird meist auf die erste Kontrolluntersuchung (nach drei Monaten) verzichtet. In weiterer Folge müssen die Patienten einmal pro Jahr zur Kontrolle.

Welche Komplikationen können auftreten?
Mendel: Hier ist zwischen Früh- und Spätkomplikationen zu unterscheiden. Frühkomplikationen sind vor allem Stent-Fehlplatzierungen, Verletzungen der Beckenetage – eine sehr ernste Komplikation – und distale Embolisationen, die aber sehr selten sind. Spätkomplikationen sind Leaks, Protheseninfekte (selten, aber schwerwiegend), die Migration der Prothese sowie der Verschluss des Prothesenschenkels.

Was sind die wichtigsten Ursachen für die Entwicklung von Endoleaks?
Mendel: Endoleaks können durch eine unexakte Platzierung des Stents, Probleme im Bereich der Verstrebungen, Porosität der Membran, Endotension (der Aneurysmensack schrumpft nicht bzw. wird größer, obwohl keine Leaks nachweisbar sind) sowie sekundär durch eine Reperfusion der Lumbalarterien und der A. mesenterica inf. bedingt sein. Bei Endotension gewinnt übrigens die MRT zunehmend an Bedeutung (Fresh-Blood-Sequenzen).

Wie hoch ist die Reinterventionsrate?
Mendel: Auch wenn die Endoleaks in rund der Hälfte spontan ausheilen, sind bei bis zu einem Drittel der Patienten Reinterventionen nötig.

Dr. Peter Wallner, Ärzte Woche 1/2002

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben