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Radiologie 4. Juli 2005

Die Stärken moderner MR-Angiographie

Im Gegensatz zur digitalen Subtraktions-Angiographie zeigt die Kontrastmittel-verstärkte MR-Angiographie Gefäßstenosen in ihrer wahren Ausprägung.

Für die meisten Indikationen der bildhaften Darstellung der extrakranialen Abschnitte der Arteria carotis hat die Kontrastmittel-verstärkte MR-Angiographie (CE-MRA) der digitalen Subtraktions-Angiographie (DSA) den Rang abgelaufen. Auch die meisten zerebralen Gefäßveränderungen, vor allem arterielle und venöse Stenosen sowie zerebrale Aneurysmen, können mittels CE-MRA ausgezeichnet dargestellt werden, während bei intrakraniellen Gefäßfehlbildungen die DSA weiterhin der Goldstandard vor Therapiebeginn ist.

Limitierungen der DSA

Die Möglichkeiten der konventionellen DSA für die Darstellung von Gefäßstenosen sind aufgrund der auf zwei oder drei Ebenen limitierten Projektionen wesentlich begrenzter als bei der CE-MRA. Bei Abklärung mittels DSA besteht die Gefahr, wie Prof. Dr. Siegfried Thurnher, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien, am Beispiel des North American Symptomatic Carotid Endarterectomy Trial (NASCET) beim ECR 2005 aufzeigte, dass die Patienten aufgrund der Unterschätzung des Stenosegrades inadäquat behandelt werden. Eine Herausforderung bei der Beurteilung der Karotiden mit der CE-MRA ist die rasche arterio-venöse Rezirkulationszeit im Gehirn mit einem frühzeitigen Enhancement der Vena jugularis, was die bildhafte Darstellung der benachbarten Karotiden erschwert. Rezente Fortschritte, wie „contrast-enhanced timing robust angiography“ (CENTRA), erlauben längere Scanzeiten mit höherer räumlicher Auflösung ohne Kontaminationseffekte durch die Vena jugularis.

Ideal für Darstellung der arteriellen Morphologie

„Die 3D-CE-MRA entwickelte sich zu einer idealen Methode für die bildhafte Darstellung der arte-riellen Morphologie“, berichtete Thurnher bei einem Satelliten-Symposium der Fa. Bracco am ECR 2005 in Wien. „Die Einführung von Gd-BOPTA, einem Kontrastmittel mit hoher Relaxivität, ermöglicht die Akquisition von hoch auflösenden Luminogrammen, die das wahre Lumen der untersuchten Gefäße genau darstellen. Diese größere Detailtreue bei Verwendung von Kontrastmitteln mit hoher Relaxivität erweist sich als optimal für die CE-MRA der Karotiden.“

Visualisation der großen intrakraniellen Arterien

Die nicht invasive Technik der 3D-TOF-MRA erlaubt die Visuali-sation der großen intrakraniellen Arterien und deren peripheren Äste ohne Kontrastmittel in relativ kurzer Untersuchungszeit. Die Qualität der Darstellung der proximalen und distalen Bereiche der arteriellen Äste konnte durch eine Kombination der 3D-TOF-MRA-Technologie mit Kontrastmitteln auf Gadolinium-Basis verbessert werden. Mit Hilfe moderner 3D-CE-MRA-Technologien, wie zum Beispiel ­„Time Resolved Imaging of Contrast Kinetics“ (TRICKS) und „CENTRA Keyhole acquisitions“, kann laut Dr. Nicoletta Anzalone, Abteilung für Neuroradiologie, Ospedale San Raffaele, Mailand, Italien, die zeitliche Auflösung unter Beibehaltung einer adäquaten räumlichen Auflösung signifikant verbessert werden. Als alternative Untersuchungsmethode wird derzeit auch die „2D thick-slice MR digital subtraction angiography“ (2D MR DSA) geprüft. Für die Darstellung von Thrombosen im Bereich des duralen Sinus empfiehlt sich die Verwendung der 3D-fast GE T1-CE-MRA.

Indikationen für CE-MRA

Laut Dr. Philippe C. Douek, Abteilung für Radiologie, Hopital Cardiovasculaire et Pneumologique L. Pradel, Lyon Cedex 3, Frankreich, beinhalten „die Indikationen für die Darstellung peripherer Gefäße mit CE-MRA mit Gd-BOPTA (MultiHance®) unter anderem die endovaskuläre und chirurgische Therapieplanung, das postinterventionelle Follow-up, notfallmäßige Evaluationen, wenn eine MRI verfügbar ist, und die nicht invasive Evaluation des diabetischen Fußes.“ Bereits in naher Zukunft werden weitere technische Fortschritte eine hoch auflösende MRA von atherosklerotischen Plaques mit der Unterscheidung zwischen stabilen und instabilen Plaques ermöglichen. Bei der MR-Angiographie der Halsgefäße kann eine Reduktion der Kontrastmittelmenge zu einer beträchtlichen Kostensenkung führen. S. Friese, U. Klose, A. Kastrup, H. Krapf und W. Küker von der Eberhard-Karls-Universität, Tübingen, BRD, untersuchten in einer rezenten prospektiven Studie, ob mit einem Kontrastmittel hoher Relaxivität eine Verminderung der Dosis ohne Einschränkung der diagnostischen Qualität möglich ist.

Kontrastmittel als Kostenfaktor

Bei jeweils 20 Patienten wurden an einem 1,5T-System die supra-aortalen Gefäße mit 10 bzw. 20 ml Gd-BOPTA (MultiHance®) untersucht. Die Auswertung erfolgte bei 38 Patienten durch die Messung der Signalintensitätsanstiege in der A. carotis communis. Eine weitere Bewertung aller Untersuchungen nach den Kriterien arterieller Kontrast und Bildqualität wurde durch zwei für Dosis und Stenosegrad verblindete Experten vorgenommen. Die gemessenen Signalanstiege waren für 10 und 20 ml Gd-BOPTA bei optimalem Kontrastmittelbolus identisch. Der mittlere Signalanstieg mit 10 ml Gd-BOPTA lag bei 454 und mit 20 ml Gd-BOPTA bei 458. Die Signalwerte für 10 ml Kontrastmittel waren jedoch signifikant geringer, wenn der Kontrastmittelbolus nicht optimal getroffen wurde. Bei der visuellen Beurteilung gab es keine Unterschiede zwischen den beiden Untersuchungsgruppen. Für die CE-MRA der Halsarterien kann mit einer reduzierten Standarddosis ohne Beeinträchtigung der Bildgebung eine Kostenminderung erreicht werden.

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