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Radiologie 29. März 2006

Besseres Verständnis für Lungenschäden

„Rauchen kann tödlich sein.“ Was seit ein paar Monaten auf allen Zigarettenpackungen steht, ist nicht neu. Doch spezialisierte bildgebende Verfahren können wichtige Hinweise für ein besseres Verständnis liefern, welche umfassenden Schäden das Rauchen verursacht.

Moderne bildgebende Verfahren eröffnen jetzt neue Erkenntnisse in der Lungendiagnostik: Die volle Komplexität von Schäden, die durch Zigarettenkonsum in den Atemwegen verursacht werden, und der detaillierte Zusammenhang zwischen den verschiedenen krankhaften Veränderungen lässt sich präzise darstellen. Der Beitrag bildgebender Verfahren zu Diagnose und Therapie von Lungenerkrankungen war eines jener Themen, die am Europäischen Radiologenkongress in Wien behandelt wurden.

Unbekannte Schädigungen

Der Zusammenhang zwischen Tabakkonsum und Lungenkrebs oder chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) ist mittlerweile wissenschaftlich sehr detailliert belegt. Weit weniger klar war bisher, wie weit die Gesundheitsgefährdung durch Zigaretten über Tumore und COPD hinausgeht. Viele Raucher entwickeln auch andere gefährliche Erkrankungen des Respirationstrakts, die sich als Ursache für schwere Erschöpfungssymptome erweisen und im Einzelfall auch tödlich sein können.
Neue bildgebende Verfahren spielen eine wichtige Rolle bei der Identifizierung all dieser Beschwerden. Einen besonderen Beitrag liefert hier die hochauflösende Computertomographie (CT), die viel präzisere Darstellungen der Lunge liefern kann als herkömmliches Röntgen. Durch serielle Darstellungen lassen sich mit der innovativen Methode nicht nur krankhafte Veränderungen in einem bestimmten Zeitablauf verfolgen, sondern die Radiologen erhalten auch sehr präzise Hinweise, wie erfolgreich eine Therapie den Krankheitsverlauf beeinflusst oder welche Auswirkungen Veränderungen im Raucherverhalten zeigen.

Neue Erkenntnisse

„Hochauflösende CT ist besonders hilfreich, um interstitielle Lungenerkrankungen zu erkennen“, sagt Prof. David Hansell, Radiologe am Royal Brompton Hospital in London. Die „klassischen“ Lungenbeschwerden, die mit Raucherschäden in Verbindung gebracht werden, wie Emphyseme oder chronische Bronchitis, seien in der radiologischen und pathologischen Literatur gut dokumentiert. „Aber die neuen Erklärungen für diffuse Lungenbeschwerden beruhen alle auf den neuen Erkenntnissen durch hochauflösende CT und nicht mehr, wie früher, auf der Analyse kleiner Gewebsproben aus einer Biopsie“, so der britische Experte. Die so genannte Bronchiolitis mit interstitieller Lungenerkrankung (RB-ILD) und ihre typischen Anzeichen, wie sehr kleine Knoten oder eine gewisse Gewebeverdichtung, ist unter Rauchern weit verbreitet und konnte mit herkömmlicher CT bisher kaum erkannt werden. „Wenn man mit den neuen Methoden Raucher kritisch untersucht, wird man erkennen, dass bis zu einem Drittel von ihnen solche diffusen Abnormalitäten aufweisen“, rechnete Hansell vor.

Zusammenhänge verstehen

Als besonders geeignet hat sich die hochauflösende CT erwiesen, um die Zusammenhänge und Überschneidungen zwischen verschiedensten krankhaften Veränderungen der Lunge zu verstehen und zu identifizieren. Hansell: „Es stellt sich nun heraus, dass ein Patient mehrere Krankheitsbilder in ganz unterschiedlichen Stadien der Entwicklung gleichzeitig haben kann, die alle auf das Rauchen zurückzuführen sind. Solche Kumulationen kommen viel häufiger vor, als wir das bisher geahnt haben.“ Weitere Studien in diesem Bereich werden wahrscheinlich auch auf das Krankheitsmanagement und Behandlungsstrategien Auswirkungen haben. „Wir erwarten neue hochinteressante Einsichten, etwa über die Zusammenhänge verschiedener krankhafter Veränderungen der Lunge oder zum Beispiel, wie sich Krankheiten in unterschiedlichen Teilen der Lunge unterschiedlich entwickeln. Wir haben hier noch lange nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft.“

Quelle: Press Office ECR 2004,
Bettschart & Kofler Medien- und
Kommunikationsberatung

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