zur Navigation zum Inhalt
 
Radiologie 29. März 2006

Moderne MR verbessert die Epilepsie-Diagnostik

Der Beitrag moderner bildgebender Verfahren zur Darstellung von Prozessen im Gehirn und zur Erklärung von neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen war eines der aktuellen Themen beim Europäischen Radiologenkongress in Wien. Qualitativ hochwertige Bilder verschiedener Gehirnregionen können die Diagnose der Epilepsie verbessern.

Noch vor zehn Jahren war es auch mit den modernsten damals verfügbaren Magnetresonanz-Verfahren (MRT) nicht möglich, strukturelle Veränderungen oder Funktionsstörungen im Gehirn von Epilepsie-Patienten darzustellen. Welche Fortschritte in diesem Bereich durch die Einführung innovativer Verfahren erreicht werden konnten, diskutierten Radiologie-Experten beim ECR 2004 im Austria Center Vienna. Besonders die Einführung von sequenziellen Bildgebungsverfahren, wie die „Fluid attenuated inversion recovery“ (FLAIR), auf Deutsch „liquorunterdrückte Turbospinecho-Aufnahmen“, und die Möglichkeit funktioneller, dynamischer Untersuchungen haben entscheidend dazu beigetragen, Gehirnaktivitäten beobachten zu können.

Neuronale Netzwerke im Anfall beobachten

„Heute lassen sich mittels MRT nicht nur Schädigungen als Folge epileptischer Anfälle darstellen, sondern wir können auch die neuronalen Netzwerke bei einem Anfall beobachten“, sagte Prof. Charles Raybaud, Neuroradiologe an der Universität Marseille. „MRT verbessert die Diagnosemöglichkeiten bei den verschiedenen Ausprägungen von Epilepsie und stellt Abnormalitäten im Gehirn dar, die eine Grundlage der Epilepsie sein könnten. Es lassen sich damit auch Regionen identifizieren, die sich für einen chirurgischen Eingriff eignen könnten, eine Strategie, die in der Behandlung der Epilepsie zunehmend eine Rolle spielt.“
Wissenschafter halten die Erkenntnisse, die moderne MRT über Gehirnfunktionen liefern können, auch für wesentlich bei der Unterscheidung verschiedener Gruppen von Epilepsie-Patienten, z.B. solche mit idiopathischen oder symptomatischen Ausprägungen der Erkrankung. Außerdem können durch den Einsatz von MRT in der Vorbereitung von chirurgischen Eingriffen invasive Elektro-Verfahren, die bisher verbreitet waren, vermieden werden.

Schäden bei Kindern vermeiden

Weil das noch nicht vollständig entwickelte Gehirn physiologisch für Anfälle empfindlicher ist, kommt Epilepsie bei Kindern häufiger vor als bei Erwachsenen. „Diese Erkrankung kann die kindliche Entwicklung negativ beeinflussen, weil sie Veränderungen in den neuronalen Kreisläufen hervorruft, aber auch, weil sie die Sozialkontakte und die Ausbildung Heranwachsender behindert“, sagte Raybaud.

Ausprägung von Anfällen

Die Ausprägung von Anfällen hängt unter anderem von der zugrundeliegenden Ausformung der Erkrankung ab. Es kann sich um Formen handeln, deren Ursachen unklar sind und die mit dem Erwachsenwerden wieder verschwinden. Andererseits gibt es auch Erscheinungsformen der Epilepsie, bei denen es zu einer ständigen mentalen und psychologischen Verschlechterung kommt und die sogar zum Tod führen können. Ob es sich bei den Patienten um Kinder oder Erwachsene handelt, in jedem Fall müssen die eingesetzten Magnetresonanz-Verfahren höchste Bildqualität liefern, sind sich die Experten einig. Nur so können jene spezifischen epileptischen Syndrome erkannt werden, die sich für eine medikamentöse Behandlung eignen. Und man kann jene Gehirnregionen identifizieren, die chirurgisch in Angriff genommen werden können.„Mit speziellen FLAIR-Anwendungen können wir nun sogar nur ein Millimeter dünne Schichten des Gehirns darstellen. Damit kann nicht nur das gesamte Gehirn abgebildet werden, sondern es hilft uns auch, spezielle Gebiete genauer denn je zu untersuchen“, sagte Raybaud. „Weil diese Daten sich auch für eine dreidimensionale Darstellung eignen, können sieältiger Weise ausgewertet werden.“

Quelle: Press Office ECR 2004,
Bettschart & Kofler Medien- und
Kommunikationsberatung

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben