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Radiologie 29. März 2006

Isoosmolare Kontrastmittel schützen Patienten vor einer Nephropathie

Bei Patienten, die unter Diabetes und einer eingeschränkten Nierenfunktion leiden, kommt es, bei diagnostischen Verfahren mit Kontrastmitteleinsatz, in bis zu 50 Prozent der Fälle zu einem Nierenversagen. Internationale Experten diskutierten im Rahmen des 16. European Congress of Radiology in Wien, wie man Risikopatienten optimal vorbereitet und möglichst schonend untersucht.

Eine im Vorjahr veröffentlichte Arbeit konnte zeigen, dass die Verwendung von isoosmolaren Kontrastmitteln, wie Iodixanol, bei Risikopatienten das Auftreten der Kontrastmittel-induzierten Nephropathie (CIN – contrast media induced nephropathy) deutlich reduzieren kann. An der NEPHRIC-Studie (Nephrotoxicity in High-Risk Patients-Study) nahmen 129 Patienten teil, die an Diabetes mellitus litten und ein Serumkreatinin von 1,5 bis 3,5 mg/dl aufwiesen.
Die Patienten mussten sich einer Angiographie unterziehen. Hauptendpunkt der Studie war der maximale Anstieg des Serumkreatinins innerhalb der ersten drei Tage nach der Angiographie. Eine Gruppe erhielt das isoosmolare Kontrastmittel Iodixanol, die andere das niederosmolare Iohexol. Im Ergebnis zeigte sich drei Tage nach Kontrastmittelgabe in der Iohexolgruppe ein Anstieg des Serumkreatinins um 0,55 mg/dl, in der Iodixanol-Gruppe dagegen nur um 0,13 mg/dl.„Unter Iodixanol sank die CIN-Häufigkeit um fast 90 Prozent“, fasste Studienautor Prof. Dr. Peter Aspelin, Vorstand der Abteilung für Radiologie am schwedischen Karolinska-Institut, die Studienergebnisse im Rahmen eines vom nor-wegischen Pharmaunternehmen Amersham veranstalteten Satelliten-Symposiums zusammen.

So viel wie nötig, so wenig wie möglich

„Isoosmolare Kontrastmittel, wie etwa Iodixanol, stellen einen Fortschritt für Risikopatienten dar“, sagt auch Prof. Mark Downes, ärztlicher Direktor und Vorstand des Institutes für Radiologie am Kent and Canterbury Hospital im britischen Canterbury. „Aber bereits die Verwendung eines Kontrastmittels stellt für einen solchen Patienten ein Risiko dar.“ Die European Society of Urogenital Radiology (ESUR) hat deshalb eine Reihe von Richtlinien herausgegeben, die bei Risikopatienten mit einem Serumkreatinin zwischen 130 und 300 mol/ml maximal 150 ml Kontrastmittel und für Patienten mit höheren Werten eine maximale Dosis von 60 bis 100 ml Kontrastmittel vorschreibt.„Eine existierende Nierenfunktionseinschränkung erhöht das CIN-Risiko um das 20-fache“, erläuterte Prof. Dr. Fulvio Stacul, Vorstand der Ultraschall-Abteilung des Institutes für Radiologie an der Universität von Triest. Bis auf 50 Prozent steigt das Risiko, wenn der Patient zusätzlich an Diabetes mellitus leidet.

Bekannte Risikofaktoren

Um einen Risikopatienten zu identifizieren, sollte – bei einer entsprechenden Vorgeschichte – vor Kontrastmittelgabe der Serumkreatininwert festgestellt werden. Weitere Risikofaktoren, auf die geachtet werden sollte, sind ein Lebensalter über 70 Jahre, eine bestehende Herzinsuffizienz, Dehydrierung und die gleichzeitige Verwendung nephrotoxischer Medikamente.

Optimale Vorbereitung mit ausreichender Hydrierung

Neben der Feststellung des Serumkreatinins empfiehlt Stacul vor Kontrastmittelanwendung die ausreichende Hydrierung der Patienten: „Man sollte vier Stunden vor und bis 24 Stunden nach der Untersuchung stündlich 100 ml Flüssigkeit verabreichen.“ Dies entspricht auch den Guidelines der ESUR, die weiters empfiehlt, bei Risikopatienten isoosmolare Kontrastmittel wie etwa Iodixanol zu verwenden und die Einnahme von nephrotoxischen Medikamenten für einen Zeitraum von 24 Stunden einzustellen.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 41/2001

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