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Radiologie 6. Dezember 2005

Strahlungsfreie Intervention bei Kindern

Die pädiatrische Neuroradiologie hat durch die immer größere Verfügbarkeit der Magnetresonanz-Tomographie an Bedeutung gewonnen. Die Diagnose vieler Erkrankungen, die das kindliche zentrale Nervensystem betreffen, ist damit frühzeitig möglich geworden.

Als Segen für die kleinen Patienten haben sich die Fortschritte in der pädiatrischen Neuroradiologie erwiesen. Durch die Früherkennung von Krankheiten können auch früher entsprechende therapeutische Maßnahmen getroffen werden. So ist es beispielsweise möglich, metabolische Erkrankungen, wie Adrenoleukodystrophie oder Globoidzelldystrophie (M. Krabbe), an Hand eines charakteristischen MR-Erscheinungsbildes (Abb. 1) zu diagnostizieren. Bei rechtzeitiger Diagnose ist eine Therapie mittels Knochenmarkstransplantation möglich.

Perinatale Schädigungen

Perinatale Schädigungen können – falls sie nicht schon mittels fetaler MRT intrauterin erfasst wurden (Abb. 2) – bereits unmittelbar postnatal mittels MRT diagnostiziert werden. An der Wiener Abteilung für Neuroradiologie ist es sogar möglich, diese Untersuchung bei instabilen, intensivpflichtigen Neugeborenen durchzuführen. An der Wiener Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde (Vorstand: Prof. Dr. Arnold Pollak) kann erstmals in Österreich und Europa speziell für diese Untersuchungen ein MR-kompatibler Inkubator erprobt werden. Mit dessen Hilfe können bei Patienten – es handelt sich meist um Frühgeborene ab der 23. Schwangerschaftswoche – nicht nur MR-Bilder des Gehirns angefertigt, sondern auch Aussagen über metabolische Vorgänge mittels MR-Spektroskopie getroffen werden (siehe Abb. 3). Auch beim Management kind-licher Tumore stehen die MR-Methoden im Vordergrund. Sie liefern dem pädiatrischen Neurochirurgen wesentliche Informationen über Lage, Größe, Ausdehnung und Dignität. Postoperativ sind Aussagen über Restläsionen, Therapie-assoziierte Veränderungen und eventuelle Rezidive möglich. Ein weiterer Schwerpunkt der pädiatrischen Neuroradiologie ist die Epilepsiediagnostik (Abb. 4). Auch sie stützt sich auf morphologische, metabolische und funktionelle MR-Methoden. Im Vordergrund steht hier die Darstellung von Malformationen der kortikalen Entwicklung, da die frühe Entfernung dieser Veränderungen nicht nur die epileptischen Anfälle beseitigt, sondern auch eine normale Entwicklung des unreifen Hirns erlaubt. Weiters kann die Indikation zu einer MRT auf Grund der fehlenden Strahlenbelastung großzügig bei zahlreichen kindlichen neurologischen Symptomen eingesetzt werden. MR-Indikationen erstrecken sich von Kopfschmerzen über Bewegungsstörungen, psychomotorische Retardierung, unklare Anfallsgeschehen bis zu familienanamnestisch bekannten Erkrankungen, beispielsweise zere­bralen Aneurysmen.

Sedierung erforderlich

Limitierend wirkt die Notwendigkeit einer Sedierung – meist bei Kindern bis zu 6 Jahren erforderlich –, da für eine MR-Untersuchung 15 bis 30 Minuten geplant werden müssen. Zukünftig wird dieses Problem jedoch in den Hintergrund treten, da mit dem Einsatz von Geräten höherer Feldstärke (3 Tesla), wie sie in Österreich schon vereinzelt zu finden sind, die Untersuchungszeiten abnehmen. Insgesamt können MR-Unter-suchungen etwa 80 Prozent der pädiatrisch-radiologischen Fragestellungen beantworten. Die einzige Ausnahme sind Neugeborene, bei denen die Ultraschalldiagnostik – zumindest als primäre Methode – im Vordergrund steht. Die Computer-Tomographie kommt bei akuten Traumen oder bei Fragestellungen, die knöcherne Strukturen betreffen, zum Einsatz. Je nach Verfügbarkeit ersetzt sie hier das Nativröntgen. Invasive Angiographien erfolgen in erster Linie zur genauen Diagnostik und Therapie zerebraler arteriovenöser Fehlbildungen.

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Ein Beitrag von Prof. Dr. Daniela Prayer,
Klinische Abteilung für Neuroradiologie,
Univ.-Klinik für Radiodiagnostik, AKH-Wien

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