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Radiologie 29. März 2006

Ein Schritt zurück bedeutet weniger Strahlenbelastung

Der Schutz vor möglicherweise schädlichen Strahlenbelastungen durch bildgebende Verfahren und die maximale Reduktion der Strahlen-Dosis sind in allen EU-Staaten sowohl für Behandler als auch Patienten zu gewährleisten.

Strahlenschutz und eine möglichst niedrige Dosierung potenziell schädlicher Strahlen gehören in der radiologischen Fachwelt noch immer zu den Top-Themen. Dies insbesondere in Europa, wo die EU- Direktive Euratom 97 vorschreibt, dass die jeweils niedrigst mögliche Dosierung zu verwenden ist. Praktische Ratschläge, wie das Prinzip „ALARA“ (As Low as Reasonably Achievable - So niedrig wie vernünftigerweise möglich) eingehalten und trotzdem maximale Bildqualität erreicht werden kann, gaben Experten beim ECR 2004.

Risikofaktor Intervention

Zu den höchsten Strahlenbelastungen für Patienten und medizinisches Personal kommt es, da sind die Experten einig, im Bereich der interventionellen Radiologie. „Hier gilt ein klares Prinzip“, sagte Prof. Eliso Vano, Radiologe am San Carlos Universitätsspital in Madrid. „Je niedriger wir die Strahlenbelastung beim Patienten halten können, umso niedriger ist auch die Belastung für das Personal.“
Zur Dosisreduktion empfiehlt der spanische Experte unter anderem, wann immer möglich, einen niedrigen Durchleuchtungs-Modus zu verwenden oder 80 Zentimeter vom Isozentrum, dem Zentrum des Strahlenfeldes, entfernt zu arbeiten anstatt der üblichen 40 Zentimeter. Das könne die Strahlenbelastung bereits auf ein Viertel der üblichen Dosis reduzieren. Eine Faustregel wäre: „Ein Schritt zurück bedeutet eine doppelte Abnahme der Strahlenbelastung.“
„Interventionelle bildgebende Verfahren werden immer häufiger eingesetzt“, so Vano. „Wenn wir diese Verfahren evaluieren, müssen wir nicht nur ihren therapeutischen Nutzen in Betracht ziehen, sondern immer auch die Strahlendosierung mit ins Kalkül ziehen.“ Seine Fachkollegen ruft der Experte zur verstärkten Fortbildung im Strahlenschutz auf: „Wer gut über die Vermeidung von Strahlenbelastungen informiert ist, schützt damit nicht nur seine Patienten besser, sondern schafft sich auch gesündere Arbeitsbedingungen.“

Digitale Technologien minimieren Belastung

Einen wichtigen Beitrag zur Minimierung von Strahlenbelastungen könnten digitale bildgebende Technologien leisten, wenn sie optimal eingesetzt werden, sagte beim Europäischen Radiologenkongress Prof. Jan Persliden, Ordinarius für Medizinische Physik an der Universitätsklinik Örebro, Schweden. Die breite und ständig wachsende Palette von digitalen Detektoren in der radiologischen Bildgebung schaffe einen größeren Spielraum für die Verwendung von Bildern, als dies bei der klassischen Filmtechnologie der Fall war. „Einer der entscheidenden Vorteile der digitalen Bildgebung ist vor allem die Vermeidung von häufigen Wiederholungen der Aufnahme. Das reduziert die Strahlenbelastung für Patienten und Personal enorm“, betonte Persliden.

Quelle: Press Office ECR 2004,
Bettschart & Kofler Medien- und
Kommunikationsberatung

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