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Radiologie 20. April 2015

Grob verschätzt

Die Strahlenbelastung, die man Patienten bei einer Vielzahl gängiger Untersuchungen zumutet, wird von Ärzten offenbar stark unterbewertet.

Das legt zumindest eine Umfrage in einer britischen Klinik nahe (Poullis et al.: J Clin Urol 2015). Abgefragt wurden die effektiven Strahlendosen von 18 bildgebenden Untersuchungen, darunter sehr gängige Verfahren wie das Röntgen von Gliedmaßen, Becken, Abdomen und Wirbelsäule, CT-Untersuchungen von Thorax, Bauch/Becken, Lungenszintigrafie und Bariumbreischluck. Zwei der Fragen waren Fangfragen: Sie bezogen sich auf MRT und Ultraschall, die gar nicht auf ionisierender Strahlung beruhen.

40 junge Klinikärzte hatten den Fragebogen bearbeitet. Im Schnitt wurden nur 17 Prozent der Fragen richtig beantwortet. Von maximal 18 erreichbaren Punkten schafften die Teilnehmer im Schnitt nur 3. Insgesamt wurde die effektive Strahlendosis, angegeben jeweils als Röntgen-Thorax-(Chest X-Ray, CXR)-Äquivalent, zwölfmal niedriger eingeschätzt, als es den Tatsachen entsprach.

Am stärksten hatten sich die Jungmediziner bei der Myokard-Szintigrafie (MPI) mit Thallium (TI-201) verschätzt. Große Abweichungen von der Realität zeigten sich aber auch bei der Einschätzung von CT und Röntgen.

Überraschend: Auch die 24 Mediziner, die bereits Kurse in Radiologie absolviert hatten, schnitten mit einem durchschnittlichen Punktwert von 3,17 nicht signifikant besser ab als der Rest.

springermedizin.de, Ärzte Woche 17/2015

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