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Radiologie 30. März 2006

Ein neues Kontrastmittel für die Leber

"In Verbindung mit einem modernen leberspezifischen Kontrastmittel ist die MRT heute jedem anderen Verfahren bei der Detektion von Läsionen in der Leber sowie ihrer Charakterisierung und Differenzierung überlegen", so Prof. Dr. Thomas Vogl, Universität Frankfurt. Dabei war das Abdomen für die MRT lange Zeit ein Problem-bereich, denn die relativ langsame Datenakquisition wurde durch die Herz- oder Atembewegungen erheblich gestört. Durch Verkürzung der Aufnahmezeiten, Atemtriggerung und neue Kontrastmittel konnte das Verfahren aber deutlich verbessert werden.

Reduzierter Aufwand in Zubereitung und Anwendung

Allerdings waren die leberspezifischen Kontrastmittel früher in der Zubereitung und Anwendung sehr aufwändig. Mit Resovist® steht nun seit Herbst 2002 ein Leberkontrastmittel in Fertigspritzen zur Verfügung, das im Bolus injiziert werden kann. Ein Vorteil des neuen Produkts liegt darin, dass in einem Untersuchungsgang bereits nach zehn Minuten die Aufnahmen zur Detektion gemacht werden können. In der Zwischenzeit können wie mit einem unspezifischen Gadolinium-Kontrastmittel dynamische Sequenzen zur Charakterisierung der Läsionen akquiriert werden. Insgesamt ist eine umfassende Untersuchung der PatientInnen innerhalb von 20 bis 30 Minuten möglich.

Superparamagnetische Wirkung

Resovist® gehört zu den super-paramagnetischen Kontrastmitteln und besteht aus kleinsten Eisenoxid-Partikeln, die in den Kupffer?chen Sternzellen der Leber und anderen Zellen des retikuloendothelialen Systems angereichert werden. Durch die starke superparamagnetische Wirkung der Partikel erscheint gesundes Lebergewebe in der MRT-Bildgebung dunkler ("Schwarzmacher-Effekt"), während Veränderungen an der Leber, die keine Kupffer?chen Sternzellen enthalten (z.B. Metastasen), unverändert hell bleiben.

Bessere Diagnostik durch deutlich verstärkten Kontrast

"Gegenüber anderen Verfahren wird der Kontrast zwischen gesundem Lebergewebe und fokaler Läsion deutlich verstärkt", betont Prof. Dr. Peter Reimer, Klinikum Karlsruhe. Maligne Tumoren von unter einem Zentimeter Durchmesser können so wesentlich besser entdeckt werden, und größere Tumoren lassen sich eher vom umgebenden Gewebe abgrenzen. Auch das Erkennen kleiner Metastasen auf der Leberoberfläche wird besser möglich.

Da Resovist® als Bolus injiziert werden kann, können darüber hinaus auch dynamische MRT-Untersuchungen zur Charakterisierung der Läsionen durchgeführt werden. So beobachtet man beispielsweise bei den Hämangiomen ein typisches Einfluten des Kontrastmittels von innen nach außen (Irisblenden-Phänomen). Generell ist in den meisten Fällen eine eindeutige Unterscheidung von malignen und benignen Veränderungen möglich. Dies ist von großer Bedeutung, da laut Literatur bei 25 bis 50 Prozent der Bevölkerung gutartige Läsionen an der Leber auftreten.

Am häufigsten sind dabei Hämangiome, am zweithäufigsten fokale noduläre Hyperplasien (FNH). Zysten finden sich bei rund 10 Prozent der Bevölkerung. Hepatische Adenome sind an sich gutartig, werden aber meist entfernt, weil sie maligne degenerieren können. Allen benignen Läsionen ist gemeinsam, dass sie häufiger bei Frauen als bei Männern auftreten. Resovist® hat sich in der klinischen Entwicklung als gut verträglich erwiesen. Rückenschmerzen treten deutlich seltener auf als bei älteren eisenhaltigen Kontrastmitteln. Die in Resovist® enthaltene Eisenmenge entspricht etwa einem Prozent des normalen Eisengehalts des Körpers oder jener Menge, die mit der Nahrung in zwei bis drei Tagen aufgenommen wird. Ein weiterer Vorteil der neuen Substanz besteht darin, dass sie auch bei Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion eingesetzt werden kann. 

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