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Radiologie 30. März 2006

Uterusmyome in Radiologen-Hand

Uterusmyome sind die am häufigsten beobachteten Tumore im weiblichen Genitalbereich. Myome sind gutartige Tumore, die in der Mehrzahl keine Behandlung erfordern. Beim Auftreten von Symptomen, wie abnorme Blutungen oder Schmerzen, oder bei Beschwerden, die durch einen raumfordernden Effekt auf Nachbarorgane (Blase und Rektum) entstehen, wird in der Regel die Indikation zur Behandlung gestellt.

Diagnose eines Myoms

Die Diagnose eines Myoms wird durch eine gynäkologische Untersuchung in Kombination mit einer Ultraschalluntersuchung gestellt. Im Rahmen dieser Untersuchungen werden andere Ursachen für die einleitend genannten Beschwerden ausgeschlossen. Je nach Ausprägung der Symptome stehen folgende Behandlungsoptionen zur Verfügung:

  • die konservativ-medikamentöse Behandlung,
  • die operative Entfernung oder 
  • seit etwa vier Jahren die endovaskuläre Therapie.

Die operative Therapie gilt derzeit als Standardtherapie für symptomatische Myome. Die Hysterektomie ist das am häufigsten eingesetzte operative Verfahren. Die perioperative Komplikationsrate wird in den verschiedenen Publikationen mit einer Bandbreite von 0,5 bis 43 Prozent angegeben.
Die endovaskuläre Therapie hat in den letzten Jahren zunehmend an Popularität gewonnen, da sie weniger invasiv ist als die operativen Verfahren und nach bisherigem Kenntnisstand eine niedrigere Komplikationsrate aufweist. Ins-besondere in den USA, Großbritannien und Frankreich wurden bereits mehrere tausend Patientinnen behandelt.

Internet und Literatur

Im Internet finden sich ca. 1.000 Eintragungen zum Thema "Myom und Embolisationstherapie". Eine Literaturrecherche zu diesem Thema ergibt 204 Literaturzitate in renommierten Fachzeitschriften, das heißt es handelt sich bei der endovaskulären Therapie um eine gut untersuchte und weltweit erfolgreich praktizierte Behandlungsmethode, die zunehmend Akzeptanz findet. Eine offizielle Zulassung durch die FDA wird in naher Zukunft erwartet.

Details der Technik

Die Technik der endovaskulären Myombehandlung beinhaltet eine perkutane Punktion einer Femoralarterie. Über diesen Zugang wird die Arteria uterina beidseits sondiert. Die angiographische Darstellung zeigt Myome als stark vaskularisierte Knoten, die aus Seitästen der A. uterina versorgt werden. Nach erfolgreicher Katheterisierung der myomversorgenden Arterien werden diese durch Injektion von Kunststoffpartikeln verschlossen. Das Einschwemmen der Kunststoffpartikel erfolgt unter Durchleuchtungskontrolle. Die Embolisation wird beendet, wenn es zu einer deutlichen Flussverlangsamung in den zuführenden Arterien kommt. Zur Schmerzkontrolle wird die Embolisation in Neuroleptanalgesie oder Periduralanästhesie durchgeführt.

Vor der endovaskulären Therapie wird eine MR-Untersuchung des Beckens zur Lokalisation des Myoms und zur Bestimmung der Größenausdehnung angefertigt. Mittels MR-Untersuchungen wird auch der Erfolg der Behandlung (Schrumpfung des Myoms) verfolgt und objektiviert. Die Vorteile der endovaskulären Behandlung von Uterusmyomen wurden in mehreren Studien untersucht. In einer aktuellen Untersuchung der McGill-University in Montreal, Kanada, war die endovaskuläre Therapie mit den niedrigsten Behandlungskosten und dem kürzesten stationären Aufenthalt verbunden. In dieser Studie wurde die endovaskuläre Therapie mit der Myomektomie und abdominalen Hysterektomie bei 555 Frauen verglichen. In mehreren Fallstudien konnte eine Erfolgsrate hinsichtlich Blutung und Größenabnahme von 85 bis 90 Prozent nachgewiesen werden. Ungefähr 80 Prozent der behandelten Frauen konnten nach drei Tagen wieder normal aktiv sein, nach 10 Tagen waren 90 Prozent der Frauen wieder beschwerdefrei.

Prospektive Studien laufen

Derzeit laufen drei große prospektive Studien, die die Behandlungsergebnisse von endovaskulärer Therapie und Operation vergleichen. Zwei US-Studien wurden bereits abgeschlossen und bilden die Datengrundlagen für das beantragte Bewilligungsverfahren bei der FDA. Im Register der amerikanischen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie wurden bereits mehr als 2.000 Behandlungsfälle gemeldet, eine abschließende Datenanalyse liegt noch nicht vor.

Die Mortalität der endovaskulären Therapie liegt nach Literaturangaben zwischen 0,02 bis 0,1 Prozent (Hysterektomie ungefähr 0,6%). Die endovaskuläre Therapie kann zu folgenden Komplikationen führen:

  • vaginaler Abgang von nekrotischen Myomanteilen
  • Komplikationen in Zusammenhang mit der Angiographie (allergische Reaktionen, Hämatombildung etc.)
  • Postembolisations-Syndrom (Fieber, Schmerzen, Übelkeit, Krankheitsgefühl)
  • Superinfektion
  • Infertilität (1 bis 15%) wahrscheinlich wegen akzidenteller Embolisation der A. ovarica
  • sekundäre Hysterektomie (0,7 bis 10%).

Hohe Patientenzufriedenheit

Die Patientenzufriedenheit mit der endovaskulären Therapie von Uterusmyomen ist in allen Studien hoch. Der kurze Krankenhausaufenthalt und die kurze Erholungsphase nach der Behandlung können die Kosten für die Behandlung und für die Allgemeinheit (kurze Phase der Arbeitsunfähigkeit) reduzieren. Eine abschließende Bewertung ist derzeit jedoch noch nicht möglich.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die endovaskuläre Behandlung von Uterusmyomen eine vielversprechende Alternative zu den bisher gängigen operativen Behandlungsverfahren darstellt. Die derzeit laufenden Studien werden zeigen, ob die bisher dokumentierten Vorteile dieser neuen Methode auch in randomisierten, prospektiven Studien nachgewiesen werden können. Bis zum Vorliegen von definitiven Ergebnissen sollte eine Behandlung deshalb nur unter kontrollierten Bedingungen erfolgen.

Hinweis zur Literatur: Da die Entwicklung in diesem Bereich sehr rasch voranschreitet, wurden alle Daten und Literaturzitate aus der online zugänglichen Datenbank des Canadian Coordinating Office for Health Technology Assessment (CCOHTA) entnommen. Die Datenbank und die unten genannte Publikation sind unter der Adresse www.ccohta.ca allgemein zugänglich.
Die wichtigsten Daten und Literaturhinweise finden sich in der Publikation: Issues in Emerging Health Technologies No. 36, August 2002: Uterine Artery Embolization for the Treatment of Fibroids.

Kontaktadresse: Prof. Dr. Werner Jaschke, Vorstand der Universitätsklinik für Radiodiagnostik ( (auch Patienteninformationen werden angeboten)

W. Jaschke, P. Waldenberger, Ärzte Woche 44/2000

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