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Radiologie 29. März 2006

Risikoprävention in der Sportmedizin

Durch die stetige Zunahme des Breitensports und die höher werdenden Anforderungen im Spitzensport steigen Zahl und Ausprägungsgrad von Sportverletzungen und Sportschäden. Dabei hat sich auch die Rolle der bildgebenden Diagnostik in den vergangenen Jahren gewandelt.

Heute sind es vor allem Sehnen- und Muskelverletzungen sowie Läsionen der Binnenstrukturen der Gelenke, die das Gros an Sportverletzungen ausmachen. Das Faszinierende an modernen radiologischen Verfahren ist, dass damit Gewebeschäden nicht nur erkannt, sondern auch quantitativ eingeschätzt werden können. In einzelnen Fällen stehen dem Arzt sogar prognostische Parameter im Hinblick auf relevante Funktionseinbußen zur Verfügung.

Typische Muster vonÜberlastungs-Syndromen

Eine Sportverletzung wird heute nicht mehr als plötzliches Ereignis angesehen, sondern als Endzustand einer manchmal kaskadenartig ablaufenden Folge von Lebens- bzw. Sportgewohnheiten und damit einhergehenden Fehlbelastungen sowie spezifischen Gewebeschäden. Besonders mit der Sonographie und der Magnetresonanztomographie können typische Muster solcher Überlastungssyndrome in vielen Fällen sehr gut erfasst werden.
Ein Beispiel sind Tendinosen der Achillessehne, die mit beiden Methoden sehr genau erfasst werden können. Tendinosen entstehen als Folge einer Peritendinitis und können in weiterer Folge zur Sehnenruptur führen. Inwieweit der Nachweis einer Tendinose Auswirkungen auf die Ausübung einer bestimmten Sportart hat, ist eine Frage der individuellen Gestaltung des Trainingsplans. Ein zukünftiges Ziel sollte es jedoch sein, die radiologische Dokumentation vermehrt nicht nur zur Therapie, sondern auch zur Prävention heranzuziehen. Wegen des konstant raschen technologischen Fortschritts in der Radiologie ist es meist zu teuer, allgemein akzeptierte Standards, die dann oft nur von kurzer Dauer sind, festzulegen. Sportmedizinische Fachgesellschaften spielen sicher eine wesentliche Rolle bei der Konsensfindung, was State-of-the-Art ist – einer nötigen Voraussetzung für die Etablierung von Standards. In Österreich haben die Verantwortlichen der GOTS (Gesellschaft für Orthopädie, Traumatologie und Sportmedizin) in den vergangenen Jahren diesbezüglich sehr wertvolle Arbeit geleistet.
Mit der Sonographie können Tendosynovitiden oder Flüssigkeitsansammlungen in Gelenken, Bursen und Sehnenscheiden sehr gut dargestellt werden. Der große Vorteil liegt in der verlässlichen Ausschlusskraft derartiger pathologischen Veränderungen, wenn die anatomischen Verhältnisse gut beurteilbar sind. Voraussetzung sind hochauflösende Geräte mit Schallkopffrequenzen von mindestens 10 MHz. Auch bietet die Sonographie die Möglichkeit der dynamischen Untersuchung wie kaum ein anderes bildgebendes Verfahren. Besonders bei der Rotatorenmanschette der Schulter ist die dynamische Darstellung in Außen- und Innenrotation bzw. Retroversion ein wichtiger Teil der Standarduntersuchung. Limitationen der Sonographie ergeben sich daraus, dass nur oberflächliche Strukturen artefaktfrei darstellbar sind, dass die Kontrastauflösung gegenüber der MRT geringer ist und dass eine Real-time-Untersuchung auf statischen Bildern nur partiell dokumentiert werden kann. Daher ist die Sonographie ein ausgezeichnetes Verfahren zur Primärdiagnostik, zur weiterführenden Abklärung jedoch in vielen Fällen nicht geeignet.

Stärken der MRT

Der enorme Wert der MRT liegt in der Sportmedizin darin, dass alle Gewebestrukturen der zu untersuchenden Region beurteilbar sind, so dass Kombinationsschäden in ihrer klinischen Bedeutung besser abgeschätzt werden können. Klassisches Beispiel sind Kniegelenksverletzungen oder die repetitive leichte Hyperpronation des Rückfußes bei Läufern, die typischerweise mit einer Überlastung der Tibialis-posterior-Sehne und der Achillessehne sowie einem Gelenkerguss und einer Knochenkontusion („bone bruise“) im Sprunggelenk einhergehen kann. Der Begriff „Sehnenüberlastungs-Syndrom“ erscheint hilfreich bei der Beschreibung und Spezifizierung des stadienhaften Ablaufs der Sehnendegeneration bis zur Ruptur. Unser Ziel muss es hier sein, die intrinsischen Risikofaktoren und den Schweregrad einer Tendinose so exakt wie möglich zu erfassen.
Auch bei Knorpelläsionen, z.B. der Meniskusruptur, ist ein stadienhaftes Schädigungsmuster zu beobachten und Abnormitäten sind auf MRT-Bildern lange vor arthroskopisch nachweisbaren Oberflächendefekten festzustellen. Bei jugendlichen asymptomatischen Basketballspielern können an der Patella Knorpelulzera beobachtet werden. Da die Versorgung mit CT- und MRT-Geräten österreichweit auch im niedergelassenen Bereich sehr gut ist, kann eine deutliche Verbesserung bei der Frühdiagnostik von sportbedingten Überlastungsschäden und Verletzungen erwartet werden.

Prof. Dr. Franz Kainberger, Ärzte Woche 41/2001

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