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Radiologie 29. März 2006

Risikoarme Diagnostik zahlt sich aus

Die Anwendung von Kontrastmitteln bei der Angiographie birgt die Gefahr ernster Komplikationen. Besonders das Auftreten eines akuten Nierenversagens, als Folge einer kontrastmittelinduzierten Nephropathie, kann den Patienten in unmittelbare Lebensgefahr bringen.

Eine unlängst publizierte Studie (NEPHRIC Study) deckte große Unterschiede im Risikoprofil zwischen den beiden Kontrastmitteln Iodixanol und Iohexol auf. So sehr die Namen dieser beiden iodhältigen Kontrastmittel einander ähneln, so stark gehen die klinischen Nebenwirkungsraten auseinander. Die NEPHRIC-Studie belegt anhand von 129 Angiographien bei Risikopatienten mit Diabetes mellitus oder Nierenfunktionsstörungen ein 11-mal höheres Nephropathierisiko, wenn Iohexol anstelle von Iodixanol verwendet wird. Neben der Gefahr für den Patienten rechnet sich die vermeintliche Einsparung auch für den Kostenträger nicht: In einer im Februar 2005 veröffentlichten Analyse konnten Aspelin et al. zeigen, dass die Kosten für die Therapie von Nebenwirkungen unter Iodixanol signifikant niedriger waren.

Diabetiker und Nierenkranke besonders gefährdet

Die kontrastmittelinduzierte Nephropathie tritt nach Verwendung niederosmolarer Kontrastmittel wie Iohexol bei etwa 2 Prozent der Patienten auf. Diabetiker oder Menschen mit Nierenerkrankungen haben ein viel höheres Risiko, das zwischen 12 und 50% angenommen wird. Iodixanol ist im Gegensatz zu Iohexol eine isoosmolare Verbindung. Im Rahmen der NEPHRIC-Studie kam es unter Iodixanol bei 3% der Patienten mit Risikofaktoren zu einer kontrastmittelassoziierten Nephropathie, während in der mit Iohexol untersuchten Gruppe 26% betroffen waren. Auch der Anstieg des Serumkreatinins war unter Iodixanol signifikant geringer (p=0,001). Betrachtet man die aufgetretenen Nebenwirkungen im Detail (s. Tabelle), so finden sich in der Iohexol-Gruppe sieben schwere Nebenwirkungen bei sechs Patienten, die auf die Kontrastmittelgabe zurückzuführen waren; sechs davon waren ein akutes Nierenversagen. Zwei Patienten verstarben infolge der Komplikationen. Demgegenüber waren in der Iodixanol-Gruppe zwei Patienten von leichten kontrastmittelbedingten Nebenwirkungen betroffen. Wenn eine kontrastmittelinduzierte Nephropathie auftritt, werden umfangreiche therapeutische Interventionen erforderlich. Die Behandlung von Kontrastmittelkomplikationen kann teuer werden. Aspelin et al. haben die Kosten für die Therapie der beobachteten Nebenwirkungen genau unter die Lupe genommen und für Schweden, Deutschland und Frankreich als länderspezifisch korrigierte Einheitspreise angegeben. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen war groß: In Schweden betrugen die Behandlungskosten für Nebenwirkungen pro Patient 1,80 Euro in der Iodixanol-Gruppe gegenüber 373 Euro in der Iohexol-Gruppe. In Deutschland und Frankreich fiel der Unterschied mit 0,50 Euro zu 399 Euro bzw. 0,40 Euro zu 445 Euro noch krasser aus. Der Hauptanteil der Kosten in der Iohexol-Gruppe entstand durch die Behandlung des akuten Nierenversagens. Die dafür errechnete Kostendifferenz von Iodixanol gegenüber Iohexol betrug minus 371 Euro für Schweden, minus 399 Euro für Deutschland und minus 445 Euro für Frankreich. Insgesamt war der Einsatz von Iodixanol bei Risikopatienten mit geringeren Kosten verbunden und im Vergleich zu Iohexol wesentlich besser verträglich. Die NEPHRIC-Studie zeigt einen klaren Vorteil für isoosmolare Kontrastmittel bei der Angiographie von Diabetikern und Patienten mit Nierenfunktionsstörungen. Die Inzidenzunterschiede schwerwiegender Nebenwirkungen sind sehr groß. Ebenso enorm ist die finanzielle Ersparnis, wenn komplikationsarme Präparate zum Einsatz kommen. Die Preise für isoosmolares Iodixanol sind in jedem der drei analysierten Länder höher als für Iohexol. Trotzdem können die Mehrkosten durch weniger häufige Nebenwirkungen relativiert werden.

 detail

Quellen: JATROS Kardiol&Gefäßmed 2/05
Erdogan et al.: Recent Clinical Trials of Iodixanol. Rev Cardiovasc Med. 2003;4 (suppl 5): S43–S50
Aspelin P et al: Cost-effectiveness of iodi-xanol in patients at high risk of contrast- induced nephropathy.
American Heart Journal 2005
Aspelin P et al: Nephrotoxic Effects in High-Risk Patients Undergoing Angio- graphy (NEPHRIC). NEJM, Feb 2003

Dr. Alexander Lindemeier, Ärzte Woche 39/2004

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