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Radiologie 22. Februar 2016

Das Wissen über Strahlenbelastung ist mangelhaft

Die Strahlenbelastung, die man Patienten bei einer Vielzahl gängiger Untersuchungen zumutet, wird von jungen Ärzten offenbar stark unterschätzt. Das legt zumindest eine Umfrage in einer britischen Klinik nahe.

Abgefragt wurden die effektiven Strahlendosen von 18 verschiedenen bildgebenden Untersuchungen, darunter sehr gängige Verfahren wie das Röntgen von Gliedmaßen, Becken, Abdomen und Wirbelsäule, CT-Untersuchungen von Thorax, Bauch/ Becken, Lungenszintigrafie und Bariumbreischluck. Zwei der Fragen waren Fangfragen: Sie bezogen sich auf MRT und Ultraschall, die gar nicht auf ionisierender Strahlung beruhen. 40 junge Klinikärzte, die sich entweder im sogenannten Foundation Programme befanden oder eine Facharztausbildung absolvierten, hatten den Fragebogen im Beisein der Forscher und ohne Zuhilfenahme externer Quellen bearbeitet.

Nur ein Sechstel der Fragen war richtig

Wie Dr. Chris Poullis und Kollegen vom Princess Royal University Hospital in Kent berichten, wurden im Schnitt nur 17 Prozent der Fragen richtig beantwortet ( Poullis C et al., Journal of Clinical Urology, 3/ 2015 ). Von insgesamt maximal 18 Punkten erreichten die Teilnehmer im Schnitt nur drei Punkte. Der höchste Punktwert, der erzielt wurde, lag bei acht. Insgesamt wurde die effektive Strahlendosis, angegeben jeweils als Röntgen-Thorax-(CXR)-Äquivalent, zwölfmal niedriger eingeschätzt, als es den Tatsachen entsprach.

Am stärksten hatten sich die Jungmediziner bei der Myokard-Szintigrafie (MPI) mit Thallium (TI-201) verschätzt: Hier wurden durchschnittlich 17,5 CXR-Äquivalente angegeben; tatsächlich wirkt jedoch auf den Patienten eine effektive Dosis vom 900-Fachen einer Röntgen-Thorax-Untersuchung ein. Die MPI mit Thallium wird wegen der hohen Strahlenbelastung heute nur noch selten eingesetzt. Große Abweichungen von der Realität zeigten sich aber auch bei der Einschätzung von CT und Röntgen: Beim CT-Abdomen/ Becken lag die Schätzung der Ärzte bei 125; der reale Wert ist aber ein CXR-Äquivalent von 1.000! Für das Röntgen der Lendenwirbelsäule wurde ein Wert von 5 angenommen, während man hier tatsächlich auf 65 CXR-Äquivalente kommt. Beim Röntgen-Abdomen lag der angegebene Wert bei 2,5 (tatsächlich: 35), beim Röntgen-Becken bei 3,5 (statt ebenfalls 35).

Die Fangfrage nach der Strahlenbelastung von MRT und Ultraschall beantworteten 82,5 bzw. 92,5 Prozent korrekt mit „0“. Im Umkehrschluss bedeutet das, immerhin sieben Teilnehmern war offenbar nicht bekannt, dass keines der beiden Verfahren mit ionisierenden Strahlen arbeitet. Was ebenfalls überrascht: Auch die 24 Mediziner, die bereits Kurse in Radiologie absolviert hatten, schnitten mit einem durchschnittlichen Punktwert von 3,17 nicht signifikant besser ab als der Rest. „Wenn man eine bildgebende Untersuchung anfordert, ist es wichtig, dass man auch das damit verbundene Strahlenrisiko richtig einzuschätzen weiß“, sagen Poullis und Kollegen.

springermedizin.de, Ärzte Woche 8/2016

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