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Radiologie 9. Jänner 2006

Endovaskuläre Therapie von Hirngefäßaneurysmen

Seit Anfang der 90-er Jahre findet die Embolisation des Aneurysmasackes mit endovaskulär über Mikrokatheter eingebrachten, ablösbaren Platin-Mikrospiralen zunehmende Verbreitung. Auf diese Weise können Aneurysmen, die für diese Technik geeignet sind, effizient aus dem Kreislauf ausgeschaltet werden.

Empfehlungen für die Behandlung von Aneurysmen stützen sich auf Ergebnisse bisher publizierter offener Fallserien und auf die randomisierte ISAT-Studie (International Subarachnoid Aneurysm Trial, Oktober 2002), in der die endovaskuläre Aneurysmaembolisation mit ablösbaren Platinspiralen (Coiling) mit dem neurochirurgischen Clipping verglichen wurde, sowie auf die im Juli 2003 publizierte ISUIA-Studie (International Study of Unruptured Intracranial Aneurysms). „Die Eignung eines Aneurysmas für das Coiling wird vor allem durch seine Größe, Form, Beschaffenheit und Lage bestimmt“, fasste OA Dr. Peter Waldenberger, Abt. für Angiographie und Interventionelle NeuroRadiologie, Univ.-Klinik für Radiodiagnostik, Innsbruck, zusammen. „Nach bisherigen Erfahrungen sind kleinere Aneurysmen mit einem Durchmesser von weniger als 10 mm mit einem im Verhältnis zur Weite des Trägergefäßes und des Aneurysmasackes engen Hals besonders günstig im Hinblick auf einen dauerhaften Erfolg der Embolisation, da sie dicht mit Spiralen ausgepackt werden können.“

Fälle mit geringer Okklusion

Eine geringere Okklusionsrate der Embolisation ist bei großen Aneurysmen (10 bis 25 mm) und Riesenaneurysmen (>25 mm) mit weitem Hals im Verhältnis zum Trägergefäß, bei teilweiser Thrombosierung des Aneurysmas mit Einsinken der Spiralen in den Thrombus und Risiko der Rekanalisation sowie bei Aneurysmen im Bereich multipler Abzweigungen, z.B. Trifurkation der Arteria cerebri media, durch die erhöhte Gefahr der Thrombosierung des Trägergefäßes und der inkom­pletten Okklusion des Aneurysmas zu erwarten. Zusätzliche Kriterien, die laut Waldenberger für eine endovaskuläre Behandlung eines sackförmigen Aneurysmas sprechen, sind ein allgemein erhöhtes operatives Risiko, ein erhöhtes Operationsrisiko aufgrund der Lokalisation oder Größe des Aneurysmas, z.B. Aneurysmen des vertebrobasilären Systems oder nach dorsal gerichtete Aneurysmen der A. communicans anterior, ausgedehnte Vasospasmen sowie der vergebliche Versuch, das Aneurysma zu clippen. Eine Indikation durch Okklusion des Trägergefäßes eines rupturierten oder nicht-rupturierten Aneurysmas kann bei fusiformen und aus anderen Gründen nicht selektiv auszuschaltenden Aneurysmen und bei Pseudoaneurysmen infolge Trauma, Infektion, Tumorwachstum oder spontaner Dissektion gegeben sein. Voraussetzung für einen Verschluss des Trägergefäßes unterhalb des Niveaus des Circulus arteriosus Willisii ist der angiographische Nachweis einer ausreichenden kollateralen Blutversorgung. Wenn eine lebensbedrohliche Situation nicht einen sofortigen Gefäßverschluss erfordert, sollte bei unzureichender Kollateralversorgung vor dem Verschluss des Gefäßes ein extra-intrakranieller Bypass angelegt werden.

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