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Radiologie 4. Juli 2005

Immer drei Schachzüge voraus denken

NETWORK RADIOLOGIE sprach mit Prof. Dr. Thomas Rand, Abteilung für Radiodiagnostik, AKH Wien, über die modernen Möglichkeiten zur Diagnose von Erkrankungen im Bereich der Aorta.

Welche diagnostische Methode bevorzugen Sie zur Abklärung aortaler Veränderungen?
Rand: In erster Linie geht es um die Verfügbarkeit einer Modalität in der Praxis. Diesbezüglich ist die computertomographische Angiographie (CTA) leichter zugänglich und sollte rund um die Uhr verfügbar sein. Die Untersuchung selbst kann sehr schnell erfolgen, die gesamte technische Durchführung der CTA hat eine Tischliegezeit von 5 Minuten. Sehr schnell können auch klare Aussagen bezüglich Durchmesser der Gefäße, potentieller Rupturen, Blutungen und Dissekate gestellt werden. Ein weiterer Vorteil ist die geringere Rate von Artefakten. Die Kontraindikationen der MR-Untersuchungen, wie das Vorhandensein von Herzschrittmachen oder metallischen Implantaten, sind bei der Computertomographie nicht relevant. Zurzeit geht der Trend bei der Diagnostik der Aorta somit in Richtung CTA.

Als ein Nachteil der CTA wird mitunter die Dauer des Rechenvorganges bei der Bildrekonstruktion angegeben ...
Rand: Tatsächlich kann es ein bis zwei Stunden dauern, bis komplexe Rekonstruktionen, etwa 3D- Modelle, aus vielen Einzelbildern modifiziert werden können. Die akut relevanten Bilder stehen aber unmittelbar zur Verfügung, und darauf kommt es an. Gerade die für die Notfalldiagnostik wesent-lichen Basisergebnisse sind sofort verfügbar. Die Schnittstelle zwischen CT und Angiographieraum funktioniert meist wesentlich besser als bei der MR.

Wo liegen die Haupteinsatzgebiete der CT?
Rand: Vor allem die großen dramatischen Akutsituationen sind hier zu nennen: Eine Aortendissektion kann, je nach Lage, ein schweres Krankheitsbild sein und muss rasch abgeklärt werden. Auch die Diagnose eines drohend rupturierenden Aortenaneurysmas kann mittels Computertomographie schnell gestellt werden. Hier geht es um die Klärung, wo genau der Riss lokalisiert ist, um die Weiche zwischen Operation und interventioneller Therapie mittels Stent zu stellen. Bei der Abklärung chronischer Gefäßerkrankungen, wie der Aortensklerose, kommt es vor allem auf die genaue Darstellung von Engstellen an. Neben den supra-aortalen Ästen oder den mesenteriellen Gefäßen ist die Diagnose der Nierenarterien ein wesentlicher Punkt: Im Gegensatz zur MR, bei der man generell eher dazu neigt, Stenosen zu überschätzen, lässt sich bei der Computertomografie auch der Stenosegrad beurteilen. Besonders hervorzuheben ist auch die Möglichkeit der Stentkontrolle und das Erkennen von Restenosen. Hier ist die CT mit Spiraltechnik im Vormarsch und wesentlich spezifischer als die MR, vor allem bei kleineren Gefäßdurchmessern. Mit dem Einsatz des 64-Zeilers haben wir zudem eine diagnostische Genauigkeit erreicht, die die Durchgängigkeit eines Stents in Koronar- oder Nierengefäßen zeigt.

Bei aller Favorisierung der CTA für diese Indikationen: Welche Vorteile sprechen für den Einsatz der MRA?
Rand: Bei einer Kontrastmittelunverträglichkeit oder bestehender Niereninsuffizienz, die eine Kontraindikation für die CT darstellen, ist die MR sicherlich Mittel der Wahl. Zudem ist die Strahlenbelastung der Computertomographie nicht zu vernachlässigen. In Akutsituationen geht es jedoch um Leben und Tod und sicherlich nicht um die Belastung durch eine einzige CT-Untersuchung. Bei langfristigen, oftmaligen Kontrolluntersuchungen ist allerdings aus Gründen der Strahlenhygiene sicherlich die MR zu erwägen. Die Beurteilung der Morphologie von Plaques und der Detailstruktur der Gefäßwand gilt hingegen als Domäne der MR. Dies kann auch als Grundlage für die Entscheidung zum Einsatz eines Stents dienen.

Welche Entscheidungshilfe können Sie aufgrund Ihrer Erfahrung mit den beiden Methoden geben?
Rand: Es sollte gelingen, mit einer Methode mehr als die bloße Dia-gnose stellen zu können. Man muss hier stets weiter voraus denken, nämlich über die Erstellung einer Diagnose hinaus zur Planung des weiteren Procedere: Ob in Richtung interventioneller Radiologie vorgegangen oder der chirurgische Weg gewählt werden soll. Die diagnos-tische Modalität, egal ob CT oder MRT, muss jederzeit einsetzbar sein und perfekt von einem eingespielten Team beherrscht werden, vor allem muss auch der Datenfluss schnell erfolgen können. Unter dieser Prämisse kann natürlich jeder für sich entscheiden, welche Methode im Gesamtkonzept einer Abteilung die geeignetere ist; es dürfte jedoch in den meisten Fällen die MSCT sein.

Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 39/2004

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