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Radiologie 30. März 2006

Versorgung des Gehirns erhalten

Die mangelhafte Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff und Nährstoffen löst einen zerebralen Insult aus. Werden Stenosen im Bereich der Carotiden rechtzeitig beseitigt, kann dies einen Schlaganfall verhindern.

Im Gehirn sind Milliarden von Nervenzellen ständig "in Betrieb"; egal ob im Wach- oder Schlafzustand. Um diese ständige Leistung aufrechterhalten zu können, braucht das Gehirn viel Sauerstoff und andere Nährstoffe über das Blut. Kommt es zu einer plötzlichen Durchblutungsstörung des Gehirns, droht ein Schlaganfall. Dieser kann durch einen Gefäßverschluss oder eine Verletzung eines Blutgefäßes wie Platzen oder Einreißen ausgelöst werden. Die Folgen sind immer die gleichen: die Nervenzellen leiden unter Sauerstoffmangel und gehen zugrunde. Je nachdem wie viele und welche Zellen betroffen sind, kommt es zu unterschiedlichen Auswirkungen: Lähmungen, Taubheitsgefühl, Sprech- oder Sehstörungen, eventuell Verlust der Sprache, Gedächtnislücken, Schwindel.

Bei folgenden Warnsignalen ist an einen drohenden Schlaganfall zu denken:

  • plötzliche Muskelschwäche oder Taubheitsgefühl in Gesicht, Armen oder Beinen
  • Seh- oder Hörstörungen
  • Schwindelgefühl
  • unsicheres Gehen
  • Sprech- und Schluckstörungen
  • bislang unbekannte, plötzlich einsetzende starke Kopfschmerzen.

Diese Beschwerden können manchmal nach kurzer Zeit wieder vorbei sein. Sie sind aber trotzdem gefährlich und verlangen eine dringliche Abklärung. Dazu gehört eine Ultraschall-Untersuchung der Halsschlagadern, um Stenosen rechtzeitig erkennen zu können. Die Beseitigung der Stenosen erfolgt chirurgisch oder - seit einigen Jahren - durch Einsetzen von Stents.

Diese Therapie (Stent-PTA der Arteria carotis) wird seit zirka sechs Jahren von Prof. Dr. Ramazanali Ahmadi auf der Universitätsklinik für Innere Medizin 2, Abteilung Angiographie, im AKH-Wien durchgeführt. Bis zum heutigen Tag wurden über 700 Patienten erfolgreich mit einer Stent-Implantation in die Arteria carotis behandelt. Die Indikationen zur Carotis-Intervention sind in Tabelle 1 angeführt. Im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE berichtet Ahmadi über bisherige  

Nach welcher Methode werden heutzutage Carotis-PTA/Stentimplantationen durchgeführt?

Ahmadi: Die Carotis-PTA/Stentimplantation beginnt mit einer Punktion im Bereich der Leiste mit vorheriger Gabe von Lokalanästhetika, Einlegen einer Schleuse (Katheter), Gabe von 5.000 Einheiten Heparin, danach einer Gabe von 0,5 bis 1 mg Atropin zur Vermeidung einer Bradykardie (siehe Abb. 1).
Bei hochgradigen Stenosen erfolgt eine Vordilatation mit einem 3,5 mm-Ballon, danach wird ein Stent (selbstexpansiver Stent wie Wall-Stent oder Accu-Link-Stent) implantiert, darauf erfolgt eine Nachdilatation mit einem 5 mm- oder 6 mm-Ballon. Seit etwa sechs Monaten verwenden wir bei der Stent-PTA zur Vermeidung von Mikroembolien ein Protection-Device (Filter).

Die primäre technische Erfolgsrate liegt bei 98 Prozent, bei 2 Prozent konnte wegen massiver Knickungen (Kinking) oder starker Gefäßverkalkungen im Bereich der Halsschlagader keine Stent-PTA durchgeführt werden.

Welche Komplikationen können im Rahmen der Carotis-PTA / Stentimplantation auftreten?

Ahmadi: Die gesamte Komplikationsrate (Major Stroke und 30-
Tage-Mortalität), beträgt 1,3 Prozent. Die Rezidivstenosen betragen zirka 3 Prozent und traten innerhalb der ersten sechs Monate auf. Mit Hilfe der farbkodierten Duplex-sonographie werden die Rezidivstenosen diagnostiziert und neuerlich mit einer Stent-PTA behandelt. 

Welche medikamentöse Therapie ist nach einer Carotis-PTA/Stentimplantation notwendig?

Ahmadi: Die Patienten erhalten als Thrombozytenfunktionshemmer Aspirin 100 mg einmal 1 Tablette täglich (z.B. Thrombo ASS® 100 mg) durch einen Monat und, parallel dazu, Clopidogrel 75 mg (Plavix®) 1-mal täglich für ein Jahr.

Wie sieht die Nachbetreuung der Patienten aus, bei denen eine Carotis-PTA/Stentimplantation durchgeführt wurde?

Ahmadi: Die Patienten werden am Anfang nach ein, drei, sechs und zwölf Monaten mit farbkodierter Duplexsonographie kontrolliert, danach jährlich.

Welche Argumente sprechen für die Carotis-PTA/Stentimplantation?

Ahmadi: Die Carotis-PTA/Stentimplantation kann mit einer ausreichend hohen technischen Erfolgsrate durchgeführt werden. Die Vorteile für die Patienten sind der kleine Eingriff und der kurze Spitalsaufenthalt. Die Komplikationsrate ist - im Vergleich zur Carotis-Operation (TEA) - vertretbar. Dies gilt vor allem für die Behandlung älterer Patienten, weil bei diesen Patienten das Operationsrisiko viel höher ist als bei Patienten unter 65 Jahren.

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