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Radiologie 29. März 2006

Vom Röntgenfilm zur digitalen Radiologie

102 Jahre alt und noch immer am Puls der Zeit. Die Firma Agfa zählt seit einem Jahrhundert zu den großen Industriepartnern der Radiologie. Was einst etwa zeitgleich mit der Entdeckung der Röntgenstrahlen klein begonnen hatte, findet heute seine Fortsetzung in einem international tätigen Konzern, der auch moderne Produkte für den Bereich Healthcare anbietet.

In Österreich leitet Dir. Gerhard Wüster den Bereich Healthcare für die Region Süd- und Osteuropa. Er ist seit 34 Jahren für die 1903 in Belgien gegründete Firma Agfa tätig und kennt das Unternehmen und den Markt wie seine Westentasche. „Agfa ist ein Konzern, der seine Mitarbeiter aktiv mitgestalten lässt und nicht alles von außen dirigiert“, beschreibt Wüster eine Stärke der Firmenphilosophie, die er im Laufe der Jahre schätzen gelernt hat. Dies komme auch der steten Herausforderung zugute, als Unternehmen auf die rasanten Veränderungen des Marktes entsprechend zu reagieren. Über Jahrzehnte dominierte der photochemische Bereich das Angebot von Agfa. Vom Röntgenfilm über Verstärkerfolien bis hin zu Phosphorplattensystemen entwickelte sich die Produktpalette. Mit Beginn der 1990-er Jahre sprang Agfa auf den Zug der Informationstechnologie (IT) im Gesundheitswesen auf. „Ein Krankenhaus, das in der bildgebenden Diagnostik früher mit Filmmaterialien gearbeitet hat und auf digitale Lösungen umgestiegen ist, konnte seinen Filmbedarf um 80 Prozent reduzieren“, resümiert Wüster. Auf die Veränderungen des Marktes reagierte Agfa mit der Akquisition von Unternehmen, deren Know-how im IT-Bereich lag. KIS, RIS, LIS und PACS haben mittlerweile die jahrzehntelangen Umsatzträger abgelöst: Die Abkürzungen stehen für Krankenhaus-Informations-, Radiologie-Informations- und Labor-Informations-System bzw. Picture Archiving and Communication System. Der größte Deal nach mehreren kleineren war die Übernahme der deutschen Firma GWI, für die Anfang dieses Jahres die kartellrechtliche Genehmigung der österreichischen und der deutschen Behörden erteilt wurde. Das 1990 gegründete Unternehmen entwickelt und vermarktet medizinische, pflegerische und administrative IT-Lösungen für Krankenhäuser in Form des vollständig integrierten und skalierbaren KIS ORBIS®. GWI ist eines der führenden europäischen Unternehmen auf diesem Wachstumsmarkt. Zum Kundenstamm gehören derzeit mehr als 2.000 Kliniken in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich. „In Österreich ist in der Radio-logie die Umstellung auf RIS weit fortgeschritten“, berichtet Wüster im Gespräch mit NETWORK RA-DIOLOGIE. Agfa, GWI und Tiani haben Vorarlberg und Kärnten vollständig digitalisiert sowie große Teile von Tirol, Wien und Oberösterreich. Bei Krankenhaus-Informations-Systemen bestehe allerdings noch großer Nachhol-bedarf. Viele derzeit verwendete Systeme seien veraltet bzw. nicht ausbaufähig, um den heutigen Standards gerecht zu werden. Diese Marktlücke, die auch in anderen europäischen Ländern zu finden ist, war laut Wüster einer der Gründe für die Akquisition von GWI.

Wie wird sich der Einsatz der Informationstechnologie im Bereich Healthcare entwickeln?
Wüster: Die Zukunft geht in Richtung komplette Digitalisierung von Krankenhäusern und schließt vom Management über die einzelnen Fachabteilungen, die „-ologies“, bis hin zur Pflege alles ein. Die spezifischen Lösungen für die einzelnen Bereiche müssen in einem Gesamtsystem zusammenfließen. Für jeden Patienten gibt es eine „Mappe“, in der alle Informationen gesammelt werden, und die innerhalb eines Spitals jedem Arzt zur Verfügung stehen. Der nächste Schritt wäre die Telemedizin. Die Vernetzung von Spitälern hätte zum Beispiel den Vorteil, dass auch Untersuchungen, die in einem anderen Spital gemacht wurden, verfügbar sind – unter der Voraussetzung, dass die Datensicherheit gegeben ist.

