zur Navigation zum Inhalt
 
Radiologie 4. Juli 2005

Organtransplantationen fordern die Radiologie

Vor dem Hintergrund stets knapper Spenderorgane für immer mehr potenzielle Empfänger wird eine sorgfältige Planung von Transplantationen immer wichtiger. Dazu gehört vor allem die Auswahl jener Patienten, die am besten von einem Spenderorgan profitieren.

Erhält ein Empfänger mit ungünstiger Prognose ein Spenderorgan, gefährdet die Transplantation diesen Patienten mehr als sie nützt und führt darüber hinaus zum Verlust des Organs für einen besser geeigneten Empfänger. Radiologische Untersuchungen spielten schon immer eine zentrale Rolle im Auswahlverfahren. Neu entwickelte chirurgische Techniken eröffnen die Möglichkeit, mehr Patienten mit Spenderorganen zu versorgen. Sie stellen aber auch eine Herausforderung für die moderne Radiodiagnostik dar.

Eine Spenderleber für mehrere Empfänger

Der Bedarf an Lebertransplantationen ist konstant steigend, erwartungsgemäß wird sich dieser Trend in den nächsten 20 Jahren weiter fortsetzen. Die Früherkennung von Leberzirrhose und Lebertumoren geht auf ein gesteigertes Bewusstsein für Hepatitis C zurück. Heute ist es möglich, eine Spenderleber zu teilen und so mehr als einen Transplant-Patienten zu versorgen. Ebenso kann gesunden Menschen ein Teilstück der Leber für einen Verwandten entnommen werden.

Stellenwert der Bildgebung

„Sowohl diagnostisch als auch interventionell sind modifizierte radiologische Techniken gefragt“, betonte Dr. John Karani vom King’s College Hospital, London, einem der größten Zentren für Lebertransplantation, anlässlich des ECR 2005 in Wien. „Patienten, die früher an Leberversagen gestorben wären, können dank neuer Operationstechniken überleben.“ Der Stellenwert der Bildgebung bei diesen Verfahren ist groß. Wenn Leberteilstücke verpflanzt werden, müssen für jedes Stück nicht nur eigene Blutgefäße, sondern auch ableitende Gallenwege sichergestellt sein. Das kann beispielsweise die Schaffung künstlicher Gallengänge erforderlich machen. Nur durch leistungsstarke Bildgebung kann die Operation sorgfältig geplant werden.

Radiologische Möglichkeiten sind für follow-up wichtig

Am Beispiel der Lungentransplantation wird die Bedeutung radiologischer Untersuchungen in der Nachsorge deutlich. 60 bis 70 Prozent aller Empfänger versterben an chronischen Abstoßungsreaktionen, die sich als Bronchiolitis-obliterans-Syndrom manifestieren. „In der Transplantationsmedizin müssen wir immer an den Verlust des Organs denken. Je früher die Zeichen einer Abstoßung erkannt werden, desto besser ist die Prognose für den Patienten, weil einfach früher gegengesteuert werden kann“, räumt Dr. Prof. Alexander Bankier, Univ.-Klinik für Radiodiagnostik am AKH Wien, ein. Kernspin- und Computertomographie ermöglichen eine nicht-invasive Überwachung des Spenderorgans. Es wird angenommen, dass Veränderungen der Luftwege im CT bereits vor einer klinischen Manifestation erkennbar sind. So fällt bei Patienten mit chronischer Abstoßungsreaktion im CT das charakteristische Air Trapping, ein Hin- und Herpendeln von Atemluft beim Ausatmen ohne Beteiligung am Gasaustausch, auf. Allerdings limitieren die verbundene Strahlenbelastung und nicht zuletzt die Kosten der Untersuchung den Einsatz im postoperativen Screening. Im Rahmen des ECR 2005 stellte Bankier eine prospektive Studie zum Einsatz des CT in der Diagnostik von Atemwegserkrankungen mit über 120 Patienten sowie eine der neuesten Entwicklungen im Bereich der Kernspintomographie (MRT), die Helium-MRT, vor. Diese technisch anspruchsvolle Untersuchung nutzt die Inhalation polarisierten Heliums zur verbesserten Darstellung der Lunge im Tomogramm. Auf den Stellenwert der Bildgebung bei der Früherkennung von Abstoßungsreaktionen angesprochen, zeigt er sich optimistisch: „Unter gewissen Umständen kann das CT im klinischen Follow-up von Lungentransplantierten hilfreich sein. Den Einsatz der MRT werden kommende Studien beurteilen helfen.“

Dr. Alexander Lindemeier, Ärzte Woche 39/2004

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben