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Radiologie 29. März 2006

Kardiale Ereignisse richtig einschätzen

Hochauflösende, ultraschnelle MR-Techniken in Kombination mit Blood Pool Agents, wie USPIO, erleichtern die Entdeckung, Charakterisierung und Behandlung von atherosklerotischen Erkrankungen und ischämischen Ereignissen. Insbesondere bei der kardialen Perfusionsabbildung und dem Aufspüren instabiler Plaques konnten in letzter Zeit große Fortschritte erzielt werden.

Das Herz stellt eine morphologische und funktionelle Organeinheit dar, für deren Abbildung kurze Aufnahmezeiten mit schneller Bildfolge und hohem räumlichen und Kontrastauflösungsvermögen notwendig sind.„Moderne bildgebende Verfahren in Verbindung mit innovativen Kontrastmitteln erleichtern zunehmend Diagnose und Charakterisierung kardialer Ereignisse“, erklärte Prof. Dr. Rainer Rienmüller, Vorstand der Univ.-Klinik für Radiologie an der medizinischen Universität Graz, im Rahmen eines Satelliten-Symposiums des Unternehmens Guerbet beim Europäischen Radiologenkongress im März in Wien. Auch die Früherkennung, beispielsweise im Bereich der Entdeckung instabiler atherosklerotischer Plaques, hat sich verbessert (siehe Interview oben mit Prof. Dr. Rainer Rienmüller).

Instabile Plaques entdecken

So zeigt eine Arbeit der holländischen Radiologin Dr. Eline Kooi vom Cardiovasculare Research Center in Maastricht, dass MRI in Verbindung mit dem Blood Pool Agent USPIO (Ultra Small Superparamagnetic Particel of Iron Oxid = Sinerem) bei der Entdeckung von instabilen Plaques hilft: „USPIO reichert sich in erster Linie in bereits rupturierten oder zur Ruptur neigenden Plaques an, was im MRI zu reduzierten Signalen führt“, erklärt Kooi. Im Ergebnis der Studie zeigte sich, dass „MRI in Verbindung mit USPIO eine vielversprechende Methode für die In-vivo-Entdeckung atherosklerotischer Plaques ist“, so Kooi.
Auch die bildliche Darstellung der Gewebedurchblutung des Myokards kann als „Frühwarnsystem“ dienen. Die Perfusionsabbildung des Myokards kann dazu verwendet werden, um Durchflussstörungen als Hinweise auf ischämische Ereignisse zu visualisieren. „Pathologische Veränderungen treten häufig bereits auf, bevor es morphologische Veränderungen gibt“, sagt Dr. Charles André Cuenod von der radiologischen Abteilung im Hopital Européen George Pompidou in Paris. „Mittels Bolusinjektion eines Blood Pool Agents, wie etwa Gd-DTPA (Gadomelitol DCI = Vistarem), kann die Myokardperfusion im ‚first pass’ beurteilt werden“, sagt Cuenod. Gd-DTPA ist ein extrazelluläres Kontrastmittel, das bereits während des „first pass“ aus den Kapillaren ins Interstitium diffundiert. Es führt im normal durchbluteten Herzmuskel zu einer erhöhten, im bereits vorgeschädigten Myokard zu einer niedrigeren Signalintensität.

Infarktrisiko früh erkennen

Das Kontrastmittel ermöglicht dabei eine quantitative Messung der Myokardperfusion. Dies erlaubt es, Infarktrisiken früher zu erkennen und Infarktschäden genauer zu quantifizieren.„Die Untersuchung erleichtert letztlich auch die Therapieentscheidung nach einem ischämischen Ereignis“, sagt Cuenod, „weil sie uns zeigen kann, ob eine Gefäßaufdehnung Erfolg haben wird oder eben nicht.“

Sabine Fisch, Ärzte Woche 41/2001

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