Wird die Telemedizin in Österreich in absehbarer Zeit eine entsprechende Verbreitung finden?
Wüster: Das wäre wünschenswert. Was die Auswirkungen der Telemedizin betrifft, sind aber noch zahlreiche offene Fragen zu klären, zum Beispiel die Zuordnung von Kosten bzw. die Honorierung von Leistungen. Große Vorteile brächte die Vernetzung für kleinere Spitäler in der Peripherie. Wenn beispielsweise während des Nachtdienstes ein kritischer Notfall zu versorgen ist, fehlt dort oft die Erfahrung. Da wäre dann die Möglichkeit gegeben, dass Ärzte mit entsprechendem Fachwissen konsultiert werden können.

Was halten sie von der e-card?
Wüster: Die e-card könnte durchaus als Zugriffsberechtigung auf zentral gespeicherte Patientenstammdaten eingesetzt werden. Das wäre sinnvoll und machbar. Auf der e-card elektronische Patientendaten zu speichern, würde ich nicht befürworten.

Wie wirken sich die Engpässe in der Finanzierung des Gesundheitssystems auf Unternehmen wie Agfa aus?
Wüster: Die Menschen werden älter, es gibt mehr Untersuchungsmethoden, es gibt aber auch eine Kapitaldecke für die Finanzierung. Österreich leistet im Vergleich zu anderen Ländern einen hohen finanziellen Aufwand für das Gesundheitssystem. Es wäre zu begrüßen, wenn man die heute zur Verfügung stehenden Mittel einfrieren und auch langfristige Partnerverträge mit den Herstellern abschließen könnte. Beide Seiten sollten Wege aufzeigen, wie Kosten gesenkt werden können. Unter diesen Voraussetzungen wären Industriebetriebe besser in der Lage, entsprechende interne Steuerungen vorzunehmen. Gemeinsames Ziel sollte jedenfalls sein, kostengünstige Produkte zu entwickeln, ohne dadurch eine Kostenexplosion zu verursachen.

Was kann Agfa dazu beitragen?
Wüster: Ein Beitrag von Agfa sind Systeme für Workflow-Analysen in Spitälern. Dadurch können Arbeitsgänge neuen Anforderungen angepasst und Sparpotenziale aufgezeigt werden. Wir haben europaweit bereits solche Analysen durchgeführt, deren Ergebnisse auch umgesetzt wurden. Beispiele dafür sind das Klinikum Ludwigsburg GmbH in Ludwigsburg, die Ernst-Moritz Arndt-Universität in Greifswald und die Berufsgenossenschaftliche Klinik Bergmanntrost in Halle. Neben hoch entwickelten IT- Lösungen bietet Agfa auch zahlreiche Serviceleistungen für Spitäler an. Neben dem technischen Support sind dies Consulting, Projektmanagement, Schulungen, Fern-analysen und die rasche Bereitstellung von Ersatzteilen. Telesupport ist heute 24 Stunden 365 Tage im Jahr für alle Bereiche garantiert.

Wie sind Ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Radiologen?
Wüster: Die Ärzte als Anwender unserer Produkte haben von der wissenschaftlichen Seite her immer viel eingebracht, und Agfa versucht, die Wünsche und Anliegen aus der medizinischen Praxis umzusetzen. Lokale Gegebenheiten zu berücksichtigen, ist dabei von besonderer Bedeutung. Erfreulich ist, dass in Österreich auch niedergelassene Radiologen und Institute den Schritt in Richtung Digitalisierung gehen. Diese Innovationsbereitschaft ist nicht selbstverständlich, in Frankreich beispielsweise bekommen private Anbieter radiologischer Leistungen dafür ein Honorar rückvergütet. Agfa legt auch Wert auf die Abstimmung der Interessen mit den Kunden. So wurde vor fünf Jahren damit begonnen, so genannte MAC-Meetings zu organisieren – MAC steht für Medical Advisory Council. Dabei treffen sich Mitarbeiter unseres Unternehmens mit Nutzern unserer Systeme. Dieses Feedback und Diskussionen tragen dazu bei, die Anliegen beider Seiten auf einen Nenner zu bringen. Eine weitere Institution ist die PACS-School in Form von drei bis fünftägigen Workshops für Anwender dieser Systeme.

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IMPAX von Agfa bietet unschätzbare Vorteile für eine Kardiologische Abteilung: Sofortiger Zugriff auf aktuelle und archivierte Daten –- Mehr Zeit für die Versorgung der Patienten – Effizienterer Arbeitsablauf – Effizientere ärztliche Beratung – Möglichkeit einer Erhöhung des Patientenaufkommens ohne Personalaufstockung – Höhere Diagnosesicherheit – Geringerer Bedarf an Doppeluntersuchungen    

Herbert Hauser, Ärzte Woche 39/2004

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