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Radiologie 29. März 2006

Ultraschall klärt Kinder-Bauchschmerz besser auf

Welche der modernen bildgebenden Verfahren für Kinder besonders geeignet sind und worauf in der Spezialdisziplin der Kinderradiologie besonders zu achten ist, diskutierten Experten beim Europäischen Radiologenkongress in Wien. Mit entsprechendem diagnostischen Know-how ließen sich Operationen bei Kindern vermeiden, sind sich die Experten einig.

Die Besonderheiten von Diagnose und Therapie in der Kinderradiologie waren eines der wichtigen Themen beim ECR 2004. Häufige Indikation ist die Abklärung von Bauchschmerzen bei Kindern. Derartige, oft schwer zuordenbare Schmerzen zählen zu den am weitesten verbreiteten Beschwerden im Kindesalter. Weil Bauchschmerzen bei Kindern von psychosomatischen Ursachen bis hin zu akuten Entzündungen sehr viele Gründe haben können, kommt einer präzisen und sorgfältigen Diagnose eine besondere Bedeutung zu.

Mit Ultraschall die Ursachen aufdecken

Mit moderner Ultraschall-Diagnostik könnten die meisten Ursachen für Bauschmerzen bei Kindern abgeklärt werden, sagten Experten für Kinderradiologie beim ECR in Wien. „Am Ende einer solchen sorgfältigen Ultraschall-Untersuchung sollte ein Radiologe wissen, ob es organische Ursachen für die Schmerzen gibt“, sagte Dr. Roisin Hayes, Kinderradiologin am Our Lady’s Hospital for Sick Children in Dublin, Irland. „Der routinemäßige Einsatz von CT ist dann nicht nötig, denn Ultraschall ist ein hochsensibles Medium, und es ist höchst unwahrscheinlich, dass man dabei etwas Relevantes übersieht.“

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Konventionelles Röntgen spielt in der Diagnostik von Bauchschmerzen bei Kindern inzwischen – schon wegen der vermeidbaren Strahlenbelastung – eine untergeordnete Rolle. Ganz generell, ist Hayes überzeugt, erfordert der Einsatz von bildgebenden Verfahren in der Pädiatrie, insbesondere in der Diagnostik von Bauchbeschwerden, ganz andere Strategien als bei Erwachsenen. Die Besonderheiten des kindlichen Organismus müssten berücksichtigt werden.„Ultraschall kann zum Beispiel die Bauchspeicheldrüse von Kindern sehr exakt abbilden. Bei Erwachsenen brauchen wir fast immer einen Computertomographen, um ausreichend genaue Bilder zu haben“, sagte Hayes. „Ärzte sollten sich allerdings bei der Untersuchung von Kindern mit Beschwerden im Bauchraum nicht bloß auf Organe wie die Leber, die Gallenblase, die Milz oder die Nieren konzentrieren, sondern auch dem Darm besondere Beachtung schenken.“
Eine Darmuntersuchung lässt sich bei Kindern per Ultraschall viel besser durchführen als bei Erwachsenen, weil sie üblicherweise weniger Körperfett haben und weniger zu Verstopfung neigen. Außerdem ist der Ultraschall auch das diagnostische Mittel der Wahl, um bei jungen Mädchen abzuklären, ob die Schmerzen etwa von Problemen der Eierstöcke oder der Gebärmutter herrühren. Bildgebende Diagnostik bei Kindern erfordere sehr spezialisiertes Know-how und ein Eingehen auf die spezifischen Umstände des individuellen Falls, plädierte Hayes für die Spezialisierung. Bei allen Vorteilen, die etwa moderne Ultraschall-Verfahren bei der Untersuchung von Kindern leisten, seien auch sie nicht bei allen Symptomen die ideale Methode.
„Wenn etwa ein Zehnjähriger starke Bauchschmerzen und zugleich heftigen Durchfall hat, müssen wir zunächst einmal die Möglichkeiten einer Blinddarmentzündung, aber auch eines Morbus Crohn abklären. Und die Diagnose von Morbus Crohn erfordert jedenfalls auch eine Kontrastmitteluntersuchung“, so Hayes. „Der Radiologe hat hier eine wichtige Rolle, die anderen Fachdisziplinen zu beraten, welche Untersuchungen am zweckmäßigsten sind.“

Spezialisierung notwendig

Für eine Spezialisierung im Bereich der Kinderradiologie im Interesse der jungen Patienten sprach sich auch die norwegische Kinderradiologin Prof. Karen Rosendahl vom Haukeland Universitätsspital in Bergen aus. „Wenn für die Untersuchung ein erfahrener pädiatrischer Radiologe verfügbar sein sollte, ist Ultraschall als Methode sicher zu bevorzugen, weil er eine hohe Genauigkeit bietet, sowohl bei der Blinddarmentzündung als auch bei anderen Bauchbeschwerden von Kindern“, empfiehlt Rosendahl. In jedem Fall, betonte die Kinderradiologin, sollte vor einer Operation von Kindern mit Bauchschmerzen ein bildgebendes Verfahren eingesetzt werden. „In manchen Kinderchirurgien wird bei Verdacht auf eine Blinddarmentzündung sofort operiert, ohne dass vorher eine bildgebende Abklärung erfolgt wäre“, kritisierte Rosendahl. Allerdings nur in 70 bis maximal 90 Prozent der Fälle sei ein solcher Eingriff überhaupt notwendig. „Durch entsprechende präoperative bildgebende Diagnostik können wir die Zahl der falsch positiv diagnostizierten Blinddarmentzündungen deutlich reduzieren und gleichzeitig auch noch andere mögliche Ursachen für die Schmerzen abklären“, plädierte Rosendahl für eine Vermeidung unnötiger Operationen.

Quelle: Press Office ECR 2004

